
Caritas Wien feiert Zehn-Jahr-Jubiläum von "Atelier 10"
Die Caritas Wien feiert ein kulturbezogenes Jubiläum: In einer ehemaligen Backhalle in Wien Favoriten hat sich das "Atelier 10" in den vergangenen zehn Jahren als Ausstellungs- und Arbeitsplattform für zeitgenössische Kunst etabliert. Mehr als 200 Kunstschaffende seien unterstützt, mehr als 15.000 Interessierte an mehr als 20 Ausstellungen gezählt worden, resümierte die Caritas als Trägerin des Erfolgsprojektes am Freitag in einer Aussendung. Das "Atelier 10" stehe für gezielte Förderung und professionelle Präsentation außergewöhnlicher künstlerischer Talente, aber auch für Chancengleichheit im Kunstbetrieb, wies Caritasdirektor Klaus Schwertner hin. Denn es würden auch künstlerische Leistungen von Menschen mit gesundheitlichen oder kognitiven Beeinträchtigungen unterstützt.
Dabei verfolge das Atelier ausdrücklich keine pädagogischen oder therapeutischen Ziele, wie Schwertner betonte. "Künstlerisch hochschwellig und gleichzeitig sozial niederschwellig" - mit diesem Anspruch sei die Plattform in der Kunstlandschaft, aber auch in der Soziallandschaft ein in vielerlei Hinsicht außergewöhnliches Projekt.
Bestandteile sind eine Ausstellungsgalerie und ein Gemeinschaftsatelier, in dem Künstlerinnen und Künstler nach Einladung gratis einen permanenten Schaffensraum vorfinden oder aber temporäre Praktika absolvieren. Ermöglicht wird das durch Zuwendungen von Bundeskanzleramt, Kulturministerium, Stadt Wien und Sponsoren wie der "Wiener Städtischen".
Das "Atelier 10" versucht sich laut Caritas Zuordnungen nach Kategorien wie Art Brut und Outsider Art zu entziehen und wolle "die Kunst im Zentrum der Kulturgesellschaft verorten". Günther Oberhollenzer, Kurator der Landesgalerie NÖ und Mitglied des Kunstbeirats, nannte das "Atelier 10" in ihrer strukturellen Form "einzigartig in Österreich". Er äußerte sich "begeistert von der kreativen Kraft einer Kunst, die sich jenseits von Moden und Mainstream bewegt". Auch Angela Stief, Direktorin der Albertina modern, habe das Atelier "auf der Suche nach spannenden Positionen" von Anfang begleitet, die Biografie der Kunstschaffenden sei dabei gegenüber der Qualität nachrangig.
Erste Publikation erschienen
Anlässlich des Jubiläums wurde der erste Bildband des Projektes mit dem Titel "ATELIER 10 - now we are ten" präsentiert, der im VFMK Verlag für moderne Kunst erschien. Mit mehr als 450 Abbildungen dokumentiert die Publikation den Anspruch auf Gleichheit in der Rezeption "und richtet sich sowohl gegen eine auf Relativierung als auch auf Überhöhung geeichte Erwartungshaltung - eine Haltung, die sich immer noch automatisiert einstellt, wenn über Kunst von Menschen mit kognitiven oder gesundheitlichen Beeinträchtigungen die Rede ist".
Dass Caritas und Kunst "zusammen geht", unterstrich Klaus Schwertner auch mit dem Hinweis auf den seit 2007 bestehenden offenen Kunstraum Brunnenpassage in Ottakring, der unlängst mit dem Europäischen Preis für Stadtkultur ausgezeichnet wurde. Das dort beheimatete Projekt "Tanz die Toleranz" widmet sich speziell dem Tanz als Kunstform. "Superar" wiederum - gegründet mit den Wiener Sängerknaben und dem Wiener Konzerthaus - stellt Musik als Medium in die Mitte der Caritas-Sozialarbeit. "In unseren Projekten wenden wir uns dabei an ganz unterschiedliche Bevölkerungsgruppen und wollen sie zur Begegnung auf hohem künstlerischen Niveau führen", erklärte Schwertner abschließend.
Quelle: kathpress