Friday 1. July 2016
Bischofsweihe

Werner Freistetter ist am Donnerstagvormittag im Wiener Neustädter Dom zum neuen Militärbischof geweiht worden. Hauptzelebrant Nuntius Erzbischof Peter Stephan Zurbriggen, der frühere Militärbischof Christian Werner und alle anwesenden Bischöfe legten Freistetter zur Bischofsweihe die Hände auf. Der Salzburger Erzbischof Franz Lackner unterstrich in seiner Predigt das Hirtenamt des Bischofs und seine Aufgabe, stets nah bei den Menschen zu sein. Bischofsein bedeute, "Freude und Hoffnungen, Trauer und Angst der Menschen wahrzunehmen, sich betreffen zu lassen", so Lackner.

 

Stichwort: Bischofsweihe

Die Bischofsweihe ist in der katholischen Kirche die höchste Stufe des Weihesakraments und dessen "Fülle". Sie macht einen Priester zum rechtmäßigen Nachfolger der Apostel und zum Teil des Bischofskollegiums, wo er mit dem Papst und den anderen Bischöfen die Sorge für die ganze Kirche teilt. Die Bischofsweihe verleiht dem Geistlichen das Amt des Lehrens, der Heiligung und des Leitens. Gespendet wird sie im Auftrag des Papstes und durch einen anderen gültig geweihten Bischof - den "Konsekrator", dem nach alter Tradition zwei weitere Bischöfe als "Mitkonsekratoren" zur Seite stehen.


Die Weihehandlung beginnt mit dem Versprechen des Erwählten. Nach einer Allerheiligen- und Fürbitten-Litanei, bei der der Kandidat inmitten der anwesenden Priester auf dem Boden liegt, kniet er sich vor dem Hauptzelebranten nieder, der ihm unter Stillschweigen die Hände auflegt, was auch die Mitkonsekratoren und alle anwesenden Bischöfe tun. Während des Weihegebetes wird das geöffnete Evangelienbuch über dem Haupt des Bischofs gehalten, um so den Ursprung des Bischofsdienstes aus dem Wort Gottes zu verdeutlichen.


Es folgen die Salbung mit Chrisam, die Übergabe des Evangelienbuchs sowie auch von Ring, Mitra und Bischofsstab. Die Insignien verweisen auf die Verbundenheit zur Kirche, auf Würde und Bemühen um Heiligkeit, auf das "Hirtenamt" des neuen Bischofs als nunmehriger Leiter einer Diözese und auf die Nachfolge Christi.


Anschließend wird der Bischof zum Bischofsstuhl - der "Kathedra" - begleitet. Der Lehrstuhl des Bischofs, der das älteste Bischofssymbol ist und einer Bischofskirche auch den Namen "Kathedrale" verleiht, ist wie Altar und Ambo Zeichen besonderer Gegenwart Christi. Mit dem Platznehmen auf dem Stuhl übernimmt ein Bischof die Leitung einer Diözese mit allen Rechten und Pflichten und wird namentlich von jedem Priester der Diözese im Hochgebet der Eucharistiefeier genannt. Die Aufnahme ins Bischofskollegium wird in der Umarmung durch die anwesenden Bischöfe beim Friedensgruß bekundet.

Stichwort: Militärdiözese

Der Militärbischof steht an der Spitze der katholischen Militärdiözese, die für rund 90.000 Katholiken im Umfeld des Bundesheer zuständig ist. Eingerichtet wurde die einzige kategoriale Diözese Österreichs (neben neun territorialen) im Jahr 1986. Schon zuvor wirkten ab 1956 erste Militärgeistliche im Rahmen des sogenannten "Militärvikariats" im neuen Österreichischen Bundesheer. Die Militärseelsorge als eine der ältesten Seelsorgeformen gibt es aber schon viel länger: Mit Beginn des 16. Jahrhunderts wurde die Sorge der Kirche um den Berufsstand der Soldaten bereits institutionalisiert.


