
Pastoralamtsleiter: In Kirche entstehen neue Berufsprofile
Der Priester- bzw. "Fachkräftemangel" in der Kirche ist eine Realität, der man sich stellen muss und dem man auch mit neuen Berufsprofilen zu begegnen sucht. Das hat der Feldkircher Pastoralamtsleiter Martin Fenkart am Samstag gegenüber dem ORF-Vorarlberg betont. "Wir haben derzeit 90 Priester unter 75 Jahren in Vorarlberg und wir wissen, dass wir aus heutiger Sicht in zehn Jahren nur mehr 60 Priester im Einsatz haben werden. Das ist doch eine massive Reduktion, die da stattfindet", so Fenkart. Der "Fachkräftemangel" betreffe freilich nicht nur Priester, sondern auch engagierte Laien. Ein Blick auf die theologischen Fakultäten zeige nämlich, dass es um den Nachwuchs bei den Laien nicht viel besser bestellt sei.
Laut Fenkart stehe der Kirche eine große Veränderung bevor. Er wolle jedoch positiv denken: "Auf der einen Seite kann man sagen: Der Priestermangel ist schmerzhaft. Auf der anderen Seite könnte man mit Churchill sagen: Diese Krise sollte man nicht einfach verstreichen lassen, sondern nutzen, um die Zukunft der Kirche positiv zu gestalten." Es hätten sich für Männer wie Frauen neue Berufsprofile entwickelt. Laien würden vielfältigste Aufgaben im administrativen wie seelsorglichen Bereich übernehmen, von der Gemeindeleitung bis zur Pastoralorganisationsleitung. "Hier entsteht eine vielfältige neue und bunte Kirche", so der Pastoralamtsleiter.
Rund 3.000 Kirchenaustritte pro Jahr
Jedes Jahr treten in Vorarlberg rund 3.000 Menschen aus der Katholischen Kirche aus. Fenkart: "Jeder Kirchenaustritt ist schmerzlich und der Trend der letzten Jahre führt sich leider fort." Vielfach sei der Anlass zum Ausstieg der Kirchenbeitrag. Der eigentliche Grund liege aber darin, "dass bei vielen Menschen ist einfach kein innerer Bezug zur Organisation da und dann ist nicht klar, wofür soll ich denn eigentlich bezahlen, wenn ich keinen Mehrwert sehe".
Über ein Drittel jener, die aus der Kirche austreten, sind junge Menschen unter 30 Jahren. Laut Fenkart macht das deutlich, dass eine große gesellschaftliche Veränderung passiert, hin zu einem Individualismus, einer freien Religionswahl, aber auch dahin, dass sich jeder selber aussucht, wie er eigentlich Religion leben möchte.
Quelle: Kathpress In diesem Zusammenhang wollte der Pastoralamtsleiter auch die jüngste kontrovers diskutierte Aktion des Dornbirner Pfarrers und früheren Jugendseelsorger Dominik Toplek (50) interpretieren, der sich sein persönliches Glaubensbekenntnis öffentlichkeitswirksam auf den Rücken tätowieren ließ. Dieser wolle damit verstärkt mit Menschen, vor allem jungen, ins Gespräch kommen.
Quelle: Kathpress