Jubel für Papst Benedikt XVI. bei der Messfeier im Stadion der "Nationals" in Washington - "Kathpress"-Korrespondentenbericht von Johannes Schidelko
Washington, 18.4.08 (KAP) Bei der ersten großen Begegnung mit den Katholiken der USA im nagelneuen Stadion der Baseballmannschaft "Nationals" am südlichen Stadtrand von Washington flammte Begeisterung für Benedikt XVI. auf. Der Papst schwor die US-Katholiken auf einen Kurs der Erneuerung ein: Angesichts von Ermüdungserscheinungen im traditionell soliden Glaubensleben, vor allem aber nach dem Schock des Missbrauch-Skandals müsse die Kirche entstandene Wunden heilen, Spaltungen überwinden und neuen Tritt fassen. Aber als "Volk der Hoffnung" werde Amerika auch diese Herausforderungen meistern.
Die Messe mit Gläubigen aus dem gesamten Nordosten der USA war für Benedikt XVI. bei seinem USA-Besuch das erste "Bad in der Menge", und der Papst freute sich sichtlich über die herzliche Aufnahme. Für die Gläubigen in Washington war es auf Grund der scharfen Sicherheitsvorkehrungen die einzige Gelegenheit, den Gast aus Rom live zu erleben. Alle 46.000 Plätze im großen Oval waren besetzt, die Zugangskarten mehrfach überzeichnet. Ein dutzend Chöre mit 570 Sängern gestaltete die Messe multikulturell und nach unterschiedlichsten Stilrichtungen: Traditionelle Osterlieder folgten auf Spirituals oder auf von Flöten und Trommeln begleiteten Gregorianischen Choral. Offenen Applaus und einen Händedruck des Papstes erhielt der Tenor Placido Domingo, als er nach der Kommunionausteilung das "Panis angelicus" sang.
Benedikt XVI. fand in seiner Ansprache viel Lob und Dank für das kirchliche Leben in den USA und die tiefverwurzelte Religiosität. Die Messe von Washington war zugleich eine Jubiläumsmesse: Vor genau 200 Jahren wurden in den damals noch jungen Vereinigten Staaten die ersten katholischen Diözesen im - zuvor ausschließlich anglikanisch und puritanisch dominierten - Nordosten errichtet.
Im Vordergrund stand jedoch der Ausblick auf den künftigen Kirchenkurs. Die USA insgesamt - und auch die Kirche - erlebe derzeit eine "Wende", einen "besorgniserregenden Einbruch der gesellschaftlichen Fundamente" mit Entfremdung, wachsender Gewalt und einer Schwächung des Moralgefühls. In der Kirche gebe es, unterstrich der Papst, neben soliden Pfarren und lebendigen Gemeinschaften, neben jugendlichem Glaubensenthusiasmus und hohen (Wieder)Eintrittszahlen auch Erschütterungen, schmerzliche Spaltungen, Polarisierung und Haltungen, die dem Evangelium widersprechen. Und auch auf den Missbrauch-Skandal ging der Papst in dieser Predigt ein. "Keines meiner Worte könnte den Schmerz und den Schaden beschreiben, den dieser Missbrauch verursacht hat", bekannte der Papst: "Heute appelliere ich an jeden von euch, alle Mögliche zur Heilung, zur Aussöhnung und zur Hilfe für die Opfer zu tun". Zugleich forderte er aber auch Solidarität mit den Priestern, die in den allermeisten Fällen exzellent arbeiten.
An der Sportstätte der "Nationals" präsentierte sich dem Papst eine aktive, selbstbewusste Kirche mit Gläubigen aus unterschiedlichsten Kulturen. Die Fürbitten wurden in der philippinischen Nationalsprache Tagalog, auf Koreanisch, Vietnamesisch, und natürlich auf "Castellano" (spanisch) vorgetragen. Besonders laut war der Applaus, als Benedikt XVI. seine englischsprachige Predigt absatzweise auf Spanisch fortsetzte. Und damit der Tatsache Rechnung trug, dass ein wachsender Teil der katholischen Kirche in den Vereinigten Staaten inzwischen Spanisch spricht - infolge der Zuwanderung aus Lateinamerika.
Benedikt XVI. wird wenig mit jenem US-Zentralbegriff "glamour" assoziiert, der gern auf seinen Vorgänger Johannes Paul II. angewendet wurde. Aber der Applaus im Stadion der "Nationals" zeigte, dass er die Herzen vieler Amerikaner erobert hat.
Während der Messe hatten die rund 46.000 Anwesenden ihr Taufbekenntnis erneuert. Zum Abschluss erteilte der Papst den apostolischen Segen und segnete den Grundstein für die neue Kapelle des "Thomas Aquinas College" im kalifornischen Santa Paula sowie Grundstein und Tabernakel für die katholische Schule "Pope John Paul the Great" in Arlington im Bundesstaat Virginia.
Benedikt XVI. verließ das Stadion zu Fuß. Bei dem Gang durch die Menge schüttelte er viele Hände, die "Body guards" hatten Mühe, die Menschen zurückzuhalten.