Aktuell gehören der Militärdiözese 21 Priester und 3 Ständige Diakone an, die in 20 Militärpfarren im In- und Ausland im Einsatz sind. Dazu kommt nun auch noch Altbischof Christian Werner. Die Militär-Geistlichen werden bei ihren Aufgaben in der seelsorglichen Betreuung der Soldatinnen und Soldaten, zivilen Bediensteten des Bundesheeres und Heeresangehörige im Ruhestand sowie deren Angehörigen, von Militärpfarrern im Milizstand unterstützt. Die offizielle (und aktuellste) Statistik der Militärdiözese verzeichnete für 2013 66 Taufen, 242 Firmungen und 22 Trauungen.


Vom 30. September bis 4. Oktober 2013 fand in Salzburg die erste Militärsynode statt, bei der ein neues Seelsorgekonzept diskutiert wurde. Die Ergebnisse dieses in Salzburg angestoßenen Reformprozesses wurden schließlich in ein neues Pastoralkonzept gegossen, dass im April 2014 in kraft gesetzt wurde und nun vom neuen Militärbischof umgesetzt werden soll.


Laut dem, neuen Konzept muss die Militärseelsorge stärker auf die Menschen zugehen, "die Ist-Situation des Glaubens wahrnehmen und Wege der Vertiefung anbieten". So gilt es auch, die traditionell eher dem Glauben fernstehenden Gruppen oder die steigende Anzahl ungetaufter Erwachsener stärker wahrzunehmen und darauf zu reagieren.


Laien rücken mit dem neuen Pastoralkonzept einen Schritt mehr ins Zentrum der Militärseelsorge: Ihre theologische bzw. seelsorgliche Ausbildung soll angesichts der sinkenden Zahl von Militärpfarrern verstärkt werden. Ihr ehrenamtlicher Dienst soll verstärkt ermöglicht werden.


Die Fort- und Weiterbildung der Militärseelsorger soll ausgebaut werden, wobei man eine stärkere Zusammenarbeit mit der evangelischen und orthodoxen Militärseelsorge sowie auch mit geistlichen Zentren wie etwa den Klöstern beabsichtigt.


"Dringenden Handlungsbedarf" orten die Leitlinien weiters bei den Auslandseinsätzen von österreichischen Soldaten: Da es sich immer schwieriger gestaltet, für deren Begleitung geeignete Priester zu finden, sollten sich hauptamtliche Militärseelsorger künftig selbst dazu "in regelmäßigen Abständen" bereit erklären, sieht das neue Konzept vor.


Institutionalisierte Militärseelsorge


Eine institutionalisierte Militärseelsorge, ähnlich jener in Österreich, gibt es weltweit nur in etwas mehr als 30 Ländern. Oft werden die Militärdiözesen aber vom Bischof einer territorialen Diözese mitbetreut.


Der Militärbischof ist einem Diözesanbischof gleichgestellt und gehört der Österreichischen Bischofskonferenz an. Seine Bischofskirche ist die St. Georgs-Kathedrale in der Wiener Neustädter Burg, wo auch die Theresianische Militärakademie untergebracht ist. Der Militärbischof ist gleichzeitig Titularbischof von Wiener Neustadt. (Infos: www.mildioz.at)

Werner Freistetter: Soldat, Theologe, Seelsorger

 

Mit Werner Freistetter steht ein international renommierter Fachmann für ethische Problemstellungen im Bereich Militär, Krieg und Frieden, der als Militärseelsorger auch in Bosnien, im Kosovo und im Libanon im Einsatz war, an der Spitze der österreichischen Militärdiözese. Werner Freistetter wurde am 28. Oktober 1953 in Linz als Sohn eines hochrangigen Bundesheeroffiziers geboren. Er wuchs in der Steiermark und in Niederösterreich auf, maturierte in Wien und leistete seinen Präsenzdienst als Einjährig-Freiwilliger. 1973 trat in das Wiener Priesterseminar ein und studierte Theologie an der Universität Wien. 1975 setzte er seine Ausbildung im Collegium Germanicum et Hungaricum und an der Päpstlichen Universität Gregoriana in Rom fort.


