
Linzer Pastoraltheologin Csiszar: Kirche für neuen Humanismus
Eine menschenzentrierte Seelsorge lässt neben der Pastoraltheologie auch das Selbstverständnis der Institution Kirche neu denken und trägt in sich das Potenzial eines neuen Humanismus: Das hat die Linzer Pastoraltheologin Prof. Klara-Antonia Csiszar in ihrer Antrittsvorlesung an der Katholischen Privat-Universität (KU) Linz betont. Ihrem den logotherapeutischen Ansatz von Viktor Frankl aufgreifenden Verständnis von Pastoral zufolge heißt Mensch-Sein immer auch, anders werden zu können. Kirchliche Seelsorge müsse Potenziale der Entfaltung erkennen und unterstützen, nur so können Menschen zu einem wohlwollenden und konstruktiven Leben ermutigt werden, so Csiszar laut einer KU-Aussendung vom Montag.
Dies präge auch das Bild der Glaubensgemeinschaft: Nicht die Kirche habe eine Mission, sondern vielmehr habe die Mission eine Kirche: Die Leidenschaft Gottes, die "Missio Dei", sei das Wozu der Kirche, bezog sich die gebürtige Rumänin auf Papst Franziskus. Dieser wolle eine "verbeulte" Kirche, die auf die Straße geht, statt um sich selbst zu kreisen. Deren Daseinsgrund dürfe nicht vergessen werden: das Bemühen um gelingendes, gutes Leben, verbunden mit einem neuen pastoralen Handlungsstil, der den Akzent auf Heilen und Begleiten, Hereinholen und Integrieren lege. Spirituell gereifte Persönlichkeiten lassen laut Csiszar auch in der Bewältigung von individuellen und gesellschaftlichen Krisen ein "Über-sich-Hinausdenken" erkennen, das auf ein gutes Miteinander ausgerichtet ist. Damit könne das Wirken der Kirche auch als Beitrag zu einem neuen Humanismus sichtbar werden.
Internationale Ehrengäste
Klara-Antonia Csiszar lehrt bereits seit Oktober 2019 als Professorin für Pastoraltheologie an der KU Linz. Deren Rektor Christoph Niemand begrüßte bei der pandemiebedingt nachgeholten Antrittsvorlesung zahlreiche Ehrengäste, darunter den Linzer Diözesanbischof Manfred Scheuer und seinen Amtskollegen, den CCEE-Vizepräsidenten Ladislav Nemet (Zrenjanin, Serbien), den Csiszar theologisch berät; anwesend waren auch ihr Mentor, der Wiener Pastoraltheologe Paul Zulehner, weiters Dekan Janos Vik aus Cluj Napoca (Rumänien) und Prof. Andras Mate-Toth aus Szeged (Ungarn).
Zulehner würdigte die durch das Pastorale Forum in Wien unterstützte rumänische Theologin und Logotherapeutin als "Zeitzeugin für die tiefgreifende Transformation Europas, aber auch der Kirche in postkommunistischer Zeit". Csiszars Werdegang und ihr Engagement als "Europäerin" zeige, dass katholisch universell sein und "Weite atmen" könne.
Klara-Antonia Csiszar studierte Katholische Theologie, Germanistik und Pastoralpsychologie in Cluj und Wien. Von 2005 bis 2010 leitete sie das Jugendbüro in der Diözese Satu Mare in Rumänien, war Leiterin des diözesanen Pastoralbüros und Religionspädagogin. 2015 habilitierte sie sich im Fach Pastoraltheologie an der Universität Wien. 2014 bis 2019 war Csiszar wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Weltkirche und Mission an der Philosophisch-Theologischen Hochschule Sankt Georgen in Frankfurt. Csiszar ist Direktorin der Doktoratsschule Religion, Kultur, Gesellschaft der Babes-Bolyai Universität in Cluj Napoca sowie die Stellvertretende Obfrau des Pastoralen Forums in Wien.
Quelle: kathpress