Wien (KAP) Die Unabhängige Opferschutzkommission unter dem Vorsitz von Waltraud Klasnic hat am Mittwoch mit Vertretern einer Missbrauchsopfer-Plattform und Rechtsanwalt Werner Schostal Gespräche geführt. Die Kommission teilte mit, dass seit Bekanntgabe des vierstufigen Entschädigungsmodells und dem Aufruf, sich möglichst bis Jahresende zu melden, ein weiterer Anstieg an Meldungen zu registrieren war. Derzeit seien bereits rund 300 Betroffene mit der Unabhängigen Opferschutzanwaltschaft in Kontakt. In seiner jüngsten Sitzung hat das Expertengremium auch weitere Soforthilfen und Therapien beschlossen. Im Herbst sollen erste Entschädigungszahlungen vorgenommen werden.
Über das Gespräch mit Werner Schostal und Opfervertretern hieß es lediglich, dass dieses - nach mehreren Angeboten seitens der Opferschutzkommission - jetzt "sehr offen" geführt wurde. Es seien unterschiedliche Standpunkte ausgetauscht worden, wobei die Klasnic-Kommission ihre Angebote erneuert habe. Ein nächster Gesprächstermin soll im Oktober stattfinden.
Schulbrüder-Orden war rechtzeitig informiert
Den Vorwurf des Ordens der "Schulbrüder de La Salle", er sei über das Einschalten der Staatsanwaltschaft in der Strebersdorfer Missbrauchs-Causa nicht informiert worden, wies die Unabhängige Opferschutzkommission zurück. In ihrer Stellungnahme wird festgehalten, "dass Verantwortliche des Ordens schon seit Wochen über Vorwürfe und eine von der Unabhängigen Opferschutzanwaltschaft beabsichtigte Sachverhaltsdarstellung informiert waren".
Im Gespräch mit "Kathpress" erläuterte der Medienverantwortliche der Kommission, Prof. Herwig Hösele, die Vorgangsweise bei begründeten Verdachtsfällen: Demnach "gibt die Unabhängige Opferschutzanwaltschaft prinzipiell von sich aus keine Informationen über Einzelfälle an die Öffentlichkeit". Eine Sachverhaltsdarstellung an die Justiz sei bei begründetem Verdacht eines der Mittel, das die Kommission im Interesse des Opferschutzes und der objektiven Aufklärung von Vorwürfen ergreifen kann. Voraussetzung dafür aber sei der Wunsch des betroffenen Opfers, betonte Hösele.
Bei der Staatsanwaltschaft werde unterdessen die Anzeige betreffend den Schulbrüder-Orden überprüft. Das berichtete am Mittwoch die Austria Presseagentur (APA) unter Berufung auf die Sprecherin der Staatsanwaltschaft. Da die am vergangenen Freitag eingelangte Sachverhaltsdarstellung sei "sehr vage" formuliert sei, könne die Staatsanwaltschaft noch nicht sagen, ob es sich um eines oder um mehrere Opfer handelt.
Die Erzdiözese Wien hatte am Dienstag einen Verdachtsfall beim Schulbrüder-Orden bestätigt und festgehalten, dass der Betreffende bereits vor Wochen alle seine kirchlichen Funktionen bis zur Klärung der Vorwürfe ruhend gestellt hat.