
Benefizsendung mit Lackner und Landau erbrachte 5,1 Mio. Euro
Ein "humanitärer Schulterschluss" in Zeiten der Not gehört zu Österreich, eine "starke Säule" sei hier "Nachbar in Not". Das sagte Caritas-Präsident Michael Landau in der ORF-Sondersendung zugunsten der Hilfe für die Ukraine am Donnerstagabend. Gast des ORF-Benefizabends, der laut einer Aussendung am späten Abend 5,1 Mio. Euro an Spenden erbrachte, war mit dem Vorsitzenden der Österreichischen Bischofskonferenz, Franz Lackner, ein weiterer Kirchenvertreter. Landau betonte, die Unterstützung für das vom Krieg heimgesuchte osteuropäische Land werde einen langen Atem brauchen. "Kein Sprint, sondern ein Marathon" werde erforderlich sein, um die Not in der Ukraine selbst sowie für die in Nachbarländer und auch nach Österreich Geflohenen zu lindern.
Der Salzburger Erzbischof wies darauf hin, dass Religion auch in der akut so schwierigen Lage Trost und Zuversicht geben könne. Dabei seien auch kleine Zeichen wichtig. Lackner berichtete von der Bitte eines ihm Bekannten, der sich in der Ukraine aufhält, eine Kerze für die Kriegsopfer anzuzünden. Auch vom ukrainischen Pfarrer in Salzburg wisse er, dass Gebete Halt geben: Dessen Schwägerin in der Ukraine stehe kurz vor der Geburt ihres zweiten Kindes, sei aber nicht geflohen, um Vater und Kind Kontakt zu ermöglichen, berichtete der Erzbischof. In solche Gebete sollten die Religionen und Konfessionen einstimmen - und sie tun es auch, verwies Lackner auf ein ökumenisches Friedensgebet mit der ukrainischen griechisch-katholischen Gemeinde im Salzburger Dom.
Caritas-Präsident Landau bezeichnete den Krieg als "Niederlage für die Menschlichkeit", die eine rasche und koordinierte Antwort erfordere. Politik, Zivilgesellschaft und Hilfsorganisationen müssten dabei an einem Strang ziehen: "Gemeinsam können und werden wir das bewältigen", so Landau im Interview, das Barbara Stöckl und Tobias Pötzelsberger auch mit Michael Opriesnig, Generalsekretär des Österreichischen Roten Kreuzes, und ORF-Generaldirektor Roland Weißmann führten.
"Das Leid der Menschen in der Ukraine ist unermesslich. Die Ukraine steuert auf eine der größten humanitären Krisen Europas zu", sagte Opriesnig. Auch die Rot-Kreuz-Helfer vor Ort seien sehr gefährdet und müssten in Bunkern Schutz suchen. Auch wenn es logistisch schwierig sei, Hilfsgüter direkt in die umkämpften Gebiete zu bringen: "Die Hilfe kommt an", versicherte der Vertreter des Roten Kreuzes.
ORF-Generaldirektor Weißmann nannte die Spendensumme von 5.108.235.- Euro, die im Verlauf des Benefizabends über die kostenfreie A1-Spendentelefonnummer 0800 664 2022 eingingen, "ein beeindruckendes Zeichen der Solidarität" mit den Menschen in der Ukraine. Insgesamt wurden seit dem Start der "Nachbar in Not"-Hilfsaktion innerhalb von nur zwei Wochen mehr als 24 Mio. Euro gesammelt; die Bundesregierung kündigte an, die bis Ostermontag (18. April) eingegangenen Spenden zu verdoppeln. Weißmann bedankte sich auch bei den beteiligten Privatsendern für ihre Unterstützung: Der Benefizabend wurde am Donnerstag auch in Puls24 und W24 gezeigt und in servustv.com, oe24.at und exxpress.at live gestreamt.
Dossier zum Krieg in der Ukraine
Knapp: "Not steigt Stunde um Stunde"
In der Live-Sendung sprachen Stöckl und Pötzelsberger mit Geflüchteten und Helfenden, Korrespondenten berichteten über aktuelle Entwicklungen. Viele Prominente und Fachleute saßen an den Spendentelefonen und unterstützten den Benefizabend. Einer davon, Caritas-Auslandshilfe-Generalsekretär Andreas Knapp, zeigte sich gegenüber dem ORF beeindruckt von der enormen Solidarität und Hilfsbereitschaft der Menschen in Österreich: "Wir sehen in den vergangenen Wochen, Tagen und auch heute Abend, dass wir gemeinsam für unsere Nachbarn in Not einstehen." Freilich sei Durchhaltevermögen gefragt: "Die Not steigt Stunde um Stunde. Viele unserer Kolleginnen, Kollegen und betreute Menschen - darunter viele Kinder und alte Menschen - harren seit Tagen in Kellern und Luftschutzbunkern aus", berichtete Knapp. Lebensmittel und Trinkwasser gingen zur Neige. Mit den immer massiveren Angriffen und Kriegsverhandlungen nehme auch die Not zu, der Hilfsbedarf werde "weiterhin massiv steigen".
Kontonummer der Aktion "Hilfe für die Ukraine": Nachbar in Not, IBAN: AT21 2011 1400 4004 4003; Caritas-Konto IBAN: AT23 2011 1000 0123 4560, Kennwort: "Ukraine Soforthilfe", www.caritas.at/ukraine
Quelle: Kathpress