Wien, 7.7.09 (KAP) Positiv hat die Katholische Sozialakademie Österreichs (ksoe) auf die neue Sozialenzyklika reagiert. "Mit diesem Sozialrundschreiben nimmt der Papst die Entwicklung des ganzen Menschen und der ganzen Menschheit in den Blick", stellte der Sozial- und Wirtschaftsethiker Markus Schlagnitweit, Direktor der ksoe, fest. Angesichts einer Jahrzehnte hindurch grassierenden Ideologie, bei der nur Eigennutz und Partikularinteressen zählten, sei dies eine klare Ansage, "dass das Gemeinwohl ins Zentrum zu rücken ist".
"Die Krise verpflichtet uns, unseren Weg neu zu planen, uns neue Regeln zu geben", zitiert Schlagnitweit den Papst, der eine schrankenlose Solidarität einfordert, die nationale Grenzen überwindet und keinen Menschen ausschließt. "Ich halte es für bemerkenswert, dass der Papst das vorherrschende Wirtschaftsverständnis grundlegend hinterfragt und anhand von Kategorien wie Verantwortung oder Geschwisterlichkeit neu buchstabiert", betont der ksoe-Direktor.
Insgesamt sei die Enzyklika - "bei aller notwendigen Analyse und Benennung der weltweiten Ungerechtigkeit wie auch der aktuellen Krise" - von einer positiven Grundhaltung getragen, die der Menschheit eine gute Zukunft zutraut. "Diese Sozialenzyklika ist mit ihren Inhalten eine wichtige Bestätigung zivilgesellschaftlichen und ortskirchlichen Engagements weltweit. In diesem Sinn hätten auch in Österreich die 14 im Ökumenischen Rat vereinten christlichen Kirchen mit ihrem gemeinsamen Projekt 'Sozialwort' (2003) Antworten auf die sozialen und wirtschaftlichen Herausforderungen gesucht und gegeben", so Schlagnitweit.
"Wichtige Hilfe"
Auch der Direktor des kirchlichen Instituts für Ehe und Familie (IEF), Günter Danhel, bewertete die neue Sozialenzyklika als wichtige Hilfe für die Gestaltung der Zukunft. Die Entwicklungen von Arbeit, Kapital, Markt, Umwelt und Unternehmertum würden kritisch beleuchtet. "Eindrucksvoll" sei die wiederholte Betonung des Wertes des Lebens und der menschlichen Person. Ebenso sei bemerkenswert, dass in der Enzyklika die "vorrangige Zuständigkeit" der Familie gegenüber dem Staat und die primäre Erziehungsverantwortung der Eltern betont wird.
Sexualität werde "ganzheitlich" gesehen - und ihrer technisch-instrumentellen Sicht und politischen "In-Dienstnahme" eine Absage erteilt. Zugleich werde herausgearbeitet, dass die ganzheitliche menschliche Entwicklung auch "Solidarität und Gerechtigkeit zwischen den Generationen" erfordert. Hilfreich sei auch die Betonung der wechselseitigen Verwiesenheit von "Vernunft" und "Glaube", so Danhel.






