Caritas, Greenpeace, Initiative "Klima fair bessern" und Klimaforscherin Kromp-Kolb mahnen vor Klimagipfel in Kopenhagen entschiedene Maßnahmen gegen Klimawandel ein
Wien (KAP) Sieben Tage vor dem Start des Klimagipfels in Kopenhagen haben Caritas, Greenpeace und die Initiative "Klima fair bessern" ein "Nothilfepaket" gepackt, das eine Reihe von Forderungen an die Politik enthält, um die schlimmsten Auswirkungen des Klimawandels zu vermeiden. Das Paket, das die Organisationen gemeinsam mit der Klimaforscherin Helga Kromp-Kolb erstellt haben, beinhaltet "rasches Handeln" und "individuelles Engagement" genauso wie eine "drastische Reduktion der Treibhausgase", einen "Ausgleich für verursachte Schäden", die "Unterstützung der ärmsten Länder" sowie das "Ernstnehmen der Zwei-Grad-Grenze" als Maximum der hinzunehmenden Erderwärmung.
Wie dramatisch die Situation ist, verdeutlichte Kromp-Kolb bei einer Pressekonferenz am Montag in Wien. Neueste wissenschaftliche Studien würden ergeben, dass sich der Klimawandel beschleunigt. Das Eis der Polarregionen schmelze beispielsweise schneller als erwartet. Schon ein Temperaturanstieg von zwei Grad Celsius lasse den Meeresspiegel aber um 40 Meter ansteigen. Neuste Prognosen würden sogar von einem Temperaturanstieg von sieben Grad Celsius bis Ende des Jahrhunderts sprechen.
Damit sei unvorstellbar viel menschliches Leid verbunden, warnte die Klimaforscherin, denn letztlich sei das Ökosystem stärker als der Mensch. Die Politiker müssten endlich einsehen, dass es beim Klimaschutz nicht mehr um Taktik sondern nur mehr um entschiedenes gemeinsames Handeln gehen könne. Das Klimaabkommen von Kopenhagen müsse deshalb verbindliche Ziele enthalten, die Treibhausgasemissionen der Industrieländer bis 2020 um 40 Prozent zu reduzieren, ausgehend vom Niveau des Jahres 1990.
Als Beispiel für individuelles Engagement führte Kromp-Kolb u.a. an: "Weniger Auto fahren, regionale Produkte kaufen und nur mehr stromsparende Elektrogeräte verwenden". Das sei in Summe keine Kleinigkeit. Durch die flächendeckend Einführung von Energiesparlampen in der EU könnten elf Großkraftwerke vom Netz genommen werden, so die Klimaforscherin.
Hilfe für Entwicklungsländer
Caritas-Präsident Franz Küberl machte bei der Pressekonferenz darauf aufmerksam, dass vom Klimawandel in erster Linie die Menschen in den ärmsten Ländern der Welt betroffen sind. Schon jetzt müssten eine Milliarde Menschen weltweit Hunger leiden, langfristig seien durch den Klimawandel weitere 600 Millionen Menschen von Hunger bedroht. Österreich müsse sich in Kopenhagen deshalb dafür stark machen, dass die EU den Entwicklungsländern den Betrag von 35 Milliarden Euro sowie ihr Knowhow für Klimamaßnahmen zur Verfügung stellt. Mit diesem Geld würde die EU zeigen, dass sie Verantwortung für vergangene und künftige Klimaschäden übernimmt, so Küberl.
Unabhängig vom Ergebnis in Kopenhagen müsse Österreich endlich beginnen, vom Klimaschutz-Schlusslicht in der EU zum Vorreiter zu werden, forderte Greenpeace-Geschäftsführer Alexander Egit. Dafür brauche es ein mit allen Kompetenzen ausgestattetes Klimaschutzministerium, ein Klimaschutzgesetz und ein Bündel von Maßnahmen wie eine CO2-Steuer, eine thermische Sanierungsoffensive oder ein neues Ökostromgesetz.
Weltweites Glockenläuten am 13. Dezember
Als Teil einer internationalen Kampagne haben sich in Österreich Caritas, Dreikönigsaktion, Welthaus, Jugend Eine Welt und weitere katholische Hilfsorganisationen zur Initiative "Klima fair bessern" zusammengeschlossen. Koordiniert wird die Initiative von der Koordinierungsstelle der Österreichischen Bischofskonferenz für internationale Entwicklung und Mission (KOO).
Mit einer Postakartenaktion, die von mehr als 20.000 Österreichern unterschrieben wurde sowie einer entsprechenden Selbstverpflichtungserklärung zu Maßnahmen zur Klimaschonung hätten viele Menschen bereits gezeigt, dass sie nicht länger auf Kosten anderer leben wollten, sagte "Klima fair bessern"-Koordinatorin Josefa Molitor-Ruckenbauer. Umweltminister Nikolaus Berlakovich wird von den Hilfsorganisationen aufgefordert, sich in Kopenhagen vehement für ein gerechtes und nachhaltiges Klimaabkommen einzusetzen.
Der Kopenhagener Weltklimagipfel findet vom 6. bis zum 18. Dezember statt. Bei dem Gipfel soll ein neues Welt-Klimaabkommen vereinbart werden, weil das derzeit geltende Klimaschutz-Protokoll von Kyoto 2012 ausläuft. Die Chancen auf ein rechtsverbindliches Klimaabkommen wurden wegen der schleppenden Vorverhandlungen zuletzt aber als gering eingeschätzt.
Am Sonntag, 13. Dezember, läuten weltweit um 15 Uhr die Kirchenglocken für ein gerechtes Klimaabkommen. Mit der Aktion wollen die Kirchen auf die Notwendigkeit aufmerksam machen, gegen den weiteren Klimawandel aktiv zu werden.