Am 9. Oktober 1979 wurde Freistetter in Rom von Kardinal Franz König (1905-2004) zum Priester geweiht und war danach als Kaplan in Baden und Perchtoldsdorf tätig. 1984/1985 war er als Militärseelsorger am Golan im Einsatz. Nach seiner Rückkehr arbeitete er als Assistent am Institut für Ethik und Sozialwissenschaften an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Wien. Dort beschäftigte er sich mit den Themen Internationale Ordnung, Friedensethik und Grundlagen des Völkerrechts. In dieser Zeit war er zuerst Kaplan in Altlerchenfeld und danach Pfarrer in der Pfarre Am Kordon. 1993 promovierte er zum Doktor der Theologie und arbeitete bis 1997 am Päpstlichen Rat für die Kultur in Rom.


1997 kehrte Freistetter als Leiter des von Militärbischof Werner ins Leben gerufenen "Instituts für Religion und Frieden" (IRF) der Katholischen Militärseelsorge Österreichs zurück nach Wien. Die folgenden Jahre waren geprägt vom personellen und organisatorischen Aufbau des Instituts, von Forschungen zu ethischen Herausforderungen des militärischen Dienstes. Mit zahlreichen Publikationen und Vorträgen machte sich Freistetter in Fachkreisen auch international einen Namen; neben vielen anderen Lehraufträgen hielt er auch zwei Vorlesungsreihen an der Naval Postgraduate School in Monterey in den USA.


Freistetter arbeitete einige Jahre in der Delegation des Heiligen Stuhls bei der OSZE (Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa) in Wien, war als Militärseelsorger in Bosnien, im Kosovo und im Libanon im Einsatz und seelsorglich in verschiedenen Wiener Pfarren tätig.


Seit 2005 ist Freistetter auch geistlicher Assistent der Internationalen katholischen Soldatenorganisation AMI. Im März 2006 ernannte ihn Militärbischof Werner zum Bischofsvikar für Wissenschaft und Forschung, theologische Grundsatzfragen und internationale Beziehungen.

 

An der feierlichen Bischofsweihe nahmen alle österreichischen Diözesanbischöfe mit Kardinal Christoph Schönborn an der Spitze sowie zahlreiche Weihbischöfe und Altbischöfe teil. Auch aus dem Ausland sind zahlreiche Bischöfe nach Wiener Neustadt angereist. Als Zeichen der weltweiten Verbundenheit fungierte der slowakische Mlitärbischof Frantisek Rabek als Mitkonsekrator. Neben ihm nahmen auch der kroatische Militärbischof Juraj Jezerinac, der ungarische Militärbischof Biro Laszlo und der bosnische Militärbischof Tomo Vuksic an der Bischofsweihe teil. Der österreichische Staat bzw. das Bundesheer sind an oberster Stelle durch Verteidigungsminister Gerald Klug und Generalstabschef General Othmar Commenda vertreten. Ebenfalls anwesend war der niederösterreichische Landeshauptmann Erwin Pröll.

 

Erzbischof Lackner verwies in seiner Predigt auf Papst Franziskus und wie dieser in seinem Schreiben "Evangelii Gaudium" das Bischofsamt als Hirtenamt charakterisiert:

 

Darum wird sich der Bischof bisweilen an die Spitze seiner Diözese stellen, um den Weg anzuzeigen und die Hoffnung des Volkes aufrechtzuerhalten, andere Male wird er einfach inmitten aller sein, mit seiner schlichten und barmherzigen Nähe. Und bei einigen Gelegenheiten wird er hinter dem Volk hergehen, um denen zu helfen, die zurückgeblieben sind ..., und weil die Herde selbst ihren Spürsinn besitzt, um neue Wege zu gehen.

