
Innsbrucker Dom bleibt wegen Sanierung ein halbes Jahr geschlossen
2024 steht mit "300 Jahre St. Jakob" ein rundes Jubiläum an, für das der Innsbrucker Dom einer umfassenden Sanierung unterzogen werden soll. Diese geht im heurigen Sommerhalbjahr "in eine entscheidende Phase, die eine längere Schließung notwendig macht", kündigt die Diözese Innsbruck auf ihrer Website an. Am Sonntag, 1. Mai 2022, wird um 11.30 Uhr im Dom die vorerst letzte Heilige Messe gefeiert; am Abend desselben Tages werden in einer Prozession zur Maiandacht die konsekrierten Hostien in die Innsbrucker Spitalskirche gebracht. In der Folge werden alle Gottesdienste statt im Dom bis voraussichtlich 26. November 2022 in der Alten Spitalskirche in der Maria-Theresien-Straße gefeiert - ausgenommen das Pfingstfest und der Fronleichnamsgottesdienst, wie die Diözese mitteilte.
Die Planungen zur Sanierung der knapp drei Jahrhunderte alten, ehemaligen Stadtpfarrkirche St. Jakob, die seit der Gründung der damaligen Diözese Innsbruck-Feldkirch 1964 als Dom fungiert, reichen laut Dompfarrer Propst Florian Huber weit zurück: "Bereits 2008 wurde am Nordturm eine Musterachse erstellt, um herauszufinden, wie in weiterer Folge die steinsichtige Westfassade zu sanieren ist." In Zusammenarbeit mit dem Bundesdenkmalamt und nach Erstellung eines Finanzierungskonzeptes startete schließlich 2016 die sukzessive Umsetzung folgender dringend notwendigen Arbeiten: Reinigungs- und Ausbesserungsarbeiten an der Steinfassade, Reinigung der dortigen Steinfiguren, Instandsetzung der Ziffernblätter und Zeiger der Uhren, Ausbesserungen am Dach, Ergänzung und teilweise Erneuerung des Blitzschutzes sowie Sanierung des Sockels.
Diözese, Stadt, Land Tirol u.a. beteiligten sich auch an der Neuvergoldung der Turmkugeln und am Guss einer neuen Glocke. Für all das seien bisher 2,7 Mio. Euro ausgegeben worden, sagte der Dompfarrer.
Es gebe aber weiterhin viel zu tun: Neben den Fresken muss auch jener Steinboden dringend saniert werden, der bei der Erbauung der Stadtpfarrkirche St. Jakob von 1717 bis 1724 verlegt worden war, hieß es. Um die statische Situation des Doms zu beurteilen, wurden eine Georadarmessung sowie eine archäologische Untersuchung vorgenommen. "Es hat sich gezeigt, dass der Untergrund trägt und der Erhalt des Steinbodens folglich möglich ist", erklärte Bauleiter Franz Kronberger. Zudem werde die Erneuerung der Beleuchtung vervollständigt und der Eingangsbereich am Domplatz saniert. Die erheblichen Steigerungen der restauratorischen Maßnahmen sind nach Angaben der Diözese auch mit einer deutlichen Kostensteigerung verbunden. Ging man bisher von 3,6 Millionen Euro Investitionssumme aus, so liege man nunmehr bei 5,5 Millionen Euro.
Glettler: "Der Dom geht uns alle an"
"Der Dom, der auf einer der großen europäischen Pilgerrouten nach Santiago in Spanien liegt, geht uns alle an", betonte Bischof Hermann Glettler. Er stehe nicht nur den einheimischen Gläubigen zur Verfügung, "sondern auch den vielen Gästen und Touristen, die nach der Pandemie auch wieder zahlreicher kommen werden". Glettler hob die überzeugende organische Gesamtinszenierung des Jakobsdoms hervor: "Architektur, Altäre, Statuen, Stuckatur und Fresken greifen ineinander über." Dies berühre gerade "in unserer nervösen Zeit, in der so vieles bruchstückhaft und sinnlos nebeneinander zu existieren scheint", so Glettler.
Die jetzt anstehende Sanierung sei ein Schritt der Vorbereitung auf das 300-Jahr-Jubiläum am 9. September 2024, "aber nicht der einzige", wie der Bischof hinwies. Die bis ins Mittelalter zurückreichende Pilgertradition verpflichte mehr denn je zu einer "Offenheit gegenüber allen Menschen - ganz egal, ob sie als Gläubige oder nur als Kunstinteressierte kommen". Glettler denkt dabei auch an "postmoderne Pilger" als "die suchenden, kirchenkritischen, aber spirituell aufgeschlossenen Menschen unserer Zeit".
Besichtigung als "Jahrhundertchance"
Für Besichtigungen steht das Gotteshaus auch während der Schließmonate immer wieder zur Verfügung. Die Diözese erwähnte eine vom Verein "Journalismusfest Innsbruck" organisierte Ausstellung des Fotojournalisten Gideon Mendel im Kirchenschiff über die Auswirkungen des Klimawandels. "Eine Jahrhundertchance", die Deckenfresken der Brüder Asam aus nächster Nähe zu betrachten, kann laut Propst Huber von Ende Juni bis Mitte Oktober auf dem Gerüst, das zur Reinigung des Innenraums errichtet wird, genutzt werden: Dargestellt ist ein offener Himmel, in dem Jakob, der Schutzpatron Innsbrucks, "als höchst aktiver Fürbittender, als Wegbegleiter und Kämpfer für Gottes Reich" zu sehen ist, wie Bischof Glettler sagte.
(Spenden an die Dompfarre St. Jakob sind erbeten auf das Konto mit steuerlicher Absetzbarkeit IBAN: AT07 0100 0000 0503 1050, Info: www.domsanierung.tirol)
Quelle: kathpress