
Linzer Caritas-Direktor fordert faireres Steuersystem
Zu einer Debatte über mehr Gerechtigkeit im Steuersystem hat der Linzer Caritas-Direktor Franz Kehrer aufgerufen. Wenn in Österreich laut einer aktuellen Nationalbank-Studie ein Prozent der Bevölkerung bis zu 50 Prozent des Gesamtvermögens besitzt, so sei die Forderung nach einem fairen Ausgleich in der Gesellschaft keine "Neiddebatte", wie oft betont werde. Vielmehr gehe es darum, "dass alle Menschen entsprechend ihren Kräften zu unserem Gemeinwesen beitragen". Dass dabei ein großes Vermögen "auch größere ökonomische Kraft" bedeute, liege auf der Hand, schrieb Kehrer in einem Gastkommentar in den "Oberösterreichischen Nachrichten" (Samstag). Anlass dazu gab der am Sonntag begangene Welttag der sozialen Gerechtigkeit.
Die Pandemie habe weltweit enorme "ökonomische und soziale Nebenwirkungen" gebracht und die Kluft zwischen Arm und Reich noch verstärkt, betonte Kehrer: "In den letzten beiden Jahren haben sich so viele Menschen wie noch nie mit der Bitte um Unterstützung an uns gewandt. In vielen Gesprächen hören wir zusätzlich, dass es schwerfällt, an soziale Gerechtigkeit und Fairness zu glauben." Mutige und nachhaltige Ansätze für mehr soziale Gerechtigkeit seien österreich- wie weltweit "längst überfällig".
Als einen solchen Ansatz bezeichnete der Caritas-Direktor den Vorstoß von 100 Millionären verschiedener Länder, die sich im Jänner bereits zum dritten Mal in Folge mit der Forderung "Besteuert uns!" an die Öffentlichkeit gewandt hatten. Die Welt habe in den vergangenen zwei Jahren großes Leid erfahren, während die Reichsten noch reicher geworden seien und wenige von ihnen angemessene Steuern bezahlt hätten, hieß es in dem Schreiben.
Kehrer stellte in den Raum: "Lassen wir den Ruf von Millionären, die einen gerechten Beitrag zu unserer Gemeinschaft leisten wollen, wieder verhallen? Ignorieren wir weiterhin die Tatsache, dass hohe Vermögen über Firmenkonstruktionen in Steueroasen gebracht und in vielen Ländern - wie auch Österreich - generell kaum besteuert werden?"
Von einer "Solidargemeinschaft mit einem gut ausgebauten und treffsicheren Sozialsystem" würden alle profitieren, "auch vermögende Menschen - sei es durch Bildungseinrichtungen, Familienleistungen, Pensionen, Pflege- oder Gesundheitsleistungen", hob der Caritas-Direktor hervor. Ziel müsse jene Form der sozialen Gerechtigkeit sein, "die allen Menschen die Chance auf ein gutes und menschenwürdiges Leben eröffnet und damit auch den gesellschaftlichen Zusammenhalt stärkt".
Quelle: kathpress