
Caritas Tirol: Hunger und Durst sind heilbar!
Die Caritas der Diözese Innsbruck bittet um Spenden für Hilfsprojekte in Westafrika. "Hunger und Durst sind heilbar", so Caritasdirektor Georg Schärmer bei einer Pressekonferenz am Donnerstag in Innsbruck. Gemeinsam mit Schärmer riefen Bischof Hermann Glettler und die Caritas-Expertin Julia Stabentheiner zur Solidarität auf und informierten über Projekte vor Ort. Der Pressetermin fand anlässlich der aktuellen Caritas-Hungerkampagne statt, die österreichweit über den Sommer in allen Diözesen durchgeführt wird.
Die Caritas sorge mit den Spenden der Tirolerinnen und Tiroler dafür, "dass die Verteilung der Lebenschancen ein wenig gerechter wird", so Bischof Glettler: "Wer darf Platz nehmen am Tisch des Lebens? Leider werden durch die versteckte Pandemie des weltweiten Hungers viele von diesem Tisch verdrängt. Diese Tatsache wollen wir nicht einfach zur Kenntnis nehmen. Stoppen wir gemeinsam den Virus der Gleichgültigkeit!"
Die Tiroler Caritas startete 1973 als erste in Österreich ihr internationales Engagement, vor allem in den Dürregebieten südlich der Sahara, erinnerte Caritasdirektor Schärmer: "Wir blicken auf nahezu 50 Jahre Fortschritte und kontinuierliche Erfolge. Weit über 100.000 Menschen überlebten dadurch und bekamen Chancen auf ein besseres Leben."
Burkina Faso und Mali sind Schwerpunktländer der Tiroler Caritas. Auch wenn diese Regionen derzeit massiv vom Klimawandel und Unruhen heimgesucht werden und zehntausende Bewohner als Binnenflüchtlinge unterwegs sind, gehe die Caritasarbeit unverdrossen und beherzt weiter, so Schärmer.
Vielfältige Hilfsprojekte
Die Caritas ist in den beiden Ländern auf vielfältige Weise präsent: mit Landwirtschaftsprojekten, dem Bau von Brunnen, der Förderung von Frauengruppen und Ernährungsprogrammen für Mütter und Kleinkinder, wie Julia Stabentheiner, Bereichsleiterin der Caritas-Auslandshilfe, erläuterte.
Kleinbäuerinnen und Kleinbauern würden spielen für die Lebensmittelversorgung in Afrika eine wesentliche Rolle spielen, so Stabentheiner. Trotzdem seien gerade sie besonders von Armut betroffen. Die Caritas helfe etwa in Mali beim Anbau unter immer schwierigeren klimatischen Bedingungen, bei der Verbesserung der Bodenfruchtbarkeit und der Lagerung der Ernteerträge, aber auch beim Zugang zu lokalen Märkten.
Seit 30 Jahren unterstütze die Caritas den Bau von Brunnen, "denn sauberes Trinkwasser ist eine der wichtigsten Zutaten für eine gesunde Ernährung". Derzeit würden in Dörfern in der Diözese Kayes (Mali) und Kaya (Burkina Faso) von der Caritas neue Brunnen mittels Tiefbohrung errichtet und bestehende Brunnen erneuert. "Wenn ein Brunnen fertig ist, ist das ein Fest für das ganze Dorf", so Stabentheiner.
Eine wesentliche Rolle im Kampf gegen den Hunger spielten die Frauen. In der Region Kaya in Burkina Fasogibt es für sie spezielle Caritas-Schulungen, um nachhaltige Methoden der landwirtschaftlichen Bodennutzung zu erlernen. So könnten die Frauen trotz der erschwerten Klimabedingungen ausreichend Lebensmittel produzieren. Die Frauen würden sich auch gegenseitig bei der Aufzucht von Hühnern oder Ziegen unterstützen. "Das bringt nicht nur Abwechslung auf den Tisch, sondern auch ein kleines Einkommen", so die Caritas-Expertin.
Aber immer noch habe etwa in Burkina Faso jedes fünfte Kind zu wenig zu essen. Caritas-Mitarbeiterinnen klären deshalb die Erwachsenen über wichtige Hygienemaßnahmen auf und informieren bei Koch-Workshops, wie man aus regional verfügbaren Zutaten nahrhafte Speisen zubereitet. Schwer unterernährte Kinder werden in einem speziellen Ernährungszentrum der Caritas versorgt.
Dem eigenen Gewissen gefolgt
Caritasdirektor Schärmer geht in zwei Monaten in Pension. Im Rahmen der Pressekonferenz blickt er nochmals bewegt auf seine Zeit im Einsatz gegen den Hunger zurück: "Einige von Ihnen wissen, dass ich meinen ersten Arbeitstag als Caritasdirektor vor 23 Jahren in einem an diesem Tag notdürftig errichteten Flüchtlingslager in Westafrika verbracht habe."
Die Dramatik, die er dabei erleben musste, habe sich tief in seine Erinnerung eingegraben: "Verzweifelte Eltern, überforderte Helfer, das Fehlen von Allernötigstem. Vor meinen Augen haben kleine Babys ihren letzten Atem ausgehaucht. Verzweiflung, Angst, Hunger und Durst - unmittelbar, schmerzhaft und grausam." Spontan habe er eine große Summe zum Einkauf von Lebensmitteln zugesagt, die von der lokalen Caritas auch bald aufgetrieben werden konnten. Er habe freilich gewusst, dass er damit einige Prinzipien über Bord geworfen hatte "und dass die Mittel dafür erst erbettelt werden mussten". Doch sein Gewissen habe ihm keine andere Wahl gelassen.
Und er hatte großes Vertrauen darauf, "dass die Hilfsbereitschaft in meiner Heimat großgeschrieben wird". Viele Hilfsprojekte konnten seither verwirklicht werden, so Schärmer. Das verdanke man zum größten Teil treuen Spenderinnen und Spendern. Er bitte aus tiefstem Herzen weiterhin "um Tiroler Hilfe beim Weiterbau einer besseren und gerechteren Welt", so der scheidende Caritasdirektor.
Caritas-Spendenkonto: IBAN AT79 3600 0000 0067 0950, Kennwort: Sommersammlung Online-Spenden: www.caritas-tirol.at
Quelle: kathpress