Kirche soll Papstbesuch als Neuanfang nützen
"Kathpress"-Gespräch mit dem Vorsitzender der Superiorenkonferenz, Propst Fürnsinn
Die katholische Kirche in Österreich muss den Papstbesuch zu einem Neuanfang nützen. Das betonte der Propst von Stift Herzogenburg (und Vorsitzende der Österreichischen Superiorenkonferenz), Maximilian Fürnsinn, im "Kathpress"-Gespräch. Der dreitägige Besuch Benedikts XVI. müsse der Auftakt zur Belebung des religiösen Lebens im Land sein. Seiner Meinung nach müsse eine solche Belebung vor allem in den Pfarrgemeinden ansetzen, so Propst Fürnsinn.
Die derzeit wegen des Priestermangels viel diskutierten Pfarrverbände seien als zukunftweisendes Konzept sicherlich nicht ausreichend, wenn teils auch notwendig. Es gelte in erster Linie, die Pfarren wieder mit mehr Leben zu erfüllen, was nicht nur von den Priestern abhängig sein dürfe. Vielmehr müssten noch stärker als bisher "Frauen, Männer und Jugendliche geschult und ermächtigt werden, das Leben der Kirche zu gestalten". Er erhoffe sich auch in dieser Richtung ein Wort des Papstes, so Propst Fürnsinn.
Weiters verspricht sich der Vorsitzende der Superiorenkonferenz vom Besuch Papst Benedikts XVI. auch eine Ermutigung zum Ordensleben. Die Orden nehmen in Österreich viele wichtige Aufgaben für Kirche und Gesellschaft wahr, etwa im Bereich der Schulen oder Krankenhäuser, aber auch in der Pfarrseelsorge, erinnerte der Vorsitzende der Superiorenkonferenz. Rund 40 Prozent aller Pfarren in Österreich werden von Ordenspriestern betreut. Viele Orden, besonders jene mit praktischen Schwerpunkten, hätten aber große personelle und finanzielle Sorgen.
Das habe wohl stark mit dem gesellschaftlichen Wandel zu tun, so Fürnsinn, der insbesondere auf die Bereiche Schulen und Krankenhäuser verwies. Um sich in diesen Bereichen zu engagieren, müsse man nicht mehr in einen Orden eintreten, der Nachwuchs für die in in diesen Sektoren tätigen Gemeinschaften bleibe aus. Hingegen würden manche kontemplative und stärker auf die Liturgie ausgerichtete Orden durchaus viel Nachwuchs verzeichnen, so Fürnsinn. Er wertete das auch als ein Zeichen dafür, dass es in einer oberflächlichen Gesellschaft "Orte der Ruhe und geistlichen Tiefe" brauche. Trotzdem wolle er sich mit der gegenwärtigen Situation aber nicht zufrieden geben, so Fürnsinn: "Das Evangelium ist eine Botschaft zur Durchdringung der Welt, nicht nur zur kontemplativen Verarbeitung". So erhoffe er sich von Papst Benedikt XVI. auch aufbauende Worte für jene Orden, die sich derzeit in einer schwierigen Situation befinden.
Propst Fürnsinn charakterisierte den Papst u.a. als begnadeten Glaubenslehrer, dem die Menschen über alles am Herzen liegen. Er sei überzeugt, so Fürnsinn, dass der Papst auch bei seinem Österreich-Besuch die richtigen Worte finden und die Herzen der Menschen berühren werde.