Erzbischof Williams rief bei ökumenischem Gottesdienst die reichen Länder zur grundlegenden Änderung ihres Lebensstils auf
Kopenhagen (KAP) Als eindrucksvolle Mahnung zum Klimaschutz schlugen die Glocken des Doms von Kopenhagen am Sonntag - so wie die ungezählter anderer Kirchen in aller Welt - 350 Mal an. Im Anschluss an einen ökumenischen Gottesdienst des anglikanischen Erzbischofs von Canterbury, Rowan Williams, begann das Glockengeläut kurz nach 15 Uhr. In seiner Predigt forderte das Ehrenoberhaupt der "Anglican Communion" von den Verhandlungsführern mutige und tatkräftige Entscheidungen. In Anwesenheit der dänischen Königin Margarethe II. mahnte der anglikanische Primas, die reichen Länder müssten ihren Lebensstil grundlegend verändern.
Die Zahl 350 bezieht sich auf die Höchstgrenze für eine ungefährliche Kohlendioxid-Konzentration in der Erdatmosphäre. Bei einer Konzentration von 350 ppm (Teilchen pro Million) würde sich die Klimaerwärmung auf 1,5 Grad Celsius im Vergleich zur vorindustriellen Ära beschränken. Derzeit liegt die Konzentration bei rund 385 ppm. Dies führt zu einem Abschmelzen der Gletscher und damit zu einem Anstieg des Meeresspiegels. Ohne eine rasche Senkung der CO2-Konzentration wäre deshalb die Existenz vor allem der kleinen Inselstaaten direkt bedroht.
Zu den Teilnehmern des Gottesdienstes gehörte auch Friedensnobelpreisträger Desmond Tutu. Der südafrikanische anglikanische Alterzbischof hatte am Vormittag eine Liste mit mehr als einer halben Million Unterschriften für Klimagerechtigkeit an den Chef des UN-Klimasekretariates Yvo de Boer übergeben.
In einem leidenschaftlichen Appell erinnerte Tutu an die Dringlichkeit der Situation: "Wacht auf, reiche Länder", rief er den Verhandlungsführern in Kopenhagen zu. Die Proteste müssten bis zu einer Lösung weitergehen, wie vor dem Ende des Apartheid-Regimes in Südafrika und vor dem Fall der Berliner Mauer.
Beim Gipfel war der Sonntag Ruhetag. Die bisherigen Gespräche in Kopenhagen wurden auf Beamtenebene geführt. Ab Montag beraten die Fachminister. Die Beschlüsse fassen an den letzten beiden Tagen des Gipfels die Staats- und Regierungschefs.
Kirchen und kirchliche Hilfswerke sind in Kopenhagen stark vertreten. Sie verlangten bereits vor der Konferenz eine gerechte Lösung für die Folgen des Klimawandels. Dazu gehöre etwa, dass die Industrieländer ihrer Verantwortung gerecht werden und die stark von Umweltänderungen betroffenen Entwicklungsländer bei der Bewältigung ihrer Probleme unterstützen sollten. Papst Benedikt XVI. rief vor Beginn des Gipfels alle Menschen zu einem maßvollen und verantwortungsvollen Lebensstil auf. Das gelte vor allem mit Blick auf die Armen und die künftigen Generationen.






