
Ternberg-Gedenken: Mitterlehner warnt vor neuem Nationalismus
Mit einer Warnung vor den Gefahren eines europaweit erstarkenden Nationalismus und Rechtspopulismus endete am vergangenen Freitag eine Gedenkfeier im früheren KZ-Außenlager Ternberg im oberösterreichischen Ennstal. Rund 200 Menschen - darunter Diözesanbischof Manfred Scheuer und der frühere Vizekanzler Reinhold Mitterlehner - waren der Einladung der Katholischen Jugend gefolgt, in der Gedenkstätte, die 2008 im Zuge der Jugendsozialaktion "72 Stunden ohne Kompromiss" von Jugendlichen im Keller der Pfarrbaracke in Ternberg eingerichtet worden war, der Opfer des Nationalsozialismus zu gedenken. Die Feier stand heuer unter dem Motto "Niemals Nummer. Immer Mensch".
Bischof Scheuer nahm in seinen Grußworten dieses Motto auf und betonte, dass die Auslöschung des Namens in den Konzentrationslagern mit Kalkühl geschah. Die einzelne Person habe keine Rolle mehr gespielt:
Die Nummer war der vollständige Ersatz der individuellen Persönlichkeit. So einmalig die Menschen waren - die Auslöschung des Namens wollte zur Auslöschung der Person, wollte zur Auslöschung der Unverwechselbarkeit beitragen.
Der frühere Vizekanzler Mitterlehner warnte in seiner Gedenkrede vor einem europaweit erstarkenden Nationalismus und Rechtspopulismus, "der - scheinbar überwunden - jetzt wieder da ist und der andere wie etwa die Flüchtlinge zum Sündenbock für viele Probleme macht". Dagegen bestehe Menschlichkeit in der Fähigkeit, "Empathie und Mitgefühl zu entwickeln" und sich "in andere hineinzuversetzen". Dies sei für ein gelingendes Zusammenleben essentiell, so Mitterlehner - daher sei es auch wichtig, dem Vergessen entgegenzutreten. Nur wer die Erinnerung an die Vergangenheit wach halte, könne "Lehren aus der Geschichte für jetzt und für die Zukunft ziehen".
Nach der Gedenkrede und einem bewegenden Gedenkakt, bei dem Jugendliche ein Bekenntnis dazu ablegten, dass Nummern niemals wieder Namen ersetzen dürften, wurden die bekannten Namen der Opfer des KZ-Außenlagers Ternberg verlesen und ein Gebet gesprochen. Zum Abschluss wurden vor der Pfarrbaracke Kränze niedergelegt.
Als Mitveranstalter fungierten die Markt- und Pfarrgemeinde Ternberg, der Musikverein Ternberg, das Rote Kreuz Bezirksstelle Steyr-Land/Ortsstelle Ternberg, das Katholische Bildungswerk Ternberg, die Katholische Frauenbewegung Ternberg und das Mauthausen Komitee Österreich. Zahlreiche Ehrengäste aus der kirchlichen und politischen Öffentlichkeit nahmen an der Gedenkfeier teil.
Quelle: kathpress