Feierlicher Gottesdienst in der Servitenkirche mit Kardinal Schönborn und Prozession zur Hildegard-Burjan-Kapelle in der Pramergasse - Weihbischof Krätzl: Glaube drängt zu Engagement in Welt und Gesellschaft
Wien, 31.01.12 (KAP) Die Reliquien der seligen Hildegard Burjan sind am Montagabend im Rahmen einer feierlichen Prozession von der Wiener Servitenkirche in das Stammhaus der Schwesterngemeinschaft der Caritas Socialis in die Pramergasse übertragen worden. Dort haben sie nun in der Hildegard-Burjan-Kapelle über der Grablege der Seligen ihren festen Platz. Das Reliquiar, eine schlicht gehaltene Glasstele, beinhaltet neben einem Knochensplitter der Seligen, deren Ehering sowie jene Caritas-Socialis-Brosche, die man bei der Exhumierung im Jahr 2005 im Sarg Burjans gefunden hatte.
Vor der Prozession fand in der überfüllten Servitenkirche ein feierlicher Gottesdienst statt, dem Kardinal Christoph Schönborn gemeinsam mit dem Görlitzer Bischof Wolfgang Ipolt und den Weihbischöfen Helmut Krätzl und Franz Scharl vorstand. In seiner Predigt bezeichnete Krätzl die neue Selige als "Schlüsselfigur im ganzen Prozess der Neuevangelisierung in Österreich".
Vielfach werde geklagt, dass der Glaube erschreckend geschwunden sei, vor allem auch das Glaubenswissen, so Krätzl: "Glaubenswissen aufzufrischen ist sehr wertvoll. Für das Evangelium gewinnen wird man aber Menschen kaum dadurch, sondern durch Zeugen des Glaubens." Im vom Papst ausgerufenen "Jahr des Glaubens" werde es nicht genügen, sich eingehend mit dem Weltkatechismus zu befassen, so wichtig dies auch sei, betonte der Weihbischof. Es gelte bewusst zu machen, "dass der Glaube erst lebendig wird, wenn er sich in Werken der Liebe erweist" und sich aus dem Glauben heraus in Welt und Gesellschaft zu engagieren.
Krätzl wörtlich: "Es ist gut, dass wir in so kurzer Zeit zwei bedeutende Glaubenszeugen in Österreich haben, die seliggesprochen worden sind. Carl Lampert, den ehemaligen Provikar der Apostolischen Administratur Innsbruck-Feldkirch, und Hildegard Burjan; Lampert als 'Zeuge seines Glaubens gegen das menschenverachtende Naziregime', Burjan als 'Zeugin gelebten Glaubens für Arme und Entrechtete in unserer Heimat'."
Hildegard Burjan würde die Kirche heute - 50 Jahre nach dem Beginn des Zweiten Vatikanischen Konzils - aufrufen, sich "ohne Zaudern" den Menschen zuzuwenden auf ihre Lebenswirklichkeiten hin, mit ihren Freuden und Hoffnungen, aber auch Niederlagen und Brüchen", zeigte sich der Weihbischof überzeugt: "Sie würde uns ermutigen, alle Schätze der Kirche auszupacken, um Menschen zum Gelingen des Lebens zu verhelfen."
Das Konzil habe sich deutlich gegen eine weltfremde Frömmigkeit oder ein Zurückziehen "in die Sakristei" ausgesprochen. Gleichzeitig habe es vor zwei Verirrungen gemahnt. "Ein Irrtum wäre, im Bewusstsein, hier keine bleibende Stätte zu haben, irdische Pflichten zu vernachlässigen, ein anderer Irrtum aber, im Irdischen aufzugehen, völlig getrennt vom Religiösen", mahnte Krätzl.
Der Bischof erinnerte an die von Burjan formulierte Weiheformel für die Schwestern der Caritas Socialis. Darin sei vom "Werkzeug der Liebe Gottes" die Rede. Burjan habe gezeigt, dass milde Gaben allein nicht genügten, um diesem Anspruch gerecht zu sein. Es gelte vielmehr alle Fähigkeiten einzusetzen zur Linderung der Not. Deshalb sei sie sogar in die Politik gegangen. Denn sozialer Einsatz bedeute, die Not an der Wurzel zu fassen und Strukturen zu ändern. So habe Burjan neue Gesetze gefordert, aber auch eine Gemeinschaft gegründet, die neue Institutionen der Hilfe fortan schaffte.
Im Anschluss an den Gottesdienst führte die Prozession durch einige Gassen des neunten Bezirks zum Stammhaus der Caritas Socialis in der Pramergasse. Dabei wurde auch darauf hingewiesen, dass im Servitenviertel bis zu ihrer Deportation durch das NS-Regime viele jüdische Menschen lebten. Menschen, die die gleiche Abstammung hatten wie Hildegard Burjan.
Die Kapelle im Caritas-Socialis-Haus in der Pramergasse ist werktags von 8 bis 13 Uhr geöffnet. Die Schwesterngemeinschaft lädt alle Gläubigen zum Gebet und zur Stille ein.






