DGB sieht sich bestätigt - Beifall von der "Deutschen Bank"
Berlin, 8.7.09 (KAP) In der deutschen Politik ist das Echo auf die Sozialenzyklika des Papstes positiv. Bundeskanzlerin Angela Merkel sieht in der Sozialenzyklika von Papst Benedikt XVI. eine Ermutigung, für eine sozial verantwortliche Welt einzutreten. Vor dem G 8-Gipfel in L'Aquila bestärke das Grundsatzpapier zudem die Notwendigkeit der Entwicklungshilfe für die Ärmsten in der Welt, sagte Merkel am Dienstagabend in Berlin. Es gelte, für eine menschliche Gestaltung des Wirtschaftslebens einzutreten.
Ebenso wie die CDU-Politikerin würdigte auch der sozialdemokratische Arbeitsminister Olaf Scholz die Enzyklika als "Orientierungshilfe" für die Politik. "Diese Enzyklika ist eine Unterstützung für alle, die sich weltweit um eine soziale Marktwirtschaft bemühen", sagte der deutschen katholischen Nachrichtenagentur KNA in Berlin. Der Papst verwerfe marktradikale Tendenzen "mit großer moralischer Verve" und spreche sich für umfassende soziale Regeln aus. Die Botschaft des Papstes sei klar, so Scholz: "Wir brauchen einen echten Neustart unserer sozialen Marktwirtschaft".
Als besonders wichtig bezeichnete der Minister, dass sich der Papst mit Nachdruck "für gerechte Entlohnung, für würdevolle Arbeit, für starke Gewerkschaften und für umfassenden sozialen Schutz" ausspreche. Die Arbeit an der von Benedikt XVI. geforderten neuen humanistischen Synthese zwischen sozialer und wirtschaftlicher Vernunft sei eine der großen Zukunftsaufgaben der Politik.
DGB sieht sich bestätigt
Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) sieht sich durch die päpstliche Sozialenzyklika in seinen Forderungen nach einer besseren Kontrolle über die globalen Kapitalströme bestätigt. Die von Benedikt XVI. eingemahnte "Weltinstanz" sei eine direkte Forderung an die Politik und vor allem an die führenden Industrienationen, entsprechende Rahmenbedingungen zu schaffen, sagte der DGB-Vorsitzende Michael Sommer am Dienstag der deutschen katholischen Nachrichtenagentur KNA in Berlin. Auch der DGB setze sich dafür ein, nachhaltiges Wirtschaften mit festen Strukturen der Zusammenarbeit von internationalen Institutionen wie Welthandelsorganisation und Weltbank zu verknüpfen.
Die anhaltende Krise habe vor allem deutlich gemacht, dass der Wert der Freiheit von vielen Marktakteuren zum persönlichen Vorteil missbraucht worden sei, so Sommer weiter. Nur wenn auf eine klare Regulierung der Finanz- und Wirtschaftsmärkte hingearbeitet werde, könne die Menschheit vor weiteren Krisen und damit unwürdigen Lebens- und Arbeitsbedingungen geschützt werden. Die Enzyklika leiste einen Beitrag dazu, dass die Politik nach dem "weltweiten Epochenbruch" der Finanzkrise nicht einfach zur Tagesordnung übergehe.
Beifall auch von der "Deutschen Bank"
Der Chefvolkswirt der "Deutschen Bank", Norbert Walter, hat die erste Sozialenzyklika von Papst Benedikt XVI. als "wegweisendes Dokument" bezeichnet. Als Christ und Wirtschaftswissenschaftler freue ihn besonders "die äußerst scharfsichtige und informierte Charakterisierung der Globalisierung", sagte Walter in einem Interview mit der deutschen katholischen Nachrichtenagentur KNA am Mittwoch in Frankfurt. Anstatt diesen Prozess "wie andere zu verteufeln und sich in einer Einstellung a la 'Zugbrücke hoch' zu verbarrikadieren", rufe der Papst zu einer aktiven Teilnahme auf.
Der Papst entwickle die katholische Soziallehre weiter, indem er die Prinzipien der Subsidiarität und Solidarität etwa auf die Ausrichtung der Entwicklungshilfe übertrage, so Walter. Der Ruf nach einer "ethischen Erneuerung des Finanzwesens" und einer Reform der Vereinten Nationen unterstreiche zudem den Anspruch der Kirche, auch weltliche Belange mitzugestalten.






