EU-Integrationsbeauftragter Franz Eckert in Wiener Kirchenzeitung "Der Sonntag": Kritiker der Enzyklika haben theologische Grundintention verkannt
Wien, 4.8.09 (KAP) Kritik an den Kritikern der Sozialenzyklika Papst Benedikts XVI. übt der EU-Integrationsbeauftragte der Österreichischen Bischofskonferenz, Diakon Franz Eckert. Keiner der Kritiker habe "begriffen und gewürdigt", dass die Sozialenzyklika "keine Anleitung für die Lösung von Einzelfragen" darstelle, sondern vielmehr "jene Grundlage für solche Problemlösungen aufrufen möchte, ohne die alle Einzelrezepte vergeblich sind", schreibt Eckert in einer Analyse für die Kirchenzeitung der Erzdiözese Wien, "Der Sonntag".
Die Aussagen der Enzyklika zielten laut Eckert vielmehr auf christlichen "Grundwahrheiten" ab, ohne die die soziale Botschaft der Enzyklika kraft- und wirkungslos bliebe. In einer theologischen Gesamtschau hingegen besitze die Enzyklika die Kraft, ein "seismographisches Beben" auszulösen, "das weit über das Christentum hinaus Anlass zu Diskussionen und hoffentlich auch zu Nutzanwendungen" gebe. Zu den zentralen christlichen Grundwahrheiten, auf denen die Enzyklika aufbaue, zählen laut Eckert die "Gottebenbildlichkeit des Menschen, seine Verpflichtung zur Schöpfungsgehilfenschaft" sowie des "Verheißung eines ewigen Lebens jenseits des irdischen Todes". Wolle man von diesen tragenden theologischen Säulen absehen, da sie als "unbequem, unzeitgemäß oder schlechthin unzumutbar" empfunden werden, so drohe die Gesamtkomposition der Enzyklika aus dem Auge zu geraten und sie würde "zum Gegenstand von Einzelzitaten, Einzelkontroversen und Einzeldiskussionen" werden. Handlungsleitenden Charakter gewinne die Enzyklika aus den theologischen Grundprinzipien. So folge etwa aus der Gottebenbildlichkeit des Menschen die Forderung nach einem sozialen Zusammenleben. Schwindet Religion, so schwindet laut Eckert auch der Respekt vor der Einzigartigkeit der menschlichen Person und ihrer unantastbaren Würde und ihren Rechten. Ein Vergessen der Gottebenbildlichkeit würde so "zum Keim der Inhumanität", so Eckert. Gleiches gelte für die Schöpfungsverantwortung. Die Aufgabe, "Verwalter dieser Welt" zu sein, gehöre zu den Schlüsselworten der katholischen Soziallehre, "vom Lebens- bis zum Umweltschutz, von der Einkommens- und Besitzverteilung bis zur Migrationsproblematik". Auch die theologische Aussage von einem Leben nach dem Tod spiegle sich laut Eckert in einem konkreten innerweltlichen Verhalten und Handeln wider: so verliere ein Mensch, "dessen Horizont auf die Spanne zwischen Geburt und Grab begrenzt ist", die Kraft "zu langfristigen unwiderruflichen Entscheidungen, zu einer stabilen Lebensplanung und zu Investitionen in langfristige Projekte, deren Ertrag er nicht mehr erleben wird". Erst die Hoffnung auf ein ewiges Leben werde zu einem "Wegweiser und Motor für sozialverträgliches Handeln".






