Washington, 19.4.08 (KAP) In der US-Presse wird der Besuch Benedikts XVI. sehr positiv behandelt. Zur Papst-Rede an der Katholischen Universität von Washington brachte die "New York Times" den erstaunten Kommentar eines Professors: "Er hat ja gar keine Rügen erteilt". Ausnahmslos lobend berichteten die US-Zeitungen von der Papstmesse, die Benedikt XVI. im neuen Washingtoner "Nationals Stadium" zelebrierte. Die "Washington Times" nannte die Feier "freudvoll und hoffnungsfroh". Für besonders bemerkenswert hielten die US-Zeitungen, dass der Papst der US-Gesellschaft in seiner Predigt attestiert hatte, noch immer eine Hoffnung für den Rest der Welt zu sein.
"Er sprach zu allen Amerikanern", kommentierte die "Washington Post". Die Worte des Papstes seien eine "positive Erinnerung daran, dass unser nationaler Charakter und unser Potenzial darin besteht, Gutes zu tun". Im Bewusstsein, dass die USA seit Jahren wegen ihrer Außenpolitik in der Kritik stehen, erfüllten die Papst-Worte vom "Volk der Hoffnung" die Medien mit großem Beifall. Dass der Papst bei seinem Besuch auch noch Fehler seiner Kirche zugebe, mache seine freundliche Botschaft "umso stärker", so die üblicherweise überaus kritische "Washington Post".
Mit positiver Überraschung reagierten die US-Tageszeitungen auf das Treffen Papst Benedikt XVI. mit den Opfern des Missbrauch-Skandals. Der "Boston Globe" titelte auf Seite 1: "Tränen, Gebete beim Treffen des Papstes mit Missbrauchsopfern aus Boston". Mit nahezu identischen Schlagzeilen widmeten sich auch die "New York Times" und die "Washington Post" der unerwarteten Geste des Papstes. "Das Treffen machte deutlich, dass unter all den Botschaften, die der Papst in den USA aussenden möchte, seine Besorgnis über den Missbrauch-Skandal zu den wichtigsten gehört", schrieb die "New York Times" anerkennend auf ihrer Titelseite. "USA Today" brachte den Bericht über die Begegnung des Papstes mit den Missbrauchsopfern auf der Titelseite auf die Formel "Jubel unter Tränen". Der Artikel im Innenteil führte allerdings aus, dass einige Funktionäre von Opferverbänden das Papst-Treffen mit Missbrauchsopfern auch als "Schlag ins Gesicht" werten.
"Pope of Hope" (Papst der Hoffnung) war die Schlagzeile der "Daily News" am Freitag, die auch diesmal wieder ein ganzseitiges Papstfoto auf dem Titelblatt zeigte. Im Innenteil analysierte die Zeitung die Lage der katholischen Kirche in New York und konstatierte ein "erstaunlich gemischtes Bild": Auf der einen SeiteSchließungen von Pfarren und Priestermangel, auf der anderen Seite eine "spürbare Erneuerung". Pfarrgemeinden - so zitierte die Zeitung einen engagierten Katholiken - sind doch "keine Filialen einer Fast-Food-Kette, die man so einfach öffnen oder wieder schließen kann".






