
Scheuer: Karwoche erinnert auch an christliche Schuldgeschichte
Die Karwoche erinnert nicht nur an das Leiden und Sterben Jesu vor der österlichen Feier der Auferstehung, sondern sie stellt zugleich auch die christliche Verstrickung "in furchtbare Schuldzusammenhänge" her und erinnert diese. Darauf hat der Linzer Bischof Manfred Scheuer in der Ö1-Sendereihe "Gedanken für den Tag" am Mittwoch hingewiesen. Konkret verwies Scheuer etwa auf den christlichen Antijudaismus, der über lange Zeit die Tatsache ausgeblendet habe, dass Jesus selbst Jude war. Das "Bewusstsein der Glaubenssolidarität" mit den Juden sei über lange Zeit "nicht grundlegend vorhanden" gewesen, so Scheuer. Umso mehr gelte es zu betonen, dass Karwoche und Ostern "nicht zu trennen sind vom jüdischen Festkreis und der Feier des Pessach".
Bischof Scheuer spricht in dieser Woche die täglichen "Gedanken für den Tag" auf Ö1. Sie stehen in diesem Jahr unter dem Titel "Erinnern und Gedenken. Die Karwoche". Diese müsse als "Woche der Erinnerung" begriffen werden und verweise mit dem Pessachfest auch auf die für Juden zentrale Erinnerungsfeier an die Befreiung des Volkes Israel.
Der Wert der Erinnerung erschöpfe sich jedoch nicht in der bloßen Erinnerung an vergangene Ereignisse und Dinge, so Scheuer in Beiträgen vom Montag und Dienstag dieser Woche, sondern sie schaffe Identität und Selbstwertgefühl. Das Vergessen hingegen "führt zu Entwurzelung und Versklavung". Der Bischof erinnerte etwa daran, dass die Tilgung von Erinnerung zu den Mitteln von Siegern und Herrschern gehören, "um Feinde, Konkurrenten und Opfer mit letzter Verachtung zu treffen." Das Vergessen sei daher "der Marsch in die Unmenschlichkeit, weil es das Leiden der anderen ausblendet".
Zu hören ist Bischof Scheuer in den "Gedanken für den Tag" noch bis Karsamstag, 3. April, täglich um 6.56 Uhr auf Ö1. (Infos: https://oe1.orf.at/collection/581887)
Bischof buchstabiert O-S-T-E-R-N neu
In einem Beitrag für die "Niederösterreichischen Nachrichten" (NÖN) am Mittwoch macht der sprachlich feinfühlige St. Pöltner Bischof "Ostern" zu einem Akronym, zusammengesetzt aus Begriffen, die für ein "Lebensprogramm" stünden: O wie Orientierung, S wie Sieg, weiters Trost, Erneuerung, Resilienz und Nachhaltigkeit. Bei "Resilienz" stellte Schwarz einen Bezug zur aktuellen Covid-Krise her: Gemeint sei damit, dass der Mensch am Widerstand nicht zerbricht, sondern sich widerstandsfähig zeigt. Verfehlt sei jedoch die Sichtweise, "sich gegen alles und jedes aufzulehnen".
Es gehe darum, Situationen anzunehmen und "an unbequemen, unerfreulichen Lebenssituationen nicht zu zerbrechen, sondern den Umständen entsprechend zu reagieren", mahnte der Bischof. Vorgaben, Gesetze und Veränderungen dürften nicht boykottiert werden, sondern eine Haltung einzunehmen, "für sich selbst und andere Menschen gut sorgen zu können".
Und zu "Erneuerung" fiel dem Bischof nicht nur das frühlingshaft sprießende Grün ein, sondern: "Jedes Osterfest erinnert den Menschen daran, dass unsere Gedanken, unser Fühlen und unser Dasein ein Ziel und einen Sinn haben, nämlich das Leben." Leben bedeute aber auch Veränderung und nicht immer könnten Menschen das erfreut annehmen. Schwarz zitierte dazu den ehemaligen Trampolin-Weltmeister und Autor von mehr als einem Dutzend Selbsthilfebüchern, Dan Millman: "Das Geheimnis der Veränderung ist, alle Energie nicht auf die Bekämpfung des Alten zu legen, sondern auf den Aufbau des Neuen."
Quelle: kathpress