 

Wesen und Aufgabe der Kirche sei es, "eine Brücke zu schlagen von Gott zu den Menschen", betonte Lackner. Brücken müssten, um tragfähig zu sein, unter Spannung stehen "und es wäre fatal, diese einseitig auflösen zu wollen". Deshalb dürfe die Kirche auch nie zu einem Ort bequemen Christseins verkommen.

 

Die Spannung gelte es im Glauben auszuhalten

 

Lackner erinnerte auch an seine eigene Zeit als UNO-Soldat, als er seine Berufung zum Priester erfahren habe: "Ich besuchte einen Priester und fragte: Was macht Priestersein aus? Seine Antwort: Der Priester steht bittend, betend, opfernd vor Gott für die ihm anvertrauten Menschen."

 

Kurz nach seiner Amtseinführung als Salzburger Erzbischof habe er beim Ad-liminia-Besuch in Rom Papst Franziskus gefragt, ob er ihm nicht einen Rat auf den Weg mitgeben können: Papst Franziskus dachte nach und sagte dann: 'vigilanza e misericordia' - Wachsamkeit und Barmherzigkeit." Dieses Wort gab Erzbischof Lackner am Ende der Predigt an den neuen Militärbischof weiter.

 

Nuntius spendete Bischofsweihe

 

Am Beginn der Weiheliturgie verlas der Ordinariatskanzler Harald Tripp das päpstliche Ernennungsschreiben. Papst Franziskus rief darin den neuen Militärbischof auf, "mit größtem Einsatz den Sieg der Liebe der göttlichen Barmherzigkeit über Tod und Sünde" den anvertrauten Soldaten und ihren Familien zu verkünden.

 

Nach dem Versprechen des Erwählten erfolgte nach Anrufung der Heiligen die Bischofsweihe, die Erzbischof Zurbriggen durch Handauflegung und Weihegebet spendete. Nach der Salbung wurde dem neuen Militärbischof Evangeliar, Ring, Mitra und Hirtenstab überreicht, die die bischöflichen Aufgaben des Leitens, Lehrens und Heiligens verdeutlichen. Anschließend führte der Apostolische Nuntius den neugeweihten Militärbischof zum Platz des Vorstehers der Weiheliturgie, der auf diese Weise Besitz von der Militärdiözese ergriff.

 

Zum Zeichen der Aufnahme in die Gemeinschaft der Bischöfe umarmten alle Bischöfe den neuen Militärbischof. Die Bischofsweihe endete mit dem Schlusssegen durch Militärbischof Freistetter.

 

Wahlspruch und Wappen

 

Der 61-Jährige Werner Freistetter ist nach Christian Werner und Alfred Kostelecky der dritte Bischof der 1986 errichteten Militärdiözese. Der Wahlspruch von Militärbischof Werner Freistetter lautet "Religio et Pax" (Religion und Frieden). Das Wappen des neuen Bischofs beinhaltet das sogenannte "Tatzenkreuz", das Symbol der katholischen Militärseelsorge Österreichs, sowie einen Palmzweig und eine Taube. Der Palmzweig steht für die Auferstehung sowie für den Sieg über Tod und Sünde. Die Taube steht für den Heiligen Geist, für Reinheit und Frieden. Das Wappen ist in den Farben Silber und Blau gehalten. Silber symbolisiert Reinheit und Klarheit, steht aber auch für die Farbe Weiß in der österreichischen Nationalflagge, da bei Wappen in der Regel statt Weiß immer Silber verwendet wird. Die Farbe Blau steht für Offenbarung und Loyalität sowie Treue und Frieden.

 

 

Weiters beinhaltet das Wappen einen Pontifikalhut mit zwölf grünen Quasten sowie das goldene Vortragekreuz. Dies symbolisiert die Insignien der Bischofswürde. Das Wappen trägt als Schriftzug den bischöflichen Wahlspruch "Religio et Pax".



Quelle: kathpress
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