
Schönborn: Religionen müssen sich als Geschwister "zusammenraufen"
Die Religionen müssen sich als Geschwister "zusammenraufen". Davon zeigt sich Kardinal Christoph Schönborn in seinem Freitagskommentar in der Zeitung "Heute" überzeugt. Er erinnert an das "Dokument über die Brüderlichkeit aller Menschen", das vor genau drei Jahren von Papst Franziskus und dem ägyptischen Großimam Ahmad al-Tayyeb in den Vereinigten Arabischen Emiraten unterzeichnet wurde.
Es sei eine denkwürdige Begegnung in Abu Dhabi gewesen, so Schönborn: "Christentum und Islam, zwei ihrer höchsten Vertreter, unterzeichnen eine gemeinsame Erklärung. Die Grundidee: Alle Menschen sind Geschwister. Wir gehören zur einen großen Menschheitsfamilie. Nur wenn wir einander als Geschwister begegnen, kann es gelingen: statt Terror und Krieg gegenseitige Achtung und Gespräch. Miteinander statt gegeneinander. Das Gemeinsame der Religionen, nicht das Trennende!"
Die UNO habe das Ereignis bzw. die Botschaft von Abu Dhabi für so wichtig gehalten, dass sie mit einem eigenen Gedenktag daran erinnert, dem "Welttag der Geschwisterlichkeit". Freilich: "Wer selber Geschwister hat, weiß: Kaum eine Familie kommt ganz ohne Konflikte aus. Familienstreit kann sehr bitter werden. Was Wunder, dass es in der Menschheitsfamilie immer wieder kracht." Papst und Großimam seien aber nicht blauäugig, sondern überzeugt, so Schönborn: "Weil wir eine Menschheitsfamilie sind, müssen wir uns zusammenraufen. Es ist lebenswichtig für alle. Denn trotz allem: Geschwister bleiben Geschwister!"
Das von Papst Franziskus und Großimam al-Tayyeb am 4. Februar 2019 unterzeichnete Abu-Dhabi-"Document on Human Fraternity" gilt als Meilenstein im interreligiösen Dialog. Franziskus und al-Tayyeb erteilen darin jeglicher Gewalt im Namen von Religion eine Absage und fordern von den Gläubigen ihrer Glaubensgemeinschaften den Einsatz für Grundrechte und die Bewahrung der Schöpfung. Für beide Religionsführer war das Dokument ein Wagnis. Weswegen es bis wenige Minuten vor der Unterzeichnung geheim gehalten worden war. Franziskus ließ die Entwürfe an der vatikanischen Kurie vorbei erstellen. Al-Tayyeb, der im sunnitischen Islam eine deutlich schwächere Stellung hat als der römische Papst, musste sowieso vorsichtiger auftreten.
Quelle: kathpress