
Nach Anschlag von Nizza
Scharfe Verurteilung durch AKV und Rektor Bugnyar
Nach Anschlag von Nizza
Scharfe Verurteilung durch AKV und Rektor Bugnyar
Das Präsidium der gesamtösterreichischen "Arbeitsgemeinschaft der Katholischen Verbände" (AKV) hat die Ermordung mehrerer Menschen in einer Kirche in Nizza durch einen tunesischen Jihadisten scharf verurteilt. "Religion kann nie ein Grund dafür sein irgendjemanden nach dem Leben zu trachten", betonte der neue Präsident der AKV, Matthias Tschirf, in einer Aussendung am Samstag.
"Respekt und Wertschätzung gegenüber allen Religionen und Weltanschauungen ist für uns unabdingbar. Als überzeugte Christinnen und Christen steht für uns der Dialog dabei immer an erster Stelle. Und genau dieser muss nun geführt werden", ergänzte Vizepräsidentin NR Abg. Gertraud Salzmann (ÖVP) laut Aussendung.
Die "oft gepredigte Toleranz" dürfe - so Tschirf - "nach solch dramatischen Vorkommnissen nicht zu einem Lippenbekenntnis verkommen". Er forderte, dass "wir aufeinander zugehen und gemeinsam Lösungen suchen. Stellen wir die Menschlichkeit, das Miteinander und die Gleichheit aller wieder ins Zentrum unseres Handels", hob Tschirf hervor.
Bugnyar zu Nizza: "Einschüchterung gelingt"
"Einschüchterung und Mobilisierung islamischer Gläubiger" sind laut Prof. Markus Stephan Bugnyar, dem Leiter des kirchlichen Österreichischen Hospizes in Jerusalem, die zwei Botschaften der "archaischen Enthauptungen" wie jenen von Conflans-Sainte-Honorine oder Nizza. Der Theologe und Priester der Diözese Eisenstadt äußerte sich in einem Gastkommentar für die Zeitung "Die Presse" (Samstag).
"Der Akt der Tötung wird interpretiert als Akt der Bestrafung im Namen jenes Gottes, der beleidigt wurde und dessen Ehre durch Blutrache wiederhergestellt wird. Es ist belanglos, ob wir - Europäer, Christen, Westler, Säkulare - das verstehen können: Das Gegenüber sieht es so. Es geht primär gar nicht um den physischen Tod des Opfers, das meistens völlig willkürlich herhalten muss, sondern um einen zweifachen 'geistigen Impuls'. Während wir geschockt den konkreten Menschen betrauern, konzentrieren sich 'die Anderen' auf den Täter, die Tat, den Anlass - und: unsere Reaktion. Einschüchterung ist das Ziel. Und wie man sieht, gelingt das prächtig", so Bugnyar.
Der genannte "geistige Impuls" habe eine zweite, wichtigere Stoßrichtung, nämlich das Kollektiv der muslimischen Gläubigen. Sie sollten "gemeinschaftlich aufgerüttelt werden, zur Tat animiert, gemeinsam für den Religionsstifter aufstehen und einstehen, wenn nötig zur Waffe greifen".
Dabei bediene man sich nicht etwa moderner Waffen, sondern töte in einer in der Antike geläufigen Praxis. "Wer heute enthauptet, erinnert an den Ursprung damals. Das Damals wird Teil unseres Heute. Mit anderen Worten: 'Wenn sich heute global alle Gläubigen daran orientieren, werden wir triumphieren wie einst über die Ungläubigen' - ein Grundcredo von Fundamentalisten", erläutert der Hospizrektor.
Dieser in der Hinrichtung selbst "hocheffizient inszenierte Rekurs auf die eigene Gründungszeit" erkläre auch, warum sich selbst gemäßigte Mitglieder der Religionsgemeinschaft nicht von solchen Attentaten distanzieren könnten. Bugnyar: "Wenn sie noch dazugehören wollen, können sie nicht ihren eigenen Gründungsmythos schlechtreden. Wenn sie zudem noch Funktionsträger sind, würden sie sich selbst die Grundlage ihrer Autorität in der Gemeinde entziehen. Wer es dennoch tut, wird angefeindet."
Dilemma der Politik
Hier liegt nach Meinung Bugnyars auch ein großes Dilemma der Politik und der Sicherheits-Verantwortlichen: Wenn sie die islamischen Funktionsträger zur Distanzierung auffordern, habe dies einen internen Autoritätskonflikt zur Folge und wäre insofern "gar nicht im Interesse der öffentlichen Sicherheit".
Fazit für Markus Bugnyar: "Hier stehen einander zwei diametral entgegengesetzte Welt- und Menschenbilder gegenüber, die sich nicht nur auf dem Feld der Meinungs- versus Religionsfreiheit duellieren. Noch nicht einmal in der Definition dieser beiden Grundrechte würden sie sich einigen. Offenkundig auch nicht in ihrem Inhalt. Wer das ausblendet, kommt rascher zu Antworten, aber nicht zu einer dauerhaften Lösung. Wer Gott auf seiner Seite weiß, lässt nicht mit sich reden - in keiner Religion. Ihn zu töten, verbietet sich in manchen Religionen. Es ist wie mit einem grantigen Nachbarn: Distanz halten und auf bessere Tage hoffen. Religiös verbrämte Gewalt kommt in Wellen und ebbt wieder ab, wenn sich die Rahmenbedingungen ändern. Früher bedeutete das Krieg."
Quelle: Kathpress