Initiator Berger bei Solidarpreisverleihung im Forum Kloster Gleisdorf: "Regionaler Klimagipfel" soll bis 2020 Halbierung des Energieverbrauchs in Oststeiermark bringen - Regierung soll 10-Milliarden-Klimarettungspaket schnüren
Wien, 27.11.2009 (KAP) Wenn sich auf höchster Ebene in Sachen Klimaschutz trotz alarmierender Umweltveränderungen wenig bewegt, müssen Regionen mit gutem Beispiel vorangehen: Fery Berger, Theologe und Initiator sowohl der "Solidarregion Weiz" als auch der "Weizer Pfingstvision", rief am Freitagabend bei einer Solidarpreisverleihung im Forum Kloster Gleisdorf vor mehr als 100 Bürgermeistern und Abgeordneten zu einem "regionalen Klimagipfel" auf, der den Energieverbrauch in der Oststeiermark bis 2020 um die Hälfte reduzieren soll.
Das Leitungsteam der "Solidarregion Weiz" nimmt aber auch die Bundespolitik in die Pflicht: Von der Regierung wird ein 10-Milliarden-Klimarettungspaket für die Jahre 2010 bis 2015 gefordert. Dazu liegt laut Berger ein fertiges Konzept von dem aus der Oststeiermark stammenden Landtagsabgeordneten Josef Ober auf dem Tisch: Bei einer Förderhöhe von 40 Prozent der Investitionssumme an Private, Unternehmen, Landwirte und Gemeinden bekäme der Staat 13 Milliarden Euro an Abgaben und Steuern wieder zurück. Zugleich würden 22.000 Arbeitsplätze neu geschaffen und nach den fünf Jahren mehr als doppelt so viele Dauer-Jobs bestehen bleiben.
In seiner Ansprache vor der Festversammlung äußerte Fery Berger scharfe Kritik an Versäumnissen der österreichischen Umweltpolitik: Österreich werde als einziges der alten EU-Länder die selbst gesteckten Kyoto-Klimaziele nicht erreichen. Bei der jüngsten Förderungsaktion für Photovoltaik sei der Fördertopf innerhalb weniger Minuten geleert gewesen. Wenn man die "Bereitschaft so vieler Österreicher, persönlich viel Geld in den Klimaschutz zu investieren", von Staatsseite nicht als große Gelegenheit ergreife, müsse man an der Ernsthaftigkeit der heimischen Klimapolitik zweifeln, sagte Berger.
"Aber wir möchten nicht nur etwas fordern. Wir möchten auch selbst etwas tun" so Berger weiter. Der Vorschlag eines "regionalen Klimagipfels" für die Region Oststeiermark habe in Vorgesprächen positiven Widerhall gefunden. Im kommenden Jahr sollen alle maßgeblichen Regionalpolitiker gemeinsam mit Fachleuten und Engagierten über die Umsetzung des ambitionierten Energieeinsparungszieles beraten. Eingebunden sind laut Berger mit den Professoren Helga Kromp-Kolb und Stefan Schleicher zwei der renommiertesten Klimaexperten Österreichs. Um innerhalb des nächsten Jahrzehnts 50 Prozent des Energieverbrauchs einzusparen, werde "eine enorme Kraftanstrengung notwendig sein", sagte Berger: "Aber denken wir daran, was unsere Eltern und Großeltern nach dem Krieg geleistet haben. Unmögliches wird möglich, wenn alle zusammenhalten."
Weitreichende Beschlüsse beim bevorstehenden Weltklimagipfel in Kopenhagen zu mehr Nachhaltigkeit seien nach jüngsten Äußerungen hochrangiger Politiker unwahrscheinlich, bedauerte Berger. "Wenn man sich auf oberster Staatenebene wirklich nicht auf verbindliche Klimabeschlüsse einigen kann, dann müssen wir an der Basis damit beginnen und mit gutem Beispiel vorangehen", appellierte er. Sollten sich weitere Regionen in Österreich der Weizer Initiative anschließen, "könnte das wirklich von der Basis aus etwas auslösen".
Solidarpreise zum zweiten Mal verliehen
Die Solidarpreisverleihung fand zum zweiten Mal statt. Aus 20 eingereichten Projekten wurden vier ausgewählt und mit je 1.000 Euro bedacht, die den Kriterien "regional verbunden, sozial, ökologisch, ethisch und global offen" nach Ansicht der Fachjury am besten entsprachen: Geehrt wurden Anna-Maria Meißl für das Projekt "Punkten für Spenden" des Volleyballteams einer Klasse der HLW (Fachschule für wirtschaftliche Berufe) Weiz, Bernd Strauß für sein Projekt "Yeribondee - Ein afrikanisches Dorf auf seinem Weg", Herbert Ederer für das Pädagogikprojekt "Weiz macht stark" sowie die HLW Weiz für ein Förderprojekt zugunsten von "regio(nale) Jaus'n". Darüber hinaus wurden innovative Unternehmen zu "Solidarbetrieben" ernannt.
Die "Solidarregion Weiz" wurde 2005 als überparteiliche und überkonfessionelle Initiative gegründet, hat ihre Wurzel aber in der kirchlichen "Weizer Pfingstvision". Ziele sind, den Zusammenhalt der Menschen in der Region zu stärken, konkret für weltweite Gerechtigkeit einzutreten und "Bewusstsein für die globale Krise und deren Chancen" zu schaffen. (Informationen: www.solidarregion.at)






