Regens Rauch betont, dass Priester gerade in einer Zeit des gesellschaftlichen Umbruchs als "Geistliche" und nicht als Manager tätig sein müssen
Klagenfurt, 29.6.09 (KAP) Am 29. Juni - dem traditionellen Priesterweihetag am Fest der Apostel Petrus und Paulus - wurde in der Diözese Gurk das "Jahr des Priesters" eingeläutet. Diözesanbischof Alois Schwarz zelebrierte den Festgottesdienst in der Stiftskirche St. Georgen am Längsee, Priesterjubilare wurden geehrt, Regens Msgr. Franz Josef Rauch hielt einen Vortrag über die priesterliche Identität, die Errichtung eines "Offenen Seminars" in der Propsteipfarre Maria Saal wurde mitgeteilt. In seiner Predigt bezeichnete Bischof Schwarz das "Jahr des Priesters" als "Ermutigung". Dieses Jahr sei auch ein Zeichen des Dankes und der Wertschätzung des Papstes gegenüber den Priestern: "Benedikt XVI. blickt auf die Priester in der Kirche und sieht auch ihre Nöte und ihren großen Einsatz". Dieser Einsatz gehe, wie das Beispiel des vor kurzem in Südafrika ermordeten österreichischen Missionars P. Ernst Plöchl gezeigt habe, "bis zur Selbsthingabe".
Der Kärntner Bischof ermunterte die Geistlichen, das "Jahr der Priester" zum Anlass zu nehmen, ihre Beziehung zu Christus und die Freude an ihrer Berufung durch Exerzitien zu vertiefen, theologischen Fragestellungen verstärkt Raum zu geben und die Wertschätzung untereinander zu stärken. "Das 'Jahr des Priesters' soll nicht zusätzliche Arbeitslast sein, sondern Freude darüber, als Priester Nachfolger der Apostel zu sein", sagte der Kärntner Bischof.
Nach dem Gottesdienst ehrte Bischof Schwarz Priesterjubilare und gab zur Förderung geistlicher Berufungen auch die Errichtung eines "Offenen Seminars" unter der Leitung von Stiftspfarrer Kanonikus Josef-Klaus Donko in der Propsteipfarre Maria Saal bekannt. Das "Offene Seminar" wird als "Jugendzentrum für geistliche Berufe" fungieren.
Der Regens der Priesterseminare der Diözesen Graz-Seckau und Gurk, Msgr. Franz Josef Rauch, stellte in seinem Festvortrag im Anschluss an den Gottesdienst die Aspekte priesterlicher Identität in der Gesellschaft von heute in den Mittelpunkt. Die strukturellen Probleme des Priesterseins heute müssten "geistlich" angegangen werden. "Jede Berufung eines Priesters steht und fällt mit einer persönlichen Beziehung zu Christus, die jeden Tag gepflegt werden will", sagte Regens Rauch. Gottes- und Nächstenliebe seien das wichtigste Kriterium für eine "spezifische Berufung in der Nachfolge Jesu".
Als entscheidende Schritte für die Berufungspastoral nannte Rauch die Stärkung der Familienpastoral im Sinne einer Vertiefung eines gemeinsamen Glaubenslebens in der Familie, die Entlastung der Priester, die Intensivierung der geistlichen Begleitung. Rauch wies darauf hin, dass die Sendung des Priesters nicht im Machen, sondern im Sein bestehe. Gerade in einer Zeit des Umbruchs in Kirche und Gesellschaft solle der Priester als "Geistlicher" tätig sein und nicht als Manager, so der Regens. Der Priester repräsentiere Christus und deshalb seien Leben und Dienst des Priesters zugleich Dienst der Einheit.
Die Nachfolge Christi bedeute, bereit zu sein, "Heimatliches und Vertrautes" zu verlassen und zu wissen, dass "die eigentliche Heimat bei Gott ist". "Dieses Wissen und dieser Glaube geben auch die Kraft, die Ehelosigkeit zu versprechen und zu leben", sagte Regens Rauch. Er ermunterte die Priester, in der Öffentlichkeit durch ihren Glauben, ihre Tugenden und auch durch die Kleidung erkennbar zu sein. "Wer durch sein Äußeres und durch sein Verhalten signalisiert, dass es ihm um Gott und dessen Reich geht, der ist anderen damit ein Zeichen, nämlich entweder ein Vorbild oder ein Zeichen des Widerspruchs", stellte Msgr. Rauch fest.
Küng: Impuls für "authentisches Christsein"
Mit einem Festgottesdienst im Dom der niederösterreichischen Landeshauptstadt hat Bischof Klaus Küng am Montag das "Jahr des Priesters" in der Diözese St. Pölten eröffnet. Er erwarte sich von diesem Jahr einen kräftigen Impuls, so der Bischof, nicht nur für die Priester, "sondern für alle Gläubigen". Es brauche nicht nur heiligmäßige Priester, sondern "Getaufte, die Christus konsequent nachfolgen, insbesondere christliche Familien", hob Küng in seiner Predigt hervor. Im Rahmen des festlichen Gottesdienstes wurden auch zahlreiche Priesterjubilare der Diözese St. Pölten geehrt.
Der Bischof appellierte an alle Gläubigen, ihr Gebetsleben zu vertiefen und sich um ein möglichst "authentisches Christsein" zu bemühen. Diese Erneuerung im Glauben müsse aber auch die Sorge um jene Menschen mit einschließen, die noch keinen Zugang zum Glauben gefunden haben. Für den Priester selbst gelte es, nicht immer mehr tun zu wollen. Er müsse vielmehr Prioritäten setzen, damit seine Hirtensorge zum Tragen komme.
Bischof Küng kündigte abschließend an, dass bei einer gemeinsamen Wallfahrt im Herbst nach Maria Taferl das Anliegen der Erneuerung im Glauben fortgesetzt werden soll.






