
Wien: Orthodoxer Bischof übt Kritik an türkischer Religionspolitik
Scharfe Kritik an der türkischen Religionspolitik übt der für Österreich zuständige serbisch-orthodoxe Bischof Andrej (Cilerdzic) geübt. In einer Aussendung (Dienstag) appelliert er an alle Verantwortlichen Europas, gegen den "geistigen Genozid" in der heutigen Türkei entschlossen Stellung zu nehmen. Aktueller Anlass der heftigen Kritik des Bischofs sind die jüngsten Umwandlungen der Hagia Sophia und des Chora-Klosters in Istanbul von Museen in Moscheen.
Diese Umwandlungen seien eine völlig falsche Botschaft, "speziell an die Adresse weltweiter radikaler Bewegungen, die ihrerseits das friedliche Zusammenleben der Menschen unterschiedlicher Religion auf unserem Planeten bedrohen und belasten", so Bischof Andrej. Die Umwandlungen verkehrten auch symbolisch die Anstrengungen von Kemal Atatürk, "aus der Türkei einen modernen Staat aufblühen zu lassen".
Wörtlich hält Cilerdzic fest: "Es ist christliche Ehrenschuld und staatsbürgerliches Pflichtgebot, dass wir als europäische Völker das christliche Erbe in Schutz nehmen, zumal auf diesem Erbe unser heutiges Europa fußt." In der Einlösung dieser Schuldigkeit schütze man ebenso die Würde aller Menschen, ganz unabhängig von ihrer religiösen Zugehörigkeit, "denn der Mensch ist als Ebenbild Gottes das kostbarste Wesen".
Gott sei Dank gebe es aber auch islamische Theologen, so Cilerdzic, "die öffentlich die Umwandlungen byzantinischer Kirchen in Moscheen brandmarken und darüber hinaus hervorheben, dass sich Umwandlungen orthodoxer Heiligtümer in Moscheen den islamischen Werten der Toleranz und des Friedens widersetzen".
Solidarität mit Patriarch Bartholomaios
Bischof Andrej bekundet seine Solidarität mit dem Ökumenischen Patriarchen von Konstantinopel, Bartholomaios I., und weist auf die bedrängte Situation der letzten verbliebenen orthodoxen Christen in der Türkei hin. Cilerdzic spricht wörtlich von "jahrzehntelanger kultureller Unterjochung". Ähnliche Umwandlungen von ehemaligen Kirchen/Museen in Moscheen habe es auch in anderen Teilen der Türkei gegeben. Der Bischof verweist u.a. auf die Hagia Sophia von Trabzon (Trapezunt). Vielen orthodoxen Kirchen im Pontus oder an der ägäischen Küste seien zudem dem Verfall anheimgegeben.
Bischof Andrej hat seinen Sitz in Wien. Er ist für die serbisch-orthodoxen Gläubigen in Österreich, der Schweiz, Italien und Malta zuständig; insgesamt rund 500.000 Gläubige. Gut 300.00 davon leben in Österreich.
Der ausführliche Appell des Bischofs im Wortlaut findet sich auf der offiziellen Website der serbisch-orthodoxen Kirche in Österreich unter www.crkva.at.
Quelle: kathpress