
Stephansdom-Modell wird ein "Herzstück" des neuen Wien-Museums
"Jahrzehntelang auf dem Dachboden verstaubt, wird das Modell des Stephansdoms eines der Herzstücke des neuen Wien-Museums": Wie die Pfingstausgabe der "Presse am Sonntag" berichtete, ist derzeit die Restaurierung einer vor 150 Jahren entstandenen Miniatur des Wiener Wahrzeichens, das seit 1974 kaum beachtet im "Original" lagerte, voll im Gange. Ende 2023 werde der vom berühmten deutschen Modellbauer Karl Schropp gefertigte "Mini-Steffl" im neu eröffneten Wien Museum zu sehen sein. Für die bereits seit einem Jahr durchgeführte Restaurierung wurde das über vier Meter hohes Modell des Stephansdoms, bei dem auch das Kircheninnere ausgestaltet und einsehbar ist, in 60 Teile zerlegt.
Ein Kuriosum: Der 1794 geborene Schropp fertigte sein Modell zwischen 1860 und 1869 in Bamberg an, ohne den Dom selbst in Augenschein genommen zu haben: Er kannte das Gotteshaus im Herzen Wiens nur von Abbildungen. Nicht nur deshalb entspreche nicht alles genau dem Original, wie "Die Presse" darlegte. Schropp habe versucht, "das Gebäude in den gotischen Originalzustand zurückzuversetzen", erzählte Andreas Gruber, Leiter des Restaurierungsprojekts. Dasselbe mit dem Original-Dom zu machen, sei damals in Wien diskutiert worden. Auch die Pummerin fehlt beim kleinen Steffl: Denn die berühmte Glocke stammt aus der Barockzeit. Weggelassen hat der Modellbauer zudem die barocke Innenausstattung sowie die angedeuteten weiblichen und männlichen Geschlechtsteile auf der Fassade des Original-Doms.
Modelle waren im 19. Jahrhundert eine beliebte Möglichkeit, den Menschen internationale Sehenswürdigkeiten näherzubringen, berichtete Gruber. Besonders war Schropps Stephansdom auch wegen seines "interaktiven Elements": Über eine Öffnung im Sockel konnten Betrachter den Kopf hineinstecken und so den Dom "betreten". Verarbeitet hatte der "Königliche Hofmodelleur" bei seiner Arbeit Holz für das Grundgerüst, Papier, Karton, für die Figuren und Verzierungen eine eigens entwickelte Formmasse.
Erst auf Umwegen nach Wien
Nach Schropps Tod 1875 wollte dessen Sohn das Modell verkaufen. Aber erst 1904 kam es als Geburtstagsgeschenk des damaligen Bürgermeisters Karl Lueger nach Wien. Zunächst konnte man es im Rathaus betrachten, 1974 wurde es im Stephansdom untergebracht und war nur bei seltenen Veranstaltungen zu sehen. Für die Generalüberholung wurden die Einzelteile in einer spektakulären Aktion mit Seilen durch eine Luke im Gewölbe des Doms nach unten geschafft.
Restauratorin Sophie Rabitsch macht sich daran u.a. mit Wattestäbchen fürs "Fensterputzen" zu schaffen, Wände säubert sie mit kleinen Schwämmchen. "Die vielen Details, wie akribisch und fein alles gearbeitet ist", das beeindrucke Rabitsch bei dem Modell am meisten, wie sie der "Presse" sagte. Kein Gesicht eines Wasserspeiers, keine noch so kleine Verzierung auf den unzähligen Türmchen sei Schropp zu mühsam gewesen. Wenn eine Verzierung oder ein Statuen-Kopf verloren ging, muss Rabitsch selbst Hand anlegen. Ausgebessert wird nur dort, wo das Gesamtbild des Werks gestört ist. "Grundsätzlich gilt bei restauratorischen Eingriffen: So viel wie nötig, so wenig wie möglich", erläuterte Gruber.
Quelle: kathpress