Schulbrüder "erleichtert" über Urteil im Raubüberfall-Prozess
Erleichtert über das Urteil gegen einen Mann, der Ende 2018 einen brutalen Raubüberfall auf die von den Schulbrüdern betriebene Kirche Maria Immaculata in Wien-Strebersdorf verübt hat, haben sich Vertreter der betroffenen Ordensgemeinschaft geäußert. Auch wenn das Verfahren noch nicht ganz abgeschlossen ist - das Urteil ist noch nicht rechtskräftig, da der Verurteilte um Bedenkzeit bat - sei man "froh, dass es vorbei ist", erklärte Bruder Peter Wiehart, Leiter des Sektors Austria der Schulbrüder, am Dienstag auf Anfrage von Kathpress.
Am Montag war in der Causa der beschuldigte 49-jährige Kroate im Wiener Landesgericht für Strafsachen wegen schweren Raubes, Freiheitsentziehung und schwerer Nötigung von einem Schöffensenat zu zwölf Jahren Freiheitsstrafe verurteilt worden. Der Verurteilte sei "im Wesentlichen tatsachengeständig" gewesen, teilte ein Sprecher des Gerichts mit. Dies hätten die Schöffen mildernd angesehen. Erschwerend kam hingegen hinzu, dass der Mann bereits vor zwei Jahrzehnten in Deutschland wegen einer Geiselnahme mit schwerem Raub und Körperverletzung sieben Jahre Haft ausgefasst hatte.
Bei dem Überfall auf die zur De-La-Salle-Schule gehörenden Gebäude waren fünf Geistliche brutal durch Tritte und Schläge mit einer Eisenstange zu Boden gebracht und in einem angrenzenden Büroraum weiter misshandelt worden. Alle Opfer wurden gefesselt und geknebelt und fünf Schulbrüder schwer verletzt, wobei sich einer von ihnen sogar über Monate in Lebensgefahr befand. Wie Bruder Wiehart erklärte, gebe es bei den Opfern keine bleibenden Schäden. Nach dem Überfall wurden verstärkte Sicherheitsvorkehrungen in der Kirche - darunter eine Glaswand im Eingangsbereich - eingerichtet.
Der Täter hatte bei seinem Überfall eine Waffe, Bargeld, ein iPad, eine Kamera und Festplatten erbeutet. Er wurde erst nach langen Ermittlungen, die auch die ZDF-Sendung "Aktenzeichen XY", beschäftigte, infolge einer DNA-Spur in Kroatien von Fahndern festgenommen und Anfang Juni an die österreichische Justiz ausgeliefert. Bei seiner Einvernahme gab er an, aus "Hass auf die katholische Kirche" gehandelt zu haben. Er habe einen angeblichen Missbrauchsfall bei den Schulbrüdern aufdecken wollen, der vor einigen Jahren für Schlagzeilen gesorgt habe. Einen persönlichen Bezug zu den Wiener Schulbrüdern habe er nicht.
Die Kongregation der Schulbrüder wurde 1680 vom hl. Johannes Baptist de La Salle gegründet und ist seit 1857 in Österreich aktiv. In den 1990er-Jahren wurden die Schulstandorte im internationalen Netzwerk der "De-La-Salle-Schulen" miteinander verbunden. In Wien-Strebersdorf (21. Bezirk) betreiben die Schulbrüder einen Kindergarten, eine Volksschule, eine Kooperative Mittelschule, ein Gymnasium und ein Gästehaus, zudem befand sich bis 2018 hier auch das Provinzialat für Zentraleuropa, das dann ins rumänische Pildesti verlegt wurde. Weitere heimische Niederlassungen und Schulen sind im 15. und 18. Wiener Gemeindebezirk, sowie im steirischen Laubegg.
Quelle: Kathpress