Wien, 19.3.07 (KAP) Mehr als eine Million Katholiken hat an den gesamtösterreichischen Pfarrgemeinderatswahlen am Sonntag teilgenommen. Die Wahlbeteiligung sei mit 21 Prozent gegenüber den letzten Wahlen im Jahr 2002 stabil geblieben, sagte der Wiener Pfarrgemeinderatsreferent Johannes Pesl. Der Trend zu einer stärkeren Repräsentation der Frauen in den Pfarrgemeinderäten hat sich fortgesetzt. Mehr als 53 Prozent der Gewählten sind Frauen. Der Anteil der Neugewählten blieb mit österreichweit rund 44 Prozent gleich bleibend hoch. Das Ziel einer stetigen Erneuerung und der Einbeziehung möglichst vieler unterschiedlicher Perspektiven in die seelsorgliche Arbeit der Pfarren sei damit erfüllt worden, betonte Pesl.
Eisenstadt: Höchste Wahlbeteiligung
Die österreichweit höchste Wahlbeteiligung verzeichnet mit 37 Prozent auch heuer wieder die Diözese Eisenstadt. Von 180.828 Wahlberechtigten machten 66.814 Katholiken von ihrem Wahlrecht Gebrauch und wählten insgesamt 1.664 Pfarrgemeinderäte zu ihren Vertretern. Generalvikar Johannes Kohl sieht durch die hohe Wahlbeteiligung eine "ausgewogene Situation" in den Pfarren der Diözese.
Mit 52,94 Prozent liegt auch in der Diözese Eisenstadt der Frauenanteil höher als noch vor fünf Jahren. Ein Drittel der gewählten Pfarrgemeinderatsmitglieder ist zwischen 30 und 50 Jahre alt, 246 sind jünger als 30.
Feldkirch: 1.600 Mandate
In der Diözese Feldkirch waren 194.049 Wahlberechtigte zur Wahl ihrer pfarrlichen Vertreter aufgerufen. 1.600 Mandate wurden vergeben. Mit 28.276 abgegebenen Stimmen lag die Wahlbeteiligung bei 14,57 Prozent und damit fast gleichauf mit der Beteiligung bei den letzten Wahlen vor fünf Jahren. Pastoralamtsleiter Walter Schmolly zeigte sich "zufrieden".
Graz-Seckau: Trend zur "Urwahl"
In der Steiermark betrug die Wahlbeteiligung nach vorläufigen Schätzungen mindestens 27 Prozent. In der Diözese Graz-Seckau zeichnete sich insofern eine interessante Entwicklung ab, als dort an Stelle der Kandidatenwahl das Modell der "Urwahl" (jeder Pfarrbewohner kann gewählt werden) immer mehr in den Vordergrund tritt.
Der Frauenanteil beträgt in der Steiermark 59 Prozent. 60 Prozent der neugewählten steirischen Pfarrgemeinderatsmitglieder sind jünger als 50. Pfarrgemeinderatsreferent Vinzenz Wechtitschbetonte: "Den Menschen ist die Kirche offensichtlich ein großes Anliegen. Die Wahlbeteiligung ist signifikant höher als der sonntägliche Messbesuch".
Gurk: Es gab auch "100 Prozent"
In der Diözese Gurk-Klagenfurt schritten von 333.640 wahlberechtigten Katholiken 69.972 zur Wahl, was einer Wahlbeteiligung von 21 Prozent entspricht. Den leichten Rückgang bei der Wahlbeteiligung gegenüber der letzten Wahl im Jahr 2002 führt Pfarrgemeinderatsreferent Maximilian Fritz vor allem auf die geringere Wahlbeteiligung in den großen Stadtpfarren zurück. Wie schon im Jahr 2002 ist auch bei dieser Wahl der Anteil der Frauen in den neuen Pfarrgemeinderäten auf nun 50,29 Prozent gestiegen.
Von den 24 Dekanaten war die Wahlbeteiligung im Dekanat Kötschach mit 51 Prozent die höchste. Im Dekanat Greifenburg werden in den kommenden fünf Jahren besonders viele Frauen in den einzelnen Pfarrgemeinderäten mitarbeiten. Ihr Anteil liegt in diesem Dekanat bei 62,5 Prozent. Die höchste Wahlbeteiligung bei den Pfarren teilen sich Gaisberg (Dekanat Friesach) und Kirchberg (Dekanat Krappfeld) mit absoluten 100 Prozent.
Innsbruck: Wahlbeteiligung gestiegen
Über eine gestiegene Wahlbeteiligung freut sich die Seelsorgeamtsleiterin der Diözese Innsbruck, Elisabeth Rathgeb. Von 265.116 Wahlberechtigten übten 52.493 Katholiken ihr Wahlrecht aus, was einer Beteiligung von 19,80 Prozent und einer Steigerung um mehr als zwei Prozent gegenüber den letzten Wahlen entspricht. Wie Rathgeb betonte, sei es "sehr erfreulich, dass die Kirche gerade in Zeiten des Umbruchs auf das ehrenamtliche Engagement so vieler Menschen bauen kann".
Insgesamt wurden 2.192 Pfarrgemeinderäte gewählt, 1.165 davon übernehmen zum ersten Mal ein solches Amt. Der Frauenanteil stieg auch in der Diözese Innsbruck von 53,82 Prozent auf nun 55,02 Prozent. Im Durchschnitt sind die Tiroler Pfarrgemeinderäte 39,7 Jahren alt.
Linz: 46 Prozent neue Pfarrgemeinderäte
Als "Rückenstärkung für die gewählten Pfarrgemeinderäte" versteht die Leiterin der Abteilung Pfarrgemeinde und Spiritualität der Diözese Linz, Monika Heilmann, das Wahlergebnis. Auch in Linz habe sich der Trend zur Erneuerung der Pfarrgemeinderäte fortgesetzt. Unter den 4.958 vergebenen Mandaten gab es eine Neubesetzungsquote von 46 Prozent.
Mit 212.121 abgegebenen Stimmen (gegenüber 812.643 Wahlberechtigten) lag die Wahlbeteiligung bei 26,10 Prozent und damit nur knapp unterhalb der Marke von 2002. Zu den statistischen Besonderheiten zählt die Pfarrexpositur Obermühl, wo die Wahlbeteiligung 100 Prozent betrug. Auch in den Pfarren St. Aegidi und Aistersheim war die Wahlbeteiligung mit 95 Prozent und 89 Prozent äußerst hoch. Das Durchschnittsalter der neu gewählten oberösterreichischen Pfarrgemeinderäte beträgt 43,5 Jahre, der jüngste Pfarrgemeinderat wird in Adlwang mit einem Durchschnittsalter von 32,8 Jahren seine Tätigkeit aufnehmen.
Salzburg: Frauenanteil bei 59 Prozent
Auch in den 217 Pfarren der Erzdiözese Salzburg setzte sich der Trend zu einer stärkeren Beteiligung der Frauen in den Pfarrgemeinderäten fort. Erreichten die Frauen bei den letzten Wahlen im Jahr 2002 bereits einen Anteil von 55 Prozent, so liegt er nach den jüngsten Wahlen bei 59 Prozent. In Dorfgastein werden alle sechs Mandate von Frauen bekleidet. Mit 83.316 abgegebenen Stimmen im Verhältnis zu 408.092 Wahlberechtigten lag die Wahlbeteiligung bei 20,50 Prozent und damit leicht unterhalb der Marke von 2002. Wolfgang Müller, Sprecher der Pfarrgemeinderatsreferenten in Österreich und zuständiger Referent der Erzdiözese Salzburg, wertet diese Zahlen als Zeichen, dass "vielen Menschen die Kirche auch dann ein Anliegen ist, wenn die Bindungen vielleicht nicht so eng sind".
Die höchste Wahlbeteiligung erreichte die Lungauer Pfarre Seetal, wo 86,3 Prozent der Wahlberechtigten ihr Stimmrecht ausübten, gefolgt von den Pfarren Eschenau (83,9 Prozent) und Dienten (80,6 Prozent). Das Durchschnittsalter der Pfarrgemeinderäte liegt in der Erzdiözese Salzburg bei 43 Jahren.
St. Pölten: "Gutes Zeichen"
Als "gutes Zeichen für die Erneuerung in der Kirche" wertete der Direktor des Pastoralamtes der Diözese St. Pölten, Msgr. Wilfried Kreuth, das Wahlergebnis. Demzufolge verzeichnet auch die Diözese St. Pölten einen hohen Anteil an Neuzugängen in den Pfarrgemeinderäten.
2.145 der insgesamt 5.422 vergebenen Pfarrgemeinderatsmandate sind Neubesetzungen. Auch die Gesamtzahl der vergebenen Mandate konnte deutlich gesteigert werden. Wurden im Jahr 2002 4.698 Pfarrgemeinderatsmitglieder bestellt, so stieg deren Zahl heuer auf 5.422. Zugenommen hat auch in der Diözese St. Pölten der Anteil der Frauen in den Pfarrgemeinderäten. Lag er 2002 noch bei 54 Prozent, so beträgt er heuer 56,47 Prozent. Leicht rückläufig zeigt sich in der Diözese St. Pölten die Wahlbeteiligung. Von den insgesamt 470.000 Wahlberechtigten gingen am Sonntag 118.400 Gläubige zu den Urnen, was einer Wahlbeteiligung von 25,19 Prozent entspricht. Vor fünf Jahre lag die Wahlbeteiligung bei 29,08 Prozent.
Erzdiözese Wien: Stabile Lage
In den 660 Pfarren der Erzdiözese Wien waren insgesamt 1,303.077 Katholiken zur Wahl aufgerufen. Die Wahlbeteiligung blieb mit 12,05 Prozent im Vergleich zu den letzten Wahlen im Jahr 2002 (12,74 Prozent) in etwa stabil. Vergeben wurden 4.766 Mandate. Zu den Trends zählte auch in der Erzdiözese Wien die Steigerung des Frauenanteils von vormals rund 50 Prozent (Wahlen 2002) auf nun 53,50 Prozent. Ebenfalls im Trend lag mit etwa 44 Prozent die hohe Zahl der Neubesetzungen in den Pfarrgemeinderäten.
Die höchsten Wahlbeteiligungen gab es im niederösterreichischen Anteil der Erzdiözese Wien. So haben im Dekanat Sitzendorf 53,9 Prozent der Katholiken gewählt, gefolgt vom Dekanat Kirchschlag mit 43,3 Prozent und dem Dekanat Großweikersdorf, wo 40,5 Prozent der Katholiken ihr Mitbestimmungsrecht wahr genommen haben.
"Sehr positives Zeichen"
Die ersten Ergebnisse der diesjährigen Pfarrgemeinderatswahlen seien allen Unkenrufen zum Trotz ein "sehr positives Zeichen aus den Pfarren". Das unterstrich der Sprecher der Pfarrgemeinderatsreferenten in Österreich, Wolfgang Müller aus Salzburg, am Montag im Gespräch mit "Kathpress". Entgegen jenen Stimmen, die vorab "den Tod der Pfarrgemeinderäte" ausgerufen hätten, habe man trotz des allgemeinen Trends zur Entinstitutionalisierung den Beteiligungsgrad von vor fünf Jahren halten können. So gesehen habe sich die ehrenamtliche Pfarrgemeinderats-Szene als "erstaunlich stabil" erwiesen, so Müller.






