
Beck: Kirche muss sich als "global player" bei KI-Debatte einmischen
Mit dem vom Vatikan beschlossenen Ethik-Kodex für Künstliche Intelligenz (KI) mischt sich die Kirche als "global player" konstruktiv in einen wichtigen Dialog ein und kann dabei eigene Akzente setzen. So lautet das positive Resümee des Wiener Moraltheologen Prof. Matthias Beck, der als Mitglied der Päpstlichen Akademie für das Leben an der am Freitag zu Ende gegangenen KI-Tagung teilgenommen hat. "Die Kirche ist durch die Befassung mit Künstlicher Intelligenz zeitgemäß und kann bei diesem Diskurs andere Akzente setzen, indem sie den Menschen in den Mittelpunkt stellt und betont, dass die KI dem Menschen dienen muss und nicht nur wirtschaftlichen Interessen", so Beck im Interview mit "Kathpress" am Samstag. Zudem müssten immer die Auswirkungen von KI auf Arme und Benachteiligte sowie auf die Natur und die Erhaltung der Schöpfung berücksichtigt werden.
Besonders eindrucksvoll sei für ihn, Beck, die Schlussveranstaltung der Tagung gewesen. Dabei habe der Vizepräsident des Techno-Konzerns IBM, John Kelly, erklärt, dass für ihn als Katholik und IBM Mitarbeiter "ein Traum in Erfüllung gegangen ist", weil es im Rahmen der Tagung gelungen sei, die Welt der Technik mit jener der Ethik und der Kirche zu verbinden. Sowohl Kelly als auch Microsoft-Präsident Brad Smith hätten betont, dass der Kirche eine immense Aufgabe zukomme, weltweit die ethische und anthropologische Dimension von KI immer wieder hervorzuheben. "Mich hat bei der Tagung der Schulterschluss zwischen Microsoft, IBM und Kirche besonders beeindruckt. Er bedeutet nicht, dass die Kirche wieder mit den Reichen geht, sondern dass sie sich konstruktiv in den laufenden Dialog einmischt und als 'global player' ihre Stimme miterhebt", so Beck.
Der Vatikan hat am Freitag einen Ethik-Kodex zu künstlicher Intelligenz (Artificial Intelligence, AI) veröffentlicht. Darin sind mehrere Prinzipien aufgeführt, die eine Nutzung moderner digitaler Technologien zum Wohle der Menschheit gewährleisten sollen. So müssten AI-Systeme transparent, inklusiv, unparteiisch, zuverlässig und sicher sein, heißt es in dem sechs Seiten umfassenden Dokument. Zudem seien die Verantwortlichkeiten klar zu regeln und die privaten Daten der Nutzer zu schützen. Diese Prinzipien seien "die fundamentalen Elemente für gute Innovationen", so der Wortlaut des Textes.
Zu den Erstunterzeichnern des "Rome Call for AI Ethics" gehören unter anderen Microsoft-Präsident Brad Smith und IBM-Vizepräsident John Kelly. Zur Erarbeitung des Leitfadens hatte die Päpstliche Akademie für das Leben seit Mittwoch einen hochkarätig besetzten Workshop mit Hunderten Experten und Unternehmern aus aller Welt veranstaltet. Beteiligt waren auch der Präsident des Europäischen Parlaments, David Sassoli, und der Generaldirektor der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO), Qu Dongyu.
Quelle: kathpress