Vatikanstadt, 06.12.2009 (KAP) Die katholische Kirche setzt nach Worten von Vatikan-Sprecher P. Federico Lombardi SJ hohe Erwartungen in die Weltklimakonferenz von Kopenhagen. Der Erfolg hänge weniger von den Entscheidungen der Regierungen über "magische Zahlen" zu Treibhausgasen und Finanzmitteln ab, sondern letztlich von jedem einzelnen, sagte P. Lombardi in seinem "Radio Vatikan"-Kommentar. Er verwies auf die Forderung des Papstes in dessen jüngster Sozialenzyklika nach einem "neuen Lebensstil".
Der Erfolg oder Misserfolg von Kopenhagen werde vordergründig von den Maßnahmen der großen und mächtigen Nationen und ihrer Politiker abhängen, betonte P. Lombardi. Letztlich aber ergebe er sich aus der Summe des Verhaltens jedes einzelnen. Allzu oft sei man bereit, die Verantwortung auf andere abzuschieben. Der Papst habe in seinem Sozialschreiben "Caritas in veritate" deutlich gemacht, dass das ökologische System vom guten Verhältnis des Menschen zur Natur, aber auch zu den Mitmenschen abhänge.
Schönstein: "Kirche muss Wort ergreifen"
Die katholische Kirche könne in Kopenhagen wirklich eine wichtige Rolle spielen: Denn sie repräsentiere eine Milliarde Menschen und sei weltweit präsent. Das betont die österreichische Umweltaktivistin Isolde Schönstein im Gespräch mit "Radio Vatikan". Sie ist Gründerin der christlich inspirierten österreichischen "Arbeitsgemeinschaft Schöpfungsverantwortung".
"Klimaschutz ist Lebensschutz. Die katholische Kirche hat deshalb in diesem Bereich eine große Verpflichtung. Sie hat aber gleichzeitig auch eine große Chance, sich dafür einzusetzen", so Isolde Schönstein. Die Kirche habe außerdem sehr gute Informationsstrukturen durch ihr kapillares Netz von Pfarrgemeinden.
Die Kirche müsse aber auch im Bildungsbereich einen konkreten Schritt für den Klimaschutz tun, so Schönstein: "Es gibt viele katholische Bildungseinrichtungen. Dort muss der Klimaschutz thematisiert werden".
Schon 1996 habe sie dem damaligen Kardinal Joseph Ratzinger, dem heutigen Papst, nach hunderten Interviews mit Priestern und Kirchenleuten mitteilen müssen, dass die Schöpfungstheologie eigentlich verschwunden sei. Ratzinger habe ihr das auch bestätigt. Der Präfekt der Glaubenskongregation habe ihr auch zu verstehen gegeben, dass die Schöpfung umso mehr aus der Verkündigung verschwindet, "je deutlicher die Verhältnisse in Erscheinung treten".






