
Wien: St. Nikolausstiftung fordert Gratis-Kindergarten für alle
"Im Sinne des Rechtes des Kindes auf Bildung muss ein kostenfreier Besuch einer elementarpädagogischen Einrichtung das klare Ziel sein": Diesen Appell hat die kirchliche St. Nikolausstiftung, einer der größten privaten Träger von Kindergärten und Horten in der Bundeshauptstadt, am Donnerstag an die Politik gerichtet. Anlass für die Aussendung der Einrichtung der Erzdiözese Wien war der Tag der Kinderrechte am 20. November. Der Kindergarten als "erste und prägende Bildungsinstitution" müsse aufgewertet werden. Dafür fehle es aber an entsprechenden Rahmenbedingungen, erinnerte die St. Nikolausstiftung an die Demonstration von 5.000 Elementarpädagoginnen, Assistentinnen und "bildungspolitisch aktiven Menschen" am 12. Oktober 2021 in Wien.
Beanstandet wird konkret die finanzielle Ungleichbehandlung: Wie jede private Trägerorganisation sei die kirchliche Stiftung darauf angewiesen, einen zusätzlichen Elternbeitrag einzuheben, um den Betrieb gewährleisten zu können. Rund 70 Prozent der Kinder bis zehn Jahre gingen in Wien in einen privaten Kindergarten oder Hort; beitragsfrei sei der Kindergartenbesuch aber nur für rund 30 Prozent der Kinder, die eine Einrichtung der Stadt Wien besuchen. "Und der Blick auf die anderen Bundesländer zeigt auch kein besseres oder gar einheitliches Bild", heißt es in der Aussendung.
Die bevorstehenden 15a-Verhandlungen zwischen Bund und Ländern sollen laut der St. Nikolausstiftung Weichenstellungen in Richtung Gratis-Kindergarten erfolgen. Dies müsse aber von allen Verantwortlichen in den Bundesländern gemeinsam erfolgen und mit Nachdruck verfolgt werden. Gefordert sei die Erhöhung des Budgets für elementare Bildung auf mindestens 1 Prozent vom Bruttoinlandsprodukt. Vorbild müssten die skandinavischen "Vorzeigeländer" Schweden und Norwegen sein, die sogar 2 Prozent vom BIP für elementare Bildung ausgäben. "Wir appellieren hier an Bund und Länder, damit sich die Rahmenbedingungen für die Elementarpädagogik für alle zum Positiven ändern", so die St. Nikolausstiftung.
Laut Statistik Austria haben 2020/21 österreichweit 373.881 Kinder einen Kindergarten, eine Kleinkindergruppe oder einen Hort besucht. "2020 hat uns auch die Corona-Pandemie mit voller Wucht erwischt und aufgezeigt, wie wichtig verlässliche außerfamiliäre Bildungs- und Betreuungseinrichtungen für das Kindeswohl sind", wies die St. Nikolausstiftung hin. Wie für die zuletzt medial im Mittelpunkt stehenden Pflegekräfte würden aber auch für die Mitarbeitenden in der Elementarpädagogik die Rahmenbedingungen nicht passen. Die Trägerorganisationen "KIWI - Kinder in Wien" und die St. Nikolausstiftung hätten gemeinsam 175 Standorte in Wien und betreuten mehr als 14.000 Kinder unter zehn Jahren in Kindergärten und Horten. Zum Tag der Kinderrechte seien die politisch Verantwortlichen auf Landes- wie auf Bundesebene aufgefordert, "den Fokus auf ein gesundes, faires und entwicklungsförderliches Aufwachsen eines jeden Kindes in Österreich zu legen".
Grundstein für das weitere Leben
Nie lernt ein Mensch so viel wie in den ersten Lebensjahren, unterstrich die St. Nikolausstiftung die hohe Bedeutung der Elementarpädagogik. Der Kindergarten spiele dabei nachweislich eine zentrale Rolle. Höhere Investitionen würden sich auszahlen, weil die Kinder hier in allen Entwicklungsbereichen gestärkt werden: motorisch, sprachlich, kognitiv und sozial-emotional. Der Kindergartenalltag sei "geprägt von Gemeinschaft, Konflikten, emotionalem Stress, Gefühlen wie Freude, Wut, Angst, Traurigkeit und vielem mehr", so die kirchlichen Fachleute. Kinder darin zu begleiten, erfordere sehr viel Fachwissen, Empathie, Geduld und vor allem Zeit, "damit jedes Kind, unabhängig von seinen Bedürfnissen, seiner Herkunft, des sozialen Umfelds, des Geschlechts, gesundheitlicher Beeinträchtigungen faire und entwicklungsförderliche Bedingungen vorfindet". Um diese hohen Anforderungen zu erfüllen, brauche die Bildungsinstitution Kindergarten mehr Ressourcen.
Viele Entscheidungen während der Pandemie "wurden - und werden immer noch - ohne Rücksicht auf Bedürfnisse von Kindern entschieden", kritisierte die St. Nikolausstiftung. Umso nötiger sei die Forderung an die Politik, das Wohl der Kinder an die erste Stelle zu setzen und mehr Augenmerk auf Kinderrechte zu richten.
Quelle: kathpress