Benedikt XVI. bezeichnet bei Begegnung mit den römischen Pfarrern den Egoismus als Wurzel der Finanzkrise - Fehler des Wirtschaftssystems "konkret, aber ohne Moralismus" aufzeigen
Vatikanstadt-Rom, 26.2.09 (KAP) Papst Benedikt XVI. bereitet derzeit mit Sorgfalt seine große Sozialenzyklika vor. Bei der traditionellen Begegnung mit den römischen Pfarrern sagte der Papst am Donnerstag, es sei notwendig, in dieser Enzyklika die Fehler des Wirtschaftssystems "konkret, aber ohne Moralismus" darzustellen. Es gehe darum, konkrete Auswege aufzuzeigen, aber auch die Mechanismen der Wirtschaftswelt mit dem "Licht des Glaubens zu erleuchten, der vom Egoismus der Erbsünde befreit". Die Wurzel der Habgier sei der Egoismus, der "die Vernunft verdunkelt", sagte der Papst im Hinblick auf die weltweite Finanzkrise. Die Kirche habe die Pflicht, die Motive und Hintergründe der gegenwärtigen Krise mutig beim Namen zu nennen.
Soziale Gerechtigkeit lasse sich aber nicht allein mit guten Wirtschaftsmodellen erreichen, betonte Benedikt XVI. Diese Gerechtigkeit sei nur zu verwirklichen, wenn es "Gerechte" gibt, die sich der "demütigen und alltäglichen Arbeit der Bekehrung der Herzen widmen". Gerade deshalb sei die Arbeit der Pfarrer von fundamentaler Bedeutung für die Menschheit.
Die Begegnung zwischen dem Papst und "seinen" Pfarrern als Bischof von Rom spielte sich in Form eines fast zweistündigen Dialogs in der vatikanischen Benediktionsaula ab. Benedikt XVI. äußerte sich außer zur Wirtschaftskrise auch zum Primat und zu Problemen der Glaubensvermittlung und der Jugendseelsorge.
Der Primat des Papstes garantiert nach den Worten von Benedikt XVI. die Universalität der Kirche, über Nationalismen und andere Grenzen hinweg. Es gehe nicht um Herrschaft, sondern um einen einigenden Punkt. Der Primat solle die Katholizität im "Reichtum der Kulturen" garantieren und gleichzeitig jede Form von Absolutismus ausschließen. Er sei damit eine Garantie gegen Moden, Irrlehren und Einseitigkeiten.
Der römische Kardinal-Vikar Agostino Vallini sagte, es habe sich um ein "Familientreffen" gehandelt. Rom habe sich in den letzten Jahren zutiefst verändert, dem müsse sich auch die Seelsorge anpassen. Die römischen Pfarren seien aber lebendige Gemeinschaften und "Bezugspunkte" für die Bezirke. In den letzten Jahren seien zahllose "Initiativen der Solidarität" entstanden, die unzähligen Familien und Einzelpersonen helfen, die aus unterschiedlichen Gründen in Not sind. All dies sei ein Grund zur Hoffnung.






