
Frauenpower im Leitungsteam der Katholischen Aktion Österreich
Die Katholische Aktion Österreich (KAÖ) setzt auf Frauenpower: Bei der jüngsten Wahl des Präsidiums der KAÖ im vergangenen September wurden Brigitte Knell und Katharina Renner zu Vizepräsidentinnen gewählt. In der "radio klassik stephansdom"-Sendereihe "Perspektiven" kamen die beiden unlängst ausführlich zu Wort. Renner ist es demnach wichtig, die KAÖ wieder als Partnerin relevanter und synodal strukturiert als das "weltliche Gesicht der Kirche" sichtbar zu machen. Es gelte, Meinungen "aus dem ganzen gesellschaftlichen Spektrum", verbunden im Glauben, einzubeziehen und die Gesellschaft mitzugestalten. Die Hauptaufgaben der KAÖ sieht Knell in der Pflege des Netzwerks und im Schaffen einer Atmosphäre, wo all diese Initiativen und Menschen über strukturelle Grenzen hinaus vorkommen.
Der Vorschlag zur Kandidatur für das Leitungsteam hat beide überrascht. Bei einem Treffen mit der ehemaligen KA-Präsidentin Luitgard Derschmidt bekam Knell ein Gespür dafür, was auf sie zukommt. "Dann habe ich mir gedacht: Okay, wenn die Menschen mutig genug sind, mich zu wählen, dann stelle ich mich zur Wahl." Für Renner sei etwa ausschlaggebend gewesen, dass es Menschen gibt, die das Gefühl haben, "wir können da was bewegen".
Zwischen Beheimatung und Diskriminierung
Zur Beheimatung in der katholischen Kirche sagte Renner: "In meiner Pfarrgemeinde fühle ich mich sehr gut." Je weiter hinauf die Ebenen gehen, desto mehr werde man akzeptiert, anerkannt, respektiert, "aber man ist trotzdem immer ein bisschen das andere". Seit sich Knell mehr engagiert, falle ihr "so richtig auf, wie viele Menschen vor mir Jahrzehnte, fast Jahrhunderte lang um ein Ende der Diskriminierung gekämpft haben. Das hat mich zutiefst erschüttert. Ich merke jetzt schon, weil ich besser genau hinschaue, wo sie denn überall passiert." Begründungen wie, das sei "geschichtlich gewachsen" oder theologisch begründet, verstehe sie immer weniger.
Knells Wunsch wäre ein "priesterliches Wirken, das nicht ans Geschlecht gebunden ist". Denn sie verstehe nicht, warum etwa Menschen, die in der Krankenhausseelsorge arbeiten und dort großartige Arbeit leisten, beim Sakrament zurücktreten müssen. Dafür tritt sie in ihrer Pfarrgemeinde seit Februar 2019 mit einem gemischtgeschlechtlichem "Maria 2.0"-Team ein. "Unser damaliger Pfarrer war ein Gründungsmitglied der Pfarrerinitiative, der hat das sogar gefördert", erzählte sie. Er habe auf das Engagement der Frauen gewartet. Die aus Münster stammende Initiative hat inzwischen Unterstützende in ganz Deutschland, der Schweiz und Österreich.
Auch für Renner braucht es eine "viel grundsätzlichere Diskussion" innerhalb der katholischen Kirche darüber, was die Christus-Repräsentanz ist, über die Tätigkeiten als Priester und über deren Koppelung mit der Leitungsfunktion. Den Glauben mit Leben zu füllen, "einfach, weil ich gläubig bin", sei für sie das Laienapostolat. Die katholische Soziallehre ist für sie "sehr relevant". Die Begriffe Subsidiarität, Personalität, Solidarität seien zwar "relativ unbekannt, aber gelten noch".
Den Glauben weitertragen
Als wichtig erachtet Knell zudem, den Glauben in der eigenen Familie weiterzutragen und darüber zu diskutieren - sei es mit den eigenen Kindern oder ihrem Mann, der sich selbst als Atheist bezeichne. So werde für sie der gesellschaftlich erlebbare "Widerstreit" und die Diskussion, ob Fragen nicht auch ohne Gott zu beantworten seien, auch zu Hause erlebbar. Bis jetzt habe es noch keine Kirchenkrise, keine furchtbare Geschichte geschafft, Brigitte Knell von "diesem Gott loszulösen". Für Renner ist es vor allem "die Rückbindung an etwas Großes", das durch die Geschichte wirkt und sie trägt. In der Gemeinschaft, in der Pfarre, der Familie, den Gruppierungen, die gemeinsam unterwegs sind, sehe sie "Gott verwirklicht".
Gemeinsam ist den Vizepräsidentinnen, dass sie im katholischen Umfeld aufgewachsen sind. Katharina Renner, in Wien lebende Pastoraltheologin und Soziologin aus Niederösterreich und Oberösterreich, sieht sich als "sehr traditionell geprägt". Diskussionen über den eigenen Glauben habe sie "als sehr zwanglos und eigentlich nur als Bereicherung erfahren", erzählte sie. Die Breite des Theologiestudiums hat sie mit Soziologie ergänzt. In ihrem Beruf als Regionalbetreuerin in der Pfarr-Caritas beschreibt sich die vierfache Mutter als "eine Zuarbeiterin für ehrenamtlich Engagierte".
Brigitte Knell stammt aus dem Mostviertel und lebt in Wien. Geprägt habe sie zwischen neun und 14 Jahren eine moderne junge Religionslehrerin. In Wien habe sie sich von der katholischen Hochschulgemeinde, über Orden "alles Mögliche angeschaut", sich aber nie wo "dauerhaft eingeklinkt", betonte die verheiratete Mutter dreier erwachsener Kinder. In ihrer Pfarre ist sie "ehrenamtlich sehr, sehr engagiert. Alles das, was man als Ehrenamtliche und als Frau tun darf". (Weitere Infos zur Katholischen Aktion und ihren Aktivitäten unter: www.kaoe.at)
Quelle: kathpress