
Diözese Linz will mit Baumaßnahmen "Kirche im Dorf erhalten"
"Die Kirche im Dorf erhalten": Das ist das Ziel der Bautätigkeit der Diözese Linz, über die sie jetzt mit einer neuen Broschüre informiert. In "Blickpunkt 2021" wird ein Einblick in die insgesamt 900 pfarrliche "Bauprojekte der Diözese Linz 2017-2021" gegeben, wie die Diözese am Montag bei einem Pressegespräch bekanntgab. Der Schwerpunkt lag dabei auf nachhaltigem Bauen und Renovieren mit Blick auf architektonische Qualität und künstlerische Gestaltung und umfasste auch zeitgenössische Kunstprojekte. Nähere Auskünfte erteilten Finanzdirektor Reinhold Prinz, Kunstreferent und Diözesankonservator Hubert Nitsch sowie die Architektin Gerhild Eva Schremmer.
Der Erhalt und die Neugestaltung von kirchlichen Räumen wie Kirchen und Kapellen, Pfarrhöfe und -heime, Kindergärten, Aufbahrungshallen und andere Gebäude und Objekte hätten zahlreiche positive Auswirkungen, so Ökonom Prinz: Er verwies auf die Impulse für das Pfarr- und Gemeindeleben, auf regionale Wertschöpfung und auch auf Gestaltungsfelder für Kunstschaffende und Architekten. Knapp 92 Millionen Euro gab die Diözese Linz in den vergangenen fünf Jahren für Bauprojekte aus; sogar 236 Millionen waren es im letzten Jahrzehnt. Nachhaltige Energie wird dabei immer wichtiger: 113 Photovoltaik-Anlagen sind laut Prinz in Betrieb, 15 weitere sind in Planung.
Kirchliche Räume müssten nicht nur erhalten und renoviert, sondern immer wieder den sich wandelnden Bedürfnissen angepasst werden. Der kirchliche Auftrag laute, nah bei den Menschen zu sein. "Deshalb hat kirchliches Bauen letztendlich das Ziel, Räume zu schaffen, die Begegnung ermöglichen", erklärte der Finanzdirektor. Dies erfolge in enger Abstimmung mit dem Bundesdenkmalamt und den diözesanen Partnern. Großes Augenmerk werde auf die "konsequente Einladung zeitgenössischer Künstlerinnen und Künstler zur Gestaltung von Altarräumen und sakralen Gegenständen" gelegt.
Altes neu nutzen
Eine Auswahl von 85 kirchlichen Bauprojekten in Oberösterreich sind in der soeben erschienenen Broschüre zusammengefasst. Sie zeigen die reiche Vielfalt der Bautätigkeit von der Neueindeckung des Turmhelms im Linzer Mariendom über die Trockenlegung von Mauern und die Fassadenfärbelung bis hin zur Restaurierung historischer Altäre. Besonders bemerkenswert sind die zeitgenössischen künstlerischen Gestaltungen im Kirchenraum, die Revitalisierung von Pfarrhöfen oder die "Raum in Raum"-Lösungen in Kirchen.
Finanzdirektor Prinz verwies auf neue Ideen, leerstehende Pfarrheime und Pfarrhöfe wieder zu nutzen oder notwendige Räume in andere kirchliche Gebäude zu integrieren. In der Pfarrkirche Haid bei Ansfelden sei zum Beispiel der Pfarrsaal in den Kirchenraum verlegt worden; in der Jugendkirche Grüner Anker in der Stadtpfarrkirche Urfahr seien die Kirchenbänke entfernt worden, um den Raum bedarfsgemäß nach den Wünschen von jungen Menschen auszurichten.
Hälfte der Kulturgüter Oberösterreichs
Nach den Worten von Kunstreferent Hubert Nitsch verwaltet die Diözese Linz etwa die Hälfte der Kulturgüter Oberösterreichs. Diese würden "im guten Sinne Identität stiften", was immer auch zeitgenössischer Bilder bedürfe, in denen die Aktualität von Kirche und Religion auch für das heutige Leben sichtbar ist. Nitsch äußerte sich stolz über die enge Zusammenarbeit mit Künstlerinnen und Künstlern in den letzten 20 Jahren, die eine große Bandbreite von zeitgenössischen Kunstwerken in den Sakralräumen hervorgebracht habe. Es wurden Glasfenster, Glockengestaltungen, Orgelprospekte, Altäre, Gedenkorte u.a. geschaffen.
Gerhild Eva Schremmer von "Architektinnen Schremmer-Jell ZT GmBH" widmete sich der Frage, was Architektur dazu beitragen kann, "dass Räume entstehen, in denen Begegnung gelingen kann und die Spiritualität nicht durch reine Funktionalität von Räumen verloren geht". Grundlegend sei hier die städtebaulich gute Situierung, die Ausbildung von qualitätsvollen Ensembles mit umliegenden Gebäuden sowie die landschaftsräumliche Einbindung wie die Einbindung in das Naturgelände, die Wirkung auf den öffentlichen Raum, eine etwaige "Quartiersbildung", Grünzonen etc. Die sei unabhängig davon, ob es sich um die Adaptierung von Bestandsgebäuden oder um Neubauten handelt, so Schremmer.
Die Broschüre "Blickpunkt 2021 - Bauprojekte der Diözese Linz 2017-2021", wurde von der Diözesanfinanzkammer/Abteilung Kirchliches Bauen herausgegeben und von Bischof Manfred Scheuer und Landeshauptmann Thomas Stelzer mit Vorworten versehen. Fotos steuerte Thomas Markowetz bei. (Online blättern unter: www.yumpu.com/de/document/read/65926395/blickpunkt-2021)
Quelle: kathpress