Interne Analyse von "Radio Vatikan" zählte im Internet 4.300 größere Aufsätzen zur Enzyklika allein in den westlichen Sprachen - "Der bislang gründlichste kritische Text zur Enzyklika stammt von George Weigel"
Vatikanstadt, 9.8.09 (KAP) Im Vatikan ist man zufrieden mit den internationalen Reaktionen auf die Sozialenzyklika des Papstes. Das geht aus einer internen Analyse von "Radio Vatikan" hervor. Benedikt XVI. hat "Caritas in veritate" vor genau einem Monat veröffentlicht; es ist seine dritte Enzyklika. Die Vatikan-Analyse sieht in dem Lehrschreiben die großen Grundakkorde dieses Pontifikats angeschlagen, nämlich "Gott, Liebe, Wahrheit und Hoffnung".
"Radio Vatikan" hat innerhalb eines Monats im Internet mehr als 4.300 größere Aufsätze zur Enzyklika gezählt; berücksichtigt wurden dabei die Sprachen Italienisch, Spanisch, Englisch, Französisch und Portugiesisch. Berücksichtige man eine Zählung des "Meltwater"-Systems - die auch andere Sprachen, darunter deutsch, betrifft - komme man auf mehr als 6.000 Analysen. Obwohl der Text der Enzyklika von zahlreichen Websites in voller Länge veröffentlicht wurde, sei die Buchausgabe in vielen Ländern "mindestens zwei Wochen lang auf dem ersten oder zumindest auf einem der ersten drei Plätze in der Liste der meistverkauften Bücher" gelegen. In der westlichen Welt sei die Enzyklika allerdings wegen der Ferienzeit noch nicht sehr intensiv rezipiert worden, so die Vatikan-Analyse weiter. Doch seien für den Herbst schon zahlreiche Initiativen in dieser Hinsicht angekündigt. Medien, Politiker, Vertreter anderer christlicher Kirchen und Experten hätten in der Regel sehr positiv auf den Papst-Text reagiert: "Die Reaktionen aus der Finanzbranche waren zwar nur wenige, dafür aber einigermaßen enthusiastisch". Die "Radio Vatikan"-Analyse weist auch auf Kritik an der Enzyklika hin: Bemängelt werde von einigen "die Länge des Textes, die komplizierte Sprache und die große Zahl der behandelten Themen". Der "bislang gründlichste und tiefgehendste" kritische Text zur Enzyklika stamme vom US-amerikanischen katholischen Ethiker und Politikwissenschaftler George Weigel (Autor einer monumentalen Biografie Johannes Pauls II.). Weigel sehe in dem Dokument ein Nachgeben Benedikts XVI. gegenüber "Dritte-Welt-Ideologien", wie sie im Päpstlichen Rat für Gerechtigkeit und Frieden ("Iustitia et Pax") vertreten würden. Es sei "blauäugig", was die Enzyklika über die Bereitschaft zum kostenlosen Geben in der Wirtschaft schreibe. Der Text sei ein "Mischwesen" zwischen "Benedikt"- und "Iustitia et Pax"-Elementen. Die tiefe Sozial-Reflexion des Papstes mische sich mit den Vorstellungen von "Iustitia et Pax", die die katholische Soziallehre mit der Enzyklika "Populorum progressio" von Paul VI. neu beginnen lassen wollen. Benedikt XVI., "eine wirklich freundliche Seele, wird es für nötig gehalten haben, um des lieben Friedens in seiner Kurienfamilie willen diese vielen Fußnoten mit in seinen Text aufzunehmen", so Weigel wörtlich. Jedoch: "Wer Ohren hat, zu hören, der wird sich bei der Lektüre klar auf die Teile der Enzyklika konzentrieren, die eindeutig von Benedikt XVI. stammen". Das seien u.a. der Hinweis auf die enge Beziehung von Glaube und Vernunft und die Überzeugung, dass die großen sozialen, wirtschaftlichen und politischen Fragen im wesentlichen anthropologische Fragen seien. Es gehe um die Frage nach der Natur des Menschen und damit nach Gott.






