
Studientag beleuchtete "Kontinuitäten und Umbrüche im Archivwesen"
Mit dem Thema "Kontinuität und Umbrüche im Archivwesen" befasste sich ein Online-Studientag. Rund 70 Teilnehmerinnen und Teilnehmer folgten den Ausführungen der Expertinnen und Experten online. Vorträge gab es u.a. zu der Frage, wie die Corona-Pandemie in Chroniken festgehalten werden kann, oder zur neuen kirchlichen Archivordnung.
Veranstalter waren die Fachgruppe der Archive der anerkannten Kirchen und Religionsgemeinschaften im Verband Österreichischer Archivarinnen und Archivare (VÖA), der Bereich Kultur und Dokumentation der Österreichischen Ordenskonferenz, die ARGE der Diözesanarchive Österreichs und das Archiv der Erzdiözese Salzburg.
P. Alkuin Schachenmayr aus der Erzabtei St. Peter betonte in seinem Vortrag die wichtige Rolle von Archivarinnen und Archivare als Chronisten, außerdem blickte er auf die aktuelle Corona-Pandemie und dabei entstehende Herausforderungen für Chronisten. Insbesondere Klosterchroniken waren oft die Hauptquelle für die weltliche und kirchliche Geschichtsschreibung, so Schachenmayr. Immer mehr Aufmerksamkeit der Forschung erlangen diesbezüglich die Chroniken der Frauenorden, die aus dem altbekannten Muster ausbrachen: "Lange galten Chroniken von Frauenorden als uninteressant, bis man plötzlich feststellte, dass hier ein sehr detailreicher und größerer Einblick in verschiedene Dimensionen des Lebens geboten wurde", so der Kirchenhistoriker.
Es sei ein Trugschluss zu glauben, dass in der digitalen Welt alles besser dokumentiert sei als noch vor 50 Jahren. Ganz im Gegenteil, man habe es mit einem Schwund an Dokumentation zu tun, denn Digitales werde aktuell in Archiven noch schlecht erfasst, so Schachenmayr. Hier brauche es noch einige Jahre an Forschung und Praxiserfahrung, erklärte der Experte. Sein Appell lautete daher: "Eher Weggehen von digitalen Objekten zur Archivierung der Klosterchronik und stattdessen lieber zum altmodischen Objekt in Form eines gebundenen Buches zurückgreifen."
Eine Pandemie in Chroniken festhalten
Mit Blick auf das "annus horribilis 2020" empfehle Schachenmayr ein Interview mit jemandem aus der Gemeinschaft zu machen und zu fragen: "Was macht Dir Sorgen? Was frustriert Dich? Was enttäuscht Dich? Was geht Dir seit März 2020 am meisten ab? Was ist Deine erste Erinnerung an den Anfang der Pandemie? Was gibt Kraft und Erholung und Perspektive während der Pandemie?" Das Interview könne etwa mit Zeitungsausschnitten, Todesanzeigen u.a. ergänzt werden.
Christine Gigler vom Archiv der Erzdiözese Salzburg stellte in ihrem Vortrag die neue kirchliche Archivordnung für Österreich (KAO-Ö) vor - "eine zeitgemäße rechtliche Grundlage zur Erfüllung der vielfältigen Aufgaben". Sie ersetzt die bisher geltende "Ordnung zur Sicherung und Nutzung der Archive der Katholischen Kirche in Österreich" aus dem Jahr 1997/98.
Neue kirchliche Archivordnung
2014 fand eine Novellierung der Kirchlichen Archivordnung in Deutschland statt.
An diese Novellierung aus Deutschland und zusätzlich an den Landesarchivgesetzen orientierte sich die Arbeitsgruppe "Archivordnung NEU" in Österreich für die Erstellung der KAO-Ö. Nach mehreren Verzögerungen und mit Unterbrechung durch die Covid-19-Pandemie, trat am 1. Juni 2021 mit der Veröffentlichung im Amtsblatt der Österreichischen Bischofskonferenz die neue kirchliche Archivordnung Österreich in Kraft.
Am 1. Dezember 2006 wurde die Errichtung der Fachgruppe der Archive der anerkannten Kirchen und Religionsgemeinschaften in der Generalversammlung des Verbands Österreichischer Archivarinnen und Archivare (VÖA) beschlossen. Den Anlass hierzu bildete der gemeinsame Wunsch der beiden Arbeitsgemeinschaften Diözesan- und Ordensarchive nach einer verstärkten Kooperation und einer fachübergreifenden Diskussion einschlägiger archivwissenschaftlicher Themen.
(Info: http://www.voea.at)
Quelle: kathpress