Lateinischer Patriarch ruft in Osterpredigt in der Grabeskirche Christen aller Konfessionen auf, "mit einer einzigen Stimme" das Evangelium zu verkünden - Außergewöhnlich scharfe Sicherheitsmaßnahmen begleiteten die Osterfeierlichkeiten der West- und Ostkirchen
Jerusalem, 04.04.2010 (KAP) Der Lateinische Patriarch von Jerusalem, Fouad Twal, hat am Sonntagmorgen in seiner Osterpredigt in der Jerusalemer Grabeskirche die zunehmende Gewalt gegen Christen in vielen Teilen der Welt beklagt. Zugleich versichere Gott seiner "kleinen Herde", dass sie ohne Angst auch durch schwere Zeiten gehen könne, so Patriarch Twal. Die Kirche im Heiligen Land sei dazu berufen, im Alltag mit Geduld und Vertrauen auf Gott für Versöhnung unter Völkern und Religionen zu arbeiten, so Twal. Die gleichzeitigen Osterfeiern von Ost- und Westkirchen dieses Jahr unterstrichen die Notwendigkeit, als Christen "mit einer einzigen Stimme" das Evangelium zu verkünden. Wenn das Zusammentreffen der verschiedenen Liturgien in der Grabeskirche oft als Missklang erscheine, so werde es doch "im gemeinsamen Glauben gelebt zu einer Symphonie". Da die westlichen und östlichen Ostertermine in diesem Jahr zusammenfallen, waren die Feiern in Jerusalem von außergewöhnlich scharfen Sicherheitsmaßnahmen begleitet. Verschärft wurde die Situation durch den Zusammenfall der christlichen Feiertage mit dem jüdischen Paschafest, zu dem zehntausende Juden aus aller Welt nach Jerusalem strömten. Die Polizei hatte Dutzende von Sperren in den Gassen rund um die Grabeskirche errichtet, vor denen sich entrüstete Gläubige sammelten. Nach Auskunft des israelischen Polizeisprechers Micky Rosenfeld kamen zur orthodoxen Liturgie des Heiligen Feuers am Karsamstag rund 15.000 Menschen in der Grabeskirche und in den umgebenden Gassen des christlichen Altstadtviertels zusammen. Die Situation hätte wegen des starken Menschenandrangs zu eskalieren gedroht, sagte er der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA). Dank der starken Polizeipräsenz sei es jedoch zu keinerlei Zwischenfällen gekommen. Orthodoxe Kirchenvertreter und palästinensische Christen hatten die Maßnahmen der Polizei als übertrieben kritisiert: Nach Angaben der palästinensischen Nachrichten-Agentur "Maan" erklärte der Griechisch-Orthodoxe Patriarch Theophilos III., seine Kirche lehne das "Aussperren" der Gläubigen aus der christlichen Altstadt entschieden ab. Alle Menschen hätten das Recht, ihre heiligen Stätten ohne "Schikanen" zu erreichen und ihren seit Jahrhunderten "ohne Hindernisse ausgeübten religiösen Traditionen" zu folgen. Der palästinensische Premierminister Salam Fayad drückte während der Osterfeiern in Bethlehem die Hoffnung aus, dass nächstes Jahr alle christlichen Palästinenser zusammen die Liturgie des "Heiligen Feuers" in Jerusalem würden feiern können: "So Gott will" werde es bis dahin einen palästinensischen Staat in den Grenzen von 1967 mit Ostjerusalem als seiner Hauptstadt geben. Dieses Jahr hatten nur wenige Christen aus dem Westjordanland an den Feiern in Jerusalem teilnehmen können, da die Checkpoints wegen des jüdischen Paschafestes geschlossen waren.






