Kardinäle Cordes und Martino präsentierten im Vatikan die neue Sozialenzyklika "Caritas in veritate"
Vatikanstadt, 8.7.09 (KAP) Für den Präsidenten des Päpstlichen Rates "Cor unum", Kardinal Paul J. Cordes, der gemeinsam mit dem Präsidenten des Päpstlichen Rates für Gerechtigkeit und Frieden (Iustitia et Pax), Kardinal Renato R. Martino, die neue Sozialenzyklika im vatikanischen Pressesaal präsentierte, bedeutet "Caritas in veritate" kein "pro oder kontra" zum Kapitalismus. Benedikt XVI. äußere sich in dem Dokument nicht zu Strukturen, sondern er spreche über Personen, die sich ändern und die umdenken müssen. Die Kirche trage Ideen vor und gebe Anregungen; aber sie treibe keine Politik. Das bedeute, dass die katholische Soziallehre auch kein "dritter Weg" jenseits von Kapitalismus und Sozialismus sei.
Die katholische Soziallehre sei kein politisches Programm zum Aufbau einer perfekten Gesellschaft. Wer so denke, laufe Gefahr, eine Theokratie vorzubereiten. Vielmehr achte die Kirche gemäß dem Zweiten Vatikanum auf Religionsfreiheit, aber auch auf eine gerechte Autonomie von Staat und Kirche. Daher sei die katholische Soziallehre auch ein Element der Evangelisierung. In ihren Mittelpunkt stehe der Mensch, hob Cordes hervor.
Kardinal Martino betonte, dass "Caritas in veritate" eine positive und ermutigende Position gegenüber der derzeitigen Weltlage einnehme. Benedikt XVI. wolle keine technischen Lösungen für die Krise vorlegen, vielmehr gehe es ihm um eine Neureflexion über das westliche Wirtschaftsdenken, sagte der Kardinal.
Wäre die Enzyklika in ihrer ursprünglichen Fassung vor Beginn der Krise erschienen, hätte man sie als "prophetisch" bezeichnet, betonte Martino. Die in L'Aquila versammelten Staats- und Regierungschefs der acht bedeutendsten Industrienationen sollten die Mahnungen hören, die aus der Sozialenzyklika Papst Benedikts XVI. sprechen. "Caritas in Veritate" richte sich an die katholische Welt und an alle Menschen guten Willens, unter diesen aber ganz besonders an die politisch Verantwortlichen, sagte Martino: "Benedikt XVI. hat ja bereits an G 8-Gastgeber Silvio Berlusconi einen Brief geschickt, der eine kondensierte Version seiner Enzyklika ist. Ja, wir hoffen tatsächlich, dass die politischen Führungspersönlichkeiten die Enzyklika mit Interesse rezipieren. Denn die drei Kräfte, die in der Wirtschaft zusammenspielen, sind der Markt, die Regierungen und die Zivilgesellschaft. Der Markt darf nicht ohne Kontrolle agieren - wie die aktuelle Krise zeigt. Und wer kontrolliert? Die Regierungen. Deshalb brauchen die Regierungen klare Vorstellungen über die Regeln, die aufzustellen sind. Wirtschaft ohne Kontrolle führt in den Bankrott".






