Linz, 26.10.07 (KAP) Der Märtyrer Franz Jägerstätter wurde am Freitag bei einem feierlichen Gottesdienst im Linzer Dom selig gesprochen. Der eigentliche Akt der Seligsprechung erfolgte bei der Messfeier mit der Verlesung des lateinischen Papstschreibens durch den Präfekten der Heiligsprechungskongregation, Kardinal Jose Saraiva Martins. Papst Benedikt XVI. stellt in diesem Schreiben fest, dass der "Märtyrer und Familienvater" Franz Jägerstätter sein Leben "in hochherziger Selbstverleugnung, mit aufrichtigem Gewissen in Treue zum Evangelium und für die Würde der menschlichen Person" hingegeben hat. "Jägerstätter ist ein Vorbild in der Treue zum Gewissensanspruch, ein Anwalt der Gewaltlosigkeit und des Friedens, ein Warner vor zerstörerischen Ideologien", hieß es in der "Petitio", der formellen "Bitte um Seligsprechung", die zuvor vom Innsbrucker Diözesanbischof Manfred Scheuer verlesen wurde, der im Linzer diözesanen Seligsprechungsverfahren für Jägerstätter als "Postulator" fungiert hatte. Jägerstätter sei ein "Prophet mit Weitblick und Durchblick" gewesen.
Der Linzer Diözesanbischof Ludwig Schwarz erinnerte in seiner Predigt daran, dass für Jägerstätter Christus "die Mitte des Lebens" war. Franz Jägerstätters Leben sei in eine Zeit großer politischer Umwälzungen gefallen. Im nationalsozialistischen Regime habe Jägerstätter - "ein gläubiger Mann, dem ein waches Gewissen eigen wahr" - eine "ernste Gefahr für Freiheit und Menschlichkeit wie auch für das Christentum" gesehen. Daher habe er es auch mit seinem gläubigen Gewissen nicht vereinbaren können, für "Hitlers Ziele in den Krieg zu ziehen". Jägerstätter habe sich diese Entscheidung angesichts der schwerwiegenden Folgen, die ihm und seiner Familie drohten, "keineswegs leicht gemacht".
Für Franz Jägerstätter sei alles unter der Maxime der Liebe zu Gott gestanden, betonte Bischof Schwarz. Diese Liebe habe ihn befähigt, "Gott mehr zu gehorchen als Menschen". Jahre vor dem Zweiten Vatikanischen Konzil sei bei Jägerstätter schon zu lesen, dass "Heiligkeit" nicht nur eine Sache einzelner, sondern eine "Pflicht aller" sei.
Dabei habe für Franz Jägerstätter die Liebe zum Nächsten einen besonderen Rang gehabt, unterstrich der Linzer Bischof. Wiederholt habe Jägerstätter gemahnt, "zu verzeihen und niemandem zu zürnen". Er sei sich aber auch der Mitverantwortung aller für die politischen Geschehnisse bewusst gewesen. Der Nationalsozialismus "mit seiner kirchenfeindlichen, menschenverachtenden und totalitären Ideologie" habe für Jägerstätter eine aktuelle und dringliche Herausforderung an die einzelnen Christen bedeutet. Die Bildung eines wohlbegründeten, eigenständigen Gewissens, das sich vom "Strom der Mehrheitsmeinungen" nicht mitreißen lässt und sich "auch nicht blind einem Gehorsam verschreibt", sei für ihn unverzichtbar gewesen. Diesem Gewissen sei dann auch Folge zu leisten. Jägerstätter sei überzeugt gewesen, dass die Ehrfurcht vor Gott größer sein muss als die Furcht vor Menschen. In einer Zeit "ernster Bedrohung von Glaube und Kirche, einer erschreckenden Missachtung der Menschenwürde sowie der Zerstörungen eines mörderischen Krieges" habe er in bewegenden Worten "zum Glaubenszeugnis, zur Wahrhaftigkeit, zur Gerechtigkeit, zum Gewaltverzicht und zum Frieden" gemahnt.
Jägerstätter habe sich auf die "Zumutung" der Seligpreisungen in der Bergpredigt Jesu eingelassen, so Schwarz. Die Seligpreisungen seien "provozierender Anstoss" zu einem Verhalten, "das vielen gegen den Strich geht" und sie seien Ermutigung, "sich auf ein neues Denken und einen neuen Weg des Miteinanders einzulassen".
Konzelebranten von Bischof Schwarz waren die Mitglieder der Österreichischen Bischofskonferenz mit Kardinal Christoph Schönborn an der Spitze, die österreichischen Altbischöfe, die Bischöfe der ostmitteleuropäischen Partnerdiözesen von Linz in der Tschechischen Republik, der Slowakei, Slowenien, Rumänien und Weißrussland. Auch zwei Altbischöfe, die wesentlich zur weltweiten Verbreitung des Zeugnisses von Franz Jägerstätter beigetragen haben, waren unter den Zelebranten: Der emeritierte Weihbischof von Detroit und frühere Vorsitzende von "Pax Christi"-USA, Thomas Gumbleton, und der Altbischof von Ivrea (Piemont) und frühere Vorsitzende von "Pax Christi"-Italien, Luigi Bettazzi.
Unter den tausenden Gläubigen im Linzer Mariendom war die Politik durch den oberösterreichischen Landeshauptmann Josef Pühringer vertreten. Mit besonders stürmischem Applaus wurde die 94-jährige Witwe des Märtyrers, Franziska Jägerstätter, bedacht.
Zum Abschluss der Messfeier sagte Kardinal Saraiva Martins, es sei ihm eine "besondere Freude" gewesen, den Papst bei der Seligsprechung eines "verheirateten Laien und Familienvaters" zu vertreten. Gerade in der heutigen Zeit seien "Mut und Konsequenz" eines Franz Jägerstätter von besonderer Bedeutung. Der Märtyrer sei ein "wichtiges Beispiel" für heute und erinnere daran, dass "alle" zur Heiligkeit berufen sind.






