"Umwelt-Bischof": Risiken der Genpflanzen
Wien, 5.4.06 (KAP) "Ziel jeder Landwirtschaft muss sein, das tägliche Brot für alle Menschen bereit zu stellen, ohne dabei auf die Verantwortung für die nichtmenschliche Schöpfung zu vergessen": Das betonte "Umwelt-Bischof" Alois Schwarz (Gurk) am Mittwoch in einem Grußwort an die Teilnehmer des Wiener "Marsches für ein gentechnikfreies Europa", das vom designierten Weihbischof Franz Scharl verlesen wurde. Bischof Schwarz listete schwer wiegende Risiken auf, die mit dem Einsatz von gentechnisch veränderten Organismen im Agrarwesen verbunden seien: Durch den Anbau von herbizidresistenten oder insektenresistenten Pflanzen fänden Eingriffe in die Nahrungskette und die Artenvielfalt im "Ökosystem Acker" statt, "deren Tragweite bisher schwer abzuschätzen ist". Natürliche ökologische Gleichgewichte zwischen Schädlingen und Nützlingen würden gestört. Weiters bestünden Gesundheitsrisiken beim Verzehr von "Gen-Nahrung", warnte der Bischof. Es drohe das Auftreten neuartiger Allergien.
Die Gentechnik fördere auch den Konzentrationsprozess in der Landwirtschaft, lokal angepasste, standortgerechte Landbausysteme seien durch einen weltweit entfesselten Konkurrenzkampf in ihrer Existenz gefährdet, erinnerte Schwarz. Schließlich gebe es auch unkalkulierbare Gefahren für jene Landwirtschaft, die gentechnikfrei bleiben will. Eine "neutrale Koexistenz" sei durch die unkontrollierbare Ausbreitung gentechnisch veränderter Pflanzen schwierig.
Bischof Schwarz appellierte an das Verantwortungsbewusstsein aller Menschen, "die durch ihre persönlichen Konsumentscheidungen und Lebensstile tagtäglich die Welt gestalten und Einfluss darauf haben, wie sehr wir unsere Umwelt schädigen oder schonen". Als christliche Lebensregel heiße das: "Sich täglich daran erinnern, dass Gott der Schöpfer des Lebens ist; das Leben achten, d. h. sich für den Lebensraum anderer einsetzen; sich beteiligen am Schutz der Schöpfung vor deren Zerstörung durch den Menschen".
"Großversuch, für den niemand Haftung übernimmt"
Auf die Bedrohung für Gesundheit, Nahrung und "den so reichhaltigen Genpool, der ein wesentlicher Bestandteil der Schöpfung ist und erhalten bleiben muss", wies Klaus Faißner von der christlichen "Arbeitsgemeinschaft Schöpfungsverantwortung" hin. Wenn die EU-Kommission jetzt Weichen stelle für den Anbau gentechnisch veränderter Pflanzen, für eine "erlaubte gentechnische Verschmutzung in Bio-Produkten" und die Kontaminierung von Saatgut, "dann wendet sie sich gegen die Menschen und die Natur", sagte Faißner als einer der Redner beim "Marsch für ein gentechnikfreies Europa". Bei der Gentechnik in der Landwirtschaft handle sich um einen "Großversuch, für den niemand die Haftung übernimmt". Fehlschläge würden zunehmen, eine Rückführung in eine gentechnikfreie Landwirtschaft sei unmöglich. In der Natur gebe es funktionierende Ökosysteme. "Warum sollen diese Systeme ruiniert werden, welcher Geist steckt dahinter?", so der Journalist, der als Fachmann für ökologische Themen seit einiger Zeit im Führungsgremium der "Arbeitsgemeinschaft Schöpfungsverantwortung" ist. Die 1989 unter dem Eindruck der Ersten Europäischen Ökumenischen Versammlung in Basel von Isolde Schönstein gegründete ökosoziale christliche Bewegung war schon eine der Betreiberinnen des erfolgreichen Gentechnik-Volksbegehrens von 1997 und wurde 2005 mit dem Umweltstaatspreis der Republik Österreich, dem "Konrad-Lorenz-Preis", ausgezeichnet.
Faißner erinnerte daran, dass sich auch die Österreichische Bischofskonferenz 2001 klar für die ökologische Landwirtschaft ausgesprochen hatte. Damit diese Landwirtschaft geschützt werde, hoffe die "Arbeitsgemeinschaft" jetzt auf weitere Schützenhilfe durch die Bischöfe. Sie sollten jetzt "einen Schritt weitergehen" und gegen jeglichen Einsatz der Gentechnik in der Landwirtschaft Stellung beziehen. (forts)