
Private Kindergartenträger: Elementarpädagogik neu aufstellen
Die einem "Fleckerlteppich" gleichende, unterfinanzierte Elementarpädagogik muss ganz neu aufgestellt werden. Das hat die St. Nikolausstiftung der Erzdiözese Wien namens zahlreicher weiterer privater Kindergartenträger gefordert. Österreichweit gebe es derzeit keine Mindestqualitätsstandards für Parameter wie Gruppengröße, Fachkraft-Kind-Schlüssel, Ausstattung, Kosten oder Inklusion. In einem offenen Brief an verantwortliche Regierungsmitglieder und Landeshauptleute fordern die Organisationen, das Budget für Elementarpädagogik von derzeit 0,6 Prozent auf mindestens 1 Prozent vom BIP anzuheben und "langfristig auf eine gute und solide finanzielle Basis" zu stellen.
Anlass für das am Freitag verbreitete Schreiben sind die 15a-Verhandlungen zwischen Bund und Ländern, die ab Jänner 2022 auch zu Schwerpunktsetzungen im Bereich elementarer Bildungseinrichtungen ab dem Kindergartenjahr 2022/23 führen sollen. "Jetzt ist die Chance da, dass der Blick auf das gesunde, sichere und bildungsgerechte Aufwachsen für alle Kinder in Österreich verstärkt und wegweisend gerichtet wird", lautete der Appell an die Politik.
Verfasst hat den offenen Brief die St. Nikolausstiftung im Namen von "Auftrag.Bildung". Dieser Trägerinitiative im Bereich Kinderbetreuung gehören u.a. die Caritas und die Diakonie an, das Hilfswerk, die Kinderfreunde, die Volkshilfe, "EduCare" und das "NeBÖ - Netzwerk elementare Bildung Österreich". Gute elementare Bildungseinrichtungen könnten einen wesentlichen Beitrag dazu leisten, damit alle Kinder in gleichwertigen Rahmenbedingungen entwicklungsförderlich begleitet werden, versichern die Organisationen.
Kleinere Gruppen, besserer Lohn
Was aus ihrer Sicht zu tun ist, listet die St. Nikolausstiftung der Politik in dem Brief in drei Punkten auf: Nötig seien ein "angemessener, auf Evidenz basierender Fachkraft-Kind-Schlüssel" und damit weniger Kinder in den Gruppen, weiters eine hohe Qualifikation des Personals mit "angemessener Entlohnung". Bundes- und Landespolitik mögen sich auf österreichweit geltende Mindeststandards einigen, "damit Kinder einen gelungenen Start in ihre Bildungslaufbahn erfahren und ElementarpädagogInnen ihr gesamtes Wissen und Können in der Praxis anwenden können".
Das sei umso dringender angesichts einer Pandemie, die vor allem Kinder und Jugendliche unter den Einschränkungen von Sozialkontakten leiden lasse.
Im Kindergartensetting brauche es Begleitung durch Kompetenz in Fachbereichen wie Inklusive Elementarpädagogik, Psychologie, Sozialarbeit, Ergotherapie, Logopädie etc.
"Jeder investierte Euro lohnt sich"
Die St. Nikolausstiftung berief sich bei diesen Forderungen auf den österreichischen Gemeindebund, der jüngst eine bedarfsgerechte Kinderbetreuung als "ein wesentliches Ziel" genannt hatte, weiters auf das in der UN-Kinderrechtskonvention festgehaltene "Recht auf Bildung" sowie auf internationale Studien, die Investitionen in eine gute frühkindliche Bildung als besonders nachhaltig belegten. "Jeder in frühkindliche Bildung investierte Euro lohnt sich! Je früher damit begonnen wird, desto besser."
Zur 1-Prozent-BIP-Forderung spricht der offene Brief den neuen Finanzminister Magnus Brunner direkt an: In Österreich hinke die frühkindliche Bildung im Vergleich mit anderen europäischen Ländern hinterher: "Hier sind Sie, Herr Bundesminister Brunner, für das Finanzressort gefordert, eine entsprechende Priorisierung der Budgetmittel vorzunehmen", hieß es wörtlich.
Die Kosten für den Kindergartenbesuch seien nicht nur von Bundesland zu Bundesland verschieden, "aufgrund einer Schieflage der Finanzierungssätze zugunsten öffentlicher Einrichtungen" gebe es auch eine Benachteiligung privater Betreiber. Deshalb die Forderung: "Im Sinne einer Chancengerechtigkeit muss das Ziel sein, dass jedes Kind Anspruch auf einen kostenlosen und qualitativ hochwertigen Kindergartenplatz hat." Der Kindergarten müsse ein "inklusiver Ort" sein, wo Kinder unabhängig von Behinderungen, Geschlecht, Entwicklung, Religion oder sozialen und sozio-ökonomischen Bedingungen bestmögliche Bedingungen vorfinden.
Quelle: kathpress