
Theologe und Fotograf Josef Mann publiziert Bildband über Tibet
Der niederösterreichische Religionswissenschaftler, Historiker und Kunstfotograf Josef Mann beweist mit einem im Eigenverlag publizierten Bildband Vielseitigkeit: Unter dem Titel "Tibet. Der Welt abhanden gekommen" präsentiert der weitgereiste frühere Mitarbeiter der Wiener "Kontakstelle Weltreligionen", der auch ein Kunstfotografie-Diplom erwarb, eindrückliche "Bilder und Geschichten aus vier Jahrzehnten" über das Dach der Welt. Für sein Tibet-Projekt bereiste Mann seit den 1980er Jahren die Himalaya-Länder und die Autonome Region Tibet zu Fuß, per Pferd, Fahrrad oder motorisiert. Er durchforstete Nachlässe, befragte Zeitzeugen, studierte einschlägige Literatur.
Mitte der 1980er-Jahre brach Mann erstmals nach Tibet auf, als die Region noch nicht von Asphaltbändern durchzogen war, so der Autor gegenüber Kathpress. Das dort erlebte "verwirrend Fremdartige" ließen ihn nicht mehr los. Mitte der 1990er-Jahre radelte er auf einem Mountainbike über den Himalaya-Hauptkamm, mehr als einmal reihte er sich ein in die Pilgerschar um den heiligen Berg Kailash. Mann besuchte die Mysterienspiele der Klöster, die Blutopfer der Ackerbauern, die Pferdefeste der stolzen, freien Hirtennomaden in den Grasländern Osttibets. Er war in verdeckter Recherche unterwegs und fotografierte die letzten Spuren der "barbarischen" Kulturrevolution Chinas.
Manns Expeditionen haben auch Österreich-Bezüge: Er folgte den Spuren des Kärntners Heinrich Harrer und des Tirolers Peter Aufschnaiter, die nach ihrer Flucht aus britischer Kriegsgefangenschaft und 2.000 Kilometern Fußmarsch im Jahr 1946 freundliche Aufnahme in Lhasa fanden. Und er nahm die Einladung an, als Fotograf an der "Ersten Österreichischen Frauenexpedition" teilzunehmen, die 1994 den Shisha Pangma bestieg, den einzigen Achttausender auf chinesischem - eigentlich tibetischem - Territorium.
Entzauberte Tibet-Klischees
Der 1948 geborene Abenteurer und immer wieder auch wissenschaftlich arbeitende Religionsforscher recherchierte für sein Tibet-Buch auch die Geschichte vor 1959, dem Jahr der Flucht und Vertreibung des "Gott-Königs". Der Dalai Lama steht für strikte Gewaltfreiheit und ist gerade auch im Westen hochgeachtet. In seinen Texten enthüllt Josef Mann aber jenseits aller Klischees ein überraschendes Bild eines feudalen Gottesstaates mit drakonischen Strafen, mit Hohen Lamas einerseits und Leibeigenen andererseits und zeigt auf, "was Tibet nie war - das gewaltlose, tolerante, friedliebende und glückliche Shangri-La hinter dem Horizont". Mit seiner neuen Publikation legt Mann bislang unveröffentlichtes Material vor, "eine Bestandsaufnahme des Verschwundenen und Verlorenen", wie er Kathpress sagte.
Von Josef Mann erschienen u.a. die Publikationen "Nie wieder Jerusalem?" (2011) über seine Erfahrungen als "Friedensradler" ins Heilige Land und der kritisch-kreative Kunstfotoband "Die schöne neue Welt" (2016). Sein jüngster Band "Tibet. Der Welt abhanden gekommen" umfasst 292 Seiten mit 347 Farbbildern und einer Landkarte. Zu bestellen ist das Buch zum Preis von 33,50 Euro auf der Website www.mannundskript.com.
Quelle: kathpress