Bischof Aichern: "Jägerstätter ist ein Vorbild für christliche Gewissensentscheidung, für Zivilcourage, und Ernstnehmen des Glaubens" - Gläubige aus USA, Großbritannien, Frankreich, Italien, Deutschland, Schweiz waren anwesend
Linz, 28.10.07 (KAP) Zur ersten Messfeier im Gedenken an den Seligen Franz Jägerstätter kamen am Sonntag in der Pfarrkirche St. Radegund rund 700 Menschen aus aller Welt zusammen. Seine Predigt schloss der Linzer Altbischof Maximilian Aichern mit der liturgischen Bitte: "Seliger Franz Jägerstätter, bitte für uns".
Am Taufbecken, wo Franz Jägerstätter vor 100 Jahren die Taufe empfangen hatte, wurde seiner zuerst gedacht. Der liturgische Gedenktag des Märtyrers wird in Zukunft immer der 21. Mai, sein Tauftag, sein. Jägerstätter ist einer der ersten Seligen und Heiligen, deren an ihrem Tauftag gedacht wird. So kommt die Berufung für Christus in der Taufe zum Ausdruck.
Der feierliche Gottesdienst wurde von den Bischöfen Ludwig Schwarz, Maximilian Aichern und Manfred Scheuer geleitet. Viele Menschen aus der Heimatgemeinde Jägerstätters waren anwesend, aber auch viele Gläubige aus den USA, Großbritannien, Frankreich, Italien, Deutschland und der Schweiz.
Bischof Aichern zeigte sich in seiner Predigt tief bewegt von den Feierlichkeiten der Seligsprechung am Nationalfeiertag im Linzer Dom. Die Seligsprechung erinnere daran, dass Heilige und Selige nicht Vergangenheit, sondern Gegenwart sind. "Jägerstätter ist und bleibt eine Pro-vokation", so Bischof Aichern: "Er ist ein Vorbild für christliche Gewissensentscheidung, für Zivilcourage, und Ernstnehmen des Glaubens". In Anspielung auf den berühmten Traum Jägerstätters vom Zug, "der in die Hölle rollt", sagte Aichern, dass auch heute noch viele Züge in die Richtung rollten, in die damals die Weichen gestellt wurden, wenn man an Nationalismus, Rassismus und Ausländerfeindlichkeit denke.
Seligsprechung bedeute, dass das Leben und Sterben eines Menschen geglückt sei, erinnerte der Linzer Altbischof: "Bei Jägerstätter ist sie der Abschluss eines langen Ringens in Kirche und Gesellschaft". Die Seligsprechung sei ein wichtiger Impuls für die Diözese und weit darüber hinaus. Christen wie Franz Jägerstätter seien ein Stück Evangelium, das im Leben verwirklicht sei. Die Seligsprechung könne auch als eine späte Wiedergutmachung und Anerkennung für die Familie und die Gattin angesehen werden, die in schwerster Zeit zu ihm gestanden seien.
Franz Jägerstätter möge beitragen zum Abbau menschenverachtender Systeme und Todesmaschinerien, zum Aufbau einer auf Gerechtigkeit und Beachtung der Menschenwürde gegründeten Gesellschaft, so Bischof Aichern.
Pfarrer Josef Steinkellner und Pfarrgemeinderatsobmann Wilhelm Peterlehner dankten allen Mitwirkenden. Bürgermeister Isidor Hofbauer übermittelte Grüße an Franziska Jägerstätter von Bundespräsident Heinz Fischer.
Nachtgebet in Ostermiething
In einem Nachtgebet am Vorabend den 27.10. in Ostermiething gaben jene Menschen ein Zeugnis ihrer Verbundenheit mit Franz Jägerstätter, die seit Jahrzehnten die Verehrung des neuen Seligen hochgehalten haben. Von dem ersten Biografen Prof. Gordon Zahn aus den USA berichtete einer seiner Schüler, dass Zahn (der schwer an Alzheimer leidet), kurz mit klarem Blick aufschaute, als ihm die Nachricht von der Seligsprechung Franz Jägerstätters übermittelt wurde. (ende)






