Vatikan will Rolle des Priesters für Kirche und Gesellschaft mit neuem Dokument verdeutlichen
Vatikanstadt, 19.8.09 (KAP) Papst Benedikt XVI. hat die Notwendigkeit einer guten Priesterausbildung hervorgehoben. Herz und Seele der Geistlichen müssten gewissenhaft für die Seelsorge vorbereitet werden, sagte er am Mittwoch bei seiner Generalaudienz in Castelgandolfo. Als Leitbild für eine solche Priesterausbildung würdigte Benedikt XVI. den französischen Heiligen Jean Eudes (1601-1680), dessen liturgisches Fest am 19. August begangen wird.
Eudes habe erkannt, dass die geistliche Not seiner Zeitgenossen zu einem guten Teil auf Unzulänglichkeiten in der Priesterausbildung zurückzuführen sei, sagte Benedikt XVI. vor Pilgern aus aller Welt.
Insbesondere für eine vertiefte Kenntnis der Heiligen Schrift und die glaubwürdige Verkündigung von Gottes Wort habe sich Eudes eingesetzt. Mit der Gründung der Kongregation der Eudisten (1643) habe der Heilige in der Priesterausbildung Vorbildliches geleistet. Eudes war 1925 zusammen mit dem Pfarrer von Ars durch Papst Pius XI. heiliggesprochen worden.
Neues Dokument zur Priesterausbildung
Am Mittwoch wurde auch bekannt, dass der Vatikan demnächst ein Grundsatzpapier zur Priesterausbildung veröffentlichen wird. Der knapp und deutlich gefasste Text solle noch vor Abschluss des bis Juni 2010 dauernden internationalen Priesterjahres erscheinen, betonte der französische Kurienerzbischof Jean-Louis Brugues im Interview mit der Vatikanzeitung "L'Osservatore Romano". Das Papier solle die Rolle des Priesters für die Kirche und die Gesellschaft deutlich machen. Herausgegeben wird das Dokument von der vatikanischen Bildungskongregation, deren Sekretär Brugues ist.
Zur Vorbereitung des Textes werde demnächst die vatikanische Kommission für die Priesterausbildung unter Leitung des polnischen Kardinals und Präfekten der Bildungskongregation, Zenon Grocholewski, zusammentreten. Ziel der Ausbildung müsse es sein, den Kandidaten Freude am Priesteramt zu vermitteln und sie in ihrer priesterlichen Identität zu stärken, so Brugues. Gleichzeitig gehe es aber auch darum, den Platz des Priesters innerhalb und für die kirchliche Gemeinde wiederzuentdecken. Dazu müsse den künftigen Priester eine optimale Ausbildung angeboten werden, die ihnen nicht nur Fachwissen, sondern auch eine christliche Kultur vermittele.
Die soziale Stellung und Aufgabe des Priesters sei in den einzelnen Ländern sehr unterschiedlich, hob Brugues hervor. In Afrika, Lateinamerika oder in Korea hätten Geistliche eine sehr starke gesellschaftliche Position. In den mehr säkularisierten Staaten sei dieser Aspekt weniger ausgeprägt. Eine Ausnahme bilde vielleicht Italien, so Brugues, wo die Kirche weiterhin sehr stark in der Bevölkerung verwurzelt und im sozialen wie im politischen Leben sehr präsent sei.
Die vatikanische Bildungskongregation ist für 1.200 Katholische Universitäten, 2.700 Priesterseminare und 250.000 katholische Schulen in aller Welt zuständig, führte Brugues aus. Die Schulen seien der beste Weg, um die christliche Botschaft in die Kultur eines Landes sowie einer Gesellschaft einzufügen und auf sie Einfluss zu nehmen.






