
Filmprojekt zeigt Schicksal des St. Pöltner Taubstummeninstituts 1938
Von der vom nationalsozialistischen Regime erwirkten Auflösung des bischöflichen Taubstummeninstituts in St. Pölten handelt ein Dokumentarfilm, der derzeit in der niederösterreichischen Landeshauptstadt entsteht. Wie die Pressestelle der Diözese St. Pölten bekanntgab, wurde der Film der Reihe "Der Wert des Lebens" an den Originalschauplätzen auf der Ochsenburg und direkt im ehemaligen Gebäude des Instituts, dem "Prandtauerhaus" in der Klostergasse 15, gedreht. Vorbild seien erhaltene Bilder aus dem Institutsarchiv gewesen.
Ende Mai 1938, nur zwei Monate nach dem "Anschluss" Österreichs an das nationalsozialistische Deutschland, wurden die gehörlosen Schülerinnen und Schüler des damaligen "Taubstummeninstituts" in St. Pölten in den frühen Morgenstunden geweckt und aufgefordert, das Notwendigste zu packen und sich von den Schulschwestern, die sie betreuten, zu verabschieden. Sie wurden von den Nationalsozialisten auf Lkws verladen und weggebracht - wohin genau und was ihr Schicksal war, ist bis heute nicht vollends geklärt. "Ihre Spur verliert sich in den Gräueln einer Ideologie, welche über den Wert eines Lebens entscheidet", heißt es in der diözesanen Mitteilung.
In die Entstehung involviert waren Schülerinnen und Schüler der Mittelschule Viehofen, deren Schulspielgruppe "Nordlichter" unter der Leitung von Heidemarie Kneissl das Schicksal der gehörlosen Kinder darstellten - "mit großer Hingabe", wie es hieß. Buch und Regie des Films kommen aus der Feder der Regisseurin Anita Lackenberger, die Kameraführung übernahm Gerhard Mader, die Finanzierung die NÖMedia.
Das Gebäude des einstigen Taubstummeninstituts der Diözese St. Pölten wurde 1692 vom Barockbaumeister Jakob Prandtauer (1660-1726) - dem Erbauer von Stift Melk - als dessen Wohnhaus errichtet, an der Stelle von im Besitz des Klosters Baden errichteten Vorgängerbauten. Das bischöfliche Taubstummeninstitut erwarb das Gebäude 1865. Heute sind in den historischen Gemäuern unweit des Domes verschiedene Diözesanorganisationen untergebracht.
Quelle: kathpress