
Kirchenpodcast: Was Menschen bewegt, eine Corona-Bibel zu schreiben
Wer an handgeschriebene Bibeln denkt, der denkt an mittelalterliche Klöster und viele fleißige Mönche in ihren Schreibstuben. Nicht so der Schweizer reformierte Theologe und Pfarrer Uwe Habenicht. Er initiierte die erste handgeschriebene Corona-Bibel, hergestellt von 950 Mitarbeitern im Lockdown. Im Kirchenpodcast, der unter anderem über die Website der katholischen Kirche in Österreich (www.katholisch.at) abgerufen werden kann, erzählt Habenicht über sein Projekt: "Es war kurz vor dem Lockdown in der Schweiz, als ich mir überlegt habe, was wir tun können, damit Menschen in den Wochen, die da auf uns zukommen, nicht vollkommen verloren gehen."
Habenicht setzte sich mit dem Stiftsbibliothekar in St. Gallen in Verbindung, ob der bereit wäre, eine solche Bibel in seinen Bestand aufzunehmen. Die Schreiber wurden über die Medien gesucht, insgesamt 3.811 ausschließlich handgeschriebene Seiten kamen schließlich zusammen.
Unter den 950 Mitarbeitern - Schreiber, Zeichner, Kommentatoren - waren auch viele Österreicherinnen und Österreicher. Jeder Mitarbeiter durfte in seiner Sprache schreiben, weshalb die handgeschriebene Bibel nun über 20 Sprachen beinhalte, so Habenicht im Kirchenpodcast:
Es ist unglaublich, mit wie viel innerer Anteilnahme und Fantasie da geschrieben, illustriert und kommentiert wurde.
Die vollständig abgeschriebene Bibel wurde inzwischen auch gescannt und wird Anfang November auf www.coronabibel.ch veröffentlicht. Bis dahin kann das Projekt über die Website www.kathsg.ch/coronabibel mitverfolgt werden. Ein großes Fest mit der Übergabe der Originalausgabe an die Stiftsbibliothek St. Gallen findet - so Corona will - im Frühling 2021 statt.
Katholiken anglikanischer Tradition
In einem weiteren Kirchenpodcast stellt der Wiener Theologe Daniel Seper sein neues Buch "United not Absorbed" vor. Das Thema: Anglikanische Katholiken bzw. katholische Anglikaner und genau genommen muss es heißen: Katholiken anglikanischer Tradition. Seper hat sich jener Anglikaner angenommen, die zum Katholizismus konvertiert sind.
Diese feiern ihre Messen weiterhin nach anglikanischem Ritus und vormals anglikanische Priester dürfen - sofern sie es vor ihrer Konvertierung bereits waren - verheiratet bleiben. Im Kirchenpodcast erläutert Seper die Entwicklungen, die ab 1980 zur Aufnahme von Anglikanern in die katholische Kirche geführt haben und welche Bereicherung das für die Liturgie mit sich gebracht hat. Denn immerhin: Mit dem anglikanischen Ritus hat die katholische Kirche zum ersten Mal liturgische Traditionen einer reformatorischen Gemeinschaft in ihr gottesdienstliches Leben integriert.
Schon als Student habe ihn die Vielfalt der Liturgie in der katholischen Kirche fasziniert, so Seper.
Mich hat fasziniert, dass man katholisch sein, aber gleichzeitig eine andere Liturgie als den römischen Ritus verwenden kann.
Den katholischen Anglikanern sei es ein Anliegen gewesen, dass sie einerseits in Einheit mit dem Papst stehen, andererseits aber ihre Traditionen weiterpflegen können. Das gelte für die Liturgie, aber auch andere Bereiche. Eine größere Anzahl von Katholiken anglikanischer Tradition gibt es etwa in Großbritannien, Kanada oder den USA.
Superhands: Helfende Hände für pflegende Kinder
Mit einem weitgehenden Tabuthema beschäftig sich schließlich ein dritter aktueller Kirchenpodcast (auf www.katholisch.at): Wer an pflegende Menschen denkt, denkt meistens an ältere Menschen, über Kinder und Jugendliche, die einen Elternteil pflegen müssen, wird hingegen kaum berichtet. Das Projekt "Superhands" von den Johannitern hilft diesen jungen Menschen. Wie, das erklärte die Gründerin und langjährige Leiterin des Projekts, Anneliese Gottwald, im Podcast.
Keiner möge es, wenn sein Privatleben öffentlich diskutiert werde, daher würden viele Familien vorgeben, dass sie keine Hilfe benötigten. Pflegende Kinder würden über Jahre in ihre Rolle hineinrutschen, wenn sie zuerst "nur" einkaufen gehen sollen, dann - bei fortschreitender Erkrankung des Elternteils - der Rollstuhltransfer und vieles mehr hinbekommen müssen.
Für die Bedürfnisse der Kinder und Jugendleichen blieben weder Energie noch Zeit. Viele würden erst Jahre später dahinterkommen, dass sie ein Stück ihrer Kindheit nicht erleben konnten, so Gottwald. "Sie fangen dann an, ihr Leben in einer Therapie und in Gesprächen aufzuarbeiten und fragen sich: 'Was ist da mit mir passiert?'"
"Superhands" ist für Kinder aber auch Erwachsene online jeden Tag (Infos: www.superhands.at) und über die Hotline 0800 88 87 87 montags und donnerstags von 15 bis 17 Uhr erreichbar.
Die von der ökumenischen Radioagentur "Studio Omega" produzierten Podcasts sind u.a. auch auf www.studio-omega.at, auf https://studio-omega-der-podcast.simplecast.com sowie auf iTunes, allen Smartphone-Apps für Podcasts und auf Spotify abrufbar.
Quelle: kathpress