
Grenzüberschreitende Caritas-Initiative für neue Formen von Arbeit
Mit einer grenzüberschreitenden Initiative machen sich jetzt fünf Caritas-Organisationen aus Kärnten, der Steiermark und Slowenien für neue Formen der Beschäftigung stark. Das am Montag bei einer Pressekonferenz in Klagenfurt präsentierte Interreg-Projekt "Involved" soll "Menschen, deren Leben durch lange Arbeitslosigkeit und schwierige Lebensumstände geprägt ist, in die Mitte der Gesellschaft holen". Wie dies gelingen kann, sei bereits mit mehreren Pilotprojekten und Workshops mit Teilnehmenden aus Politik, Wirtschaft, Kultur, NGOs und Zivilgesellschaft erarbeitet worden. Zusätzlich erhob eine wissenschaftliche Untersuchung den Bedarf Betroffener, um Menschen am Rande der Erwerbsgesellschaft bestmöglich zu erreichen und zu ermutigen.
Finanziert wird "Involved" vom EU-Förderprogramm Interreg, das europäische Zusammenarbeit fördert. Dabei wurden für häufig "übersehene" Menschen wie von Obdachlosigkeit Bedrohte, psychisch und Suchterkrankte sowie für Frauen, die unter Gewalt leiden, Pilotprojekte entwickelt und in der jeweiligen Region umgesetzt. Insgesamt 81 Frauen und Männern konnte so laut Caritas-Aussendung wieder eine Perspektive gegeben werden.
Individueller Mix aus Tätigkeiten
Der Kärntner Caritasdirektor Ernst Sandriesser äußerte die Überzeugung, "dass Menschen arbeiten wollen und, wenn ihnen richtig geholfen wird, auch arbeiten können". Wie das EU-geförderte Projekt gezeigt habe, brauche es dazu in Kärnten neben den herkömmlichen arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen auch völlig neue Formen und Möglichkeiten der Beschäftigung. Am zweiten Arbeitsmarkt bereits übliche Maßnahmen sind laut Sandriesser natürlich weiterhin wichtig und sinnvoll; allerdings ergänzt um neue Konzepte, die an die individuelle Situation angepasste und längerfristige Beschäftigung bieten. Dazu gehöre auch ein Mix aus Tätigkeiten wie Freiwilligen- und Gemeinwohlarbeit, Care-Arbeit und Subsistenz-Arbeit.
Die fünf Caritas-Organisationen in Österreich und Slowenien hätten im Erfahrungsaustausch, beim gemeinsamen Netzwerken und Tun viel voneinander gelernt und neues Know-how auch schon regional umgesetzt, so der Tenor bei der Pressekonferenz. Als Beispiel berichtete Petra Prattes, Vizedirektorin der Caritas Graz-Seckau, von der nach 28 Jahren wieder in den Arbeitsprozess eingestiegenen Andrea, die an einer psychischen Krankheit leidet. Heute nehme sie auch am gesellschaftlichen Leben wieder teil, hieß es über diese "Erfolgsgeschichte".
Auch Peter Tomai, Generalsekretär der Caritas Slowenien, erzählte von Erfolgen im Bemühen, Menschen aus der Isolation herauszuführen. Betroffene hätten es geschafft, ihre Zeit sinnvoll zu strukturieren, neue Fähigkeiten zu erwerben und durch ehrenamtliches Engagement ein soziales Netzwerk aufzubauen. Sein Kollege Boidar Braun von der Caritas Maribor ergänzte, es sei gelungen, sowohl die breite Öffentlichkeit als auch die relevanten Institutionen für die Probleme von Langzeitarbeitslosen zu sensibilisieren.
Sandra, die im lend.raum, einem Projekt der Caritas Kärnten, eine sinnvolle Beschäftigung fand, blickte auf ihre positive Entwicklung zurück: "Der lend.raum ist für mich ein Ort, wo man sein darf, wie man ist und sich nicht verstellen braucht." Die dortigen Betreuerinnen sorgten dafür, dass man sich wohlfühlt und auch von seinen Problemen erzählen kann, berichtete Sandra: "Auch wenn es mich anfangs überfordert hat, neue, unbekannte Leute zu treffen, war der lend.raum ein Grund für mich, morgens aufzustehen und einer sinnvollen Beschäftigung nachzugehen."
Quelle: kathpress