
"Job der Kirche": Brücken bauen
Zulehner warnt vor Parteilichkeit der Kirchen
"Job der Kirche": Brücken bauen
Zulehner warnt vor Parteilichkeit der Kirchen
Vor der Gefahr der Parteilichkeit der Kirchen im Ukraine-Krieg warnt der Wiener Theologe Paul Zulehner. "Die Versuchung der Kirche könnte sein, sich missbrauchen zu lassen, zur Rechtfertigung des Krieges, zur Rechtfertigung weiterer Kämpfe", sagte der Theologe im ORF-Länderformat "Vorarlberg heute" am Donnerstag. Zulehner war zu Gast im Vorarlberger Katholischen Bildungshaus St. Arbogast in Götzis, wo er u.a. über "Krieg und die Rolle der Kirche" sprach.
Anstelle sich vor den "kämpferischen Wagen" spannen zu lassen, wünsche er sich sowohl von der russisch-orthodoxen, aber von der griechisch-katholischen Kirche, dass sie "Brücken bilden" und sich nicht durch die Mächtigen auseinander trennen ließen. Menschen in beiden Völkern zusammenbringen, das sei der "eigentliche Job der Kirche heute", zeigte sich Zulehner überzeugt.
In der Darstellung des Krieges werde viel gelogen, betonte Zulehner, die Kirchen müssten hier klar aufzeigen, wofür sie stehen, nämlich "zu wirklicher Freiheit, zu wachsen in der Gerechtigkeit". Die Gewaltlosigkeit, wie sie Europa nach dem Zweiten Weltkrieg kannte, könne man mit dem Potenzial dieses Kontinents wieder erlangen, so Zulehner: "Europa steht für Freiheit, für Gerechtigkeit und für die Wahrheit."
Dossier zum Krieg in der Ukraine
Ohne Kirchen wäre es sozial kühler
Die offizielle Kirche bemühe sich viel um Neutralität, aus ihr heraus werde aber auch politische Arbeit verrichtet, erinnerte Zulehner."Die Kirche macht in vielen Bereichen schon jetzt eine viel bessere Arbeit, als wir gesellschaftliche wahrnehmen." Er sei überzeugt, "wären die Kirchen nicht, wäre das Land sozial und menschlich kühler und ärmer".
Die Katholische Kirche sei auch in der jetzigen Situation sehr engagiert, etwa durch die Caritas, die "an vorderster Front steht, Güter liefert und sich um Flüchtlinge kümmert". Aber auch das diplomatische Engagement durch den Vatikan dürfe nicht unterschätzt werden. So schicke der Papst Gesandte in die Krisenregionen und der vatikanische Kardinalstaatssekretär Parolin habe etwa mit dem Außenminister Russlands Lawrow telefoniert. "Ich glaube, der Vatikan tut derzeit alles, um das menschliche Leid durch die Bomben zu beenden", so die Einschätzung Zulehners.
Quelle: Kathpress