Bischöfe bereiten sich auf EU-Lateinamerika-Gipfel vor
Wien, 5.4.06 (KAP) Von 11. bis 13. Mai findet in Wien aus Anlass der EU-Präsidentschaft Österreichs ein Gipfeltreffen der Staats- und Regierungschefs der Europäischen Union und der Staaten Lateinamerikas statt. Im Hinblick auf diesen "Gipfel" treffen Vertreter der Kommission der Bischofskonferenzen des EU-Raumes (ComECE) und des Lateinamerikanischen Bischofsrates (CELAM) am 6./7. April im Wiener Don Bosco-Haus zusammen, um den inhaltlichen Beitrag der katholischen Kirche abzuklären. Am Freitagmittag treffen die Bischöfe mit Kardinal Christoph Schönborn zusammen; am Freitagnachmittag werden sie die Ergebnisse ihrer Beratungen im Außenministerium in Form einer "Botschaft an den Gipfel" übergeben.
Um 11 Uhr findet am Freitag, 7. April, auf der Dachterrasse des Erzbischöflichen Palais (1010 Wien, Wollzeile 2) eine Pressekonferenz der Vertreter von ComECE und CELAM statt. Dabei werden der neugewählte Präsident der ComECE (und Bischof von Rotterdam), Adrianus van Luyn, der Erzbischof von Merida in Venezuela, Baltazar Porras Cardozo, der Generalsekretär des CELAM (und Bischof von Reconquista in Argentinien), Andres Stanovnik, dessen Stellvertreter P. Sydney Fones sowie der ComECE-Generalsekretär Msgr. Noel Treanor über die Beratungen der Bischöfe informieren. Die Redaktionen sind herzlich eingeladen, Vertreter/innen zu dieser Pressekonferenz zu entsenden.
Der EU-Lateinamerika-Gipfel im Mai in Wien soll neben wirtschaftlichen Weichenstellungen auch soziale Verbesserungen bringen und dabei den betroffenen Armen "eine Stimme geben": Darin waren sich der Linzer Bischof Ludwig Schwarz und der argentinische Bischof Andres Stanovnik (Diözese Reconquista) im Gespräch mit der Wiener Kirchenzeitung "Der Sonntag" einig. Die Zusammenarbeit zwischen der EU und Lateinamerika solle "einen Beitrag zur menschlichen Entwicklung leisten und nicht nur der Erschließung von Absatzmärkten für multinationale Konzerne dienen", so Schwarz. Themen wie Menschenrechte, internationale Arbeitsbedingungen, soziale und ökologische Mindeststandards müssten beim Wiener Gipfel im Mai aufgegriffen werden. Schwarz forderte auch eine "breite demokratische Kontrolle" bei Verhandlungen z.B. über Freihandelszonen.
Bischof Stanovnik kritisierte den Umstand, dass "die Armen keineswegs ausreichend in die Anstrengungen zur Verbesserung ihrer Situation einbezogen" seien. Sie würden "nur benutzt und nicht in ihrer menschlichen Dimension wahrgenommen". In der heutigen globalisierten Welt sei es äußerst selten, "dass sich Arme gegen die wirtschaftliche, politische, informationstechnische und kulturelle Vorherrschaft der Mächtigen durchsetzen können", so Stanovnik. Die Bischöfe Europas und Lateinamerikas wollten mit ihrer Botschaft an die österreichische EU-Ratspräsidentschaft u.a. erreichen, dass die Armen besser berücksichtigt werden: "Sie müssen zu Akteuren ihrer eigenen Entwicklung werden. Genau das macht ihre menschliche Würde aus". (ende)