Rom, 06.08.2010 (KAP) Ein Meer von gelben Tüchern: Zum Auftakt der Messe schwenken rund 3.200 Buben und Mädchen in der Basilika Sankt Paul vor den Mauern ihr Erkennungszeichen, ein Halstuch. Es ist die Abschlussveranstaltung der Ministranten aus Österreich, die zur Internationalen Ministrantenwallfahrt nach Rom gepilgert sind. Auch die Papst-Basilika präsentiert sich an diesem Donnerstagabend außergewöhnlich: Eine Stahlkonstruktion als Bühne beherrscht das Mittelschiff, eine blaue Licht-Installation verkörpert das Motto der Wallfahrt: "Aus der wahren Quelle trinken".
"Ich bin nach Rom gekommen, weil ich einen Durst habe, der mit Wasser nicht gestillt werden kann", spricht eine Ministrantin ins Mikrofon. Um sie herum haben die Jugendlichen auf dem Boden der Kirche Platz genommen und lauschen aufmerksam, als Bischof Manfred Scheuer ihnen das Evangelium vom Gespräch Jesu mit der Samariterin am Brunnen auslegt. Den Durst und Hunger nach Leben stellt der Innsbrucker Bischof in den Mittelpunkt. Ausgehend von der Erfahrung der römischen Sommerhitze erinnert er sie daran, "was Durst ist und wie lebensnotwendig Wasser ist".
Eindrücke, Worte und menschliche Begegnungen - all das sei "Essen und Trinken für die Seele", sagt Scheuer. Manchmal könnten Menschen auch gelenkt und manipuliert werden, daher brauche es "die gute Nahrung des Innehaltens", um sich selbst und seinen Auftrag zu erkennen. Nötig sei auch ein Freund - jemand, der einen durch und durch kenne und der trotzdem zu einem stehe, genau wie Jesus, sagt Scheuer.
"Zum eigenen Glauben stehen"
Getragen und gestärkt durch die Gemeinschaft - so erleben auch die Ministranten selbst ihre gemeinsame Wallfahrt. Insgesamt 53.000 Mädchen und Buben aus rund 20 Nationen waren auf Initiative des internationalen Ministrantenverbandes CIM nach Rom gereist; es war die zehnte Wallfahrt dieser Art. "Hier treffen Leute zusammen, die alle gleich denken. Das kann motivieren, zum eigenen Glauben zu stehen", sagt Christian Wischenbart, der die Jungschar der Diözese Sankt Pölten leitet. Der 21-Jährige weiß, dass Ministranten von ihren Altersgenossen mitunter zu spüren bekommen, "dass Glaube und Ministrieren unsinnig seien".
Was die "Minis" in Sachen Liturgie drauf haben, zeigt die musikalische Gestaltung - mit einem Chor, der sich eigens für diesen Gottesdienst zusammengeschlossen hat. "Ganz bunt zusammengewürfelt" nennt Judith Werner, Pastoralassistentin für die Ministrantenseelsorge der Erzdiözese in Wien, ihr Gesangsensemble von 18 Jugendlichen aus 13 Pfarreien. Die jungen Gottesdienstteilnehmer gehen begeistert mit, singen und klatschen. Dabei hat der Chor lediglich drei Mal geprobt, wie Judith Werner bekennt: "Es ist einfach ein schönes Erlebnis."
Die ganze Stadt ein Treffpunkt
Nicht nur gelbe Halstücher sind zu sehen - in der Menge blitzen etliche andere Farben hervor. Manche Ministranten haben ihre Tücher mit Kollegen aus anderen Ländern getauscht. Und dafür gab es viele Gelegenheiten: das gemeinsame Abendgebet auf dem Petersplatz, die Generalaudienz bei Papst Benedikt XVI., aber natürlich auch die zufälligen Begegnungen an der Spanischen Treppe oder beim Trevi-Brunnen. Die ganze Stadt war in diesen Tagen ein Treffpunkt für die Ministranten. "Rom und die Gemeinschaft hier sind so schön", sagt Naomi Knapp aus Linz.
Die 14-jährige Naomi trägt die neongelbe Weste, die sie als Mitglied des Hilfspersonals ausweist. Wie viele Minis lässt sie sich nicht einfach vom Programm berieseln, sondern stellt sich für Aufgaben rund um den Abschlussgottesdienst zur Verfügung. Und viele helfende Hände werden nach der Messe beim anschließenden Begegnungsfest gebraucht - ob es um das Verteilen von Erinnerungs-Armbändchen geht oder die Ausgabe der Jausen.
Der Abschlussabend klingt aus im Ildefonso-Schuster-Park neben der Basilika, mit stimmungsgeladener Musik und einem großen gegenseitigen Kennenlernen. Eine logistische Herausforderung für den Koordinator der österreichischen Wallfahrtsgruppen, Johannes Huber. Doch am Ende kann er zufrieden sein: "Alles hat so funktioniert, wie wir es am Reißbrett geplant hatten."